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Flutopfer in Euskirchen: So will der Kreis den Betroffenen helfen

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Trecker arbeiten in der historischen Altstadt an der Beseitigung der Hochwasser-Schäden.
Der Kreis Euskirchen will den Flutwasser-Betroffenen weiterhin helfen (Symbolbild) © Federico Gambarini/dpa

Mit dem „Aufbauhilfe“-Mobil versucht der Kreis Euskirchen den Flutwasser-Betroffen beim Antragsausfüllen zu helfen. Denn das ist alles andere als einfach.

Bad Münstereifel – Das Wohnmobil mit dem Aufkleber „Aufbauhilfe“ parkt in der Herbstsonne in Kirspenich, einem Ortsteil von Bad Münstereifel. Dahinter fließt die Erft. Jetzt ist sie ein Flüsschen, aber vor zwölf Wochen wälzte sich das zerstörerische Hochwasser durch Straßen und Häuser. Unter anderem ist die Steinbachtalsperre vollgelaufen.

Nun wartet an einem Stehtisch David Decker darauf, dass er Hochwasser-Opfer unterstützen kann. Normalerweise arbeitet er im Katasteramt des Kreis Euskirchen. Jetzt geht es um die Aufbauhilfe von Bund und Land für die Menschen, die Hab und Gut verloren haben. Rund ein Dutzend Leute kommen an diesem kühlen Herbstmorgen.

Kreis Euskirchen: Aufbauhilfe für Flutopfer – „wir wollen die Menschen nicht alleine lassen“

Markus Ramers (SPD), Landrat des Kreises Euskirchen, steht vor einer Beratungsstelle für Aufbauhilfe.
Mit der Beratungsstelle für Aufbauhilfe will der Kreis Euskirchen den Betroffenen helfen. © Federico Gambarini/dpa

Hier geht es um ein Gespräch vor dem eigentlichen, umfangreichen Antrag zur Aufbauhilfe für Flutopfer. Was braucht man dafür? Unter anderem eine E-Mail-Adresse, die Steuer-Identifikationsnummer, eventuell einen Gutachter, eine Beschreibung der Ereignisse und Schäden, Angaben aus dem Grundbuch und, und, und. „Jeder Fall ist irgendwie anders“, sagt Markus Ramers (SPD), der Landrat des Kreises Euskirchen. „Wir wollen die Menschen nicht alleine lassen mit diesem Online-Antrag.“ Schon die Anleitung zum Ausfüllen ist 30 Seiten lang.

Im Eifel-Kreis Euskirchen hat das Hochwasser besonders schlimm gewütet. Mehrere Menschen starben. Mehr als 15.000 Haushalte beantragten Soforthilfe. Nach bald drei Monaten sind viele sichtbare Trümmer weggeräumt. Die Dorfstraße sieht wieder adrett aus. Normal ist aber nichts. Gelegentlich stehen schlammbedeckte Möbel und Container mit Mauerteilen vor Häusern. In einem Ort hat der Metzger aufgehört, im anderen der Bäcker noch nicht wieder geöffnet. Die Schäden sind nicht unbedingt von außen zu erkennen. In vielen Häusern sind die Erdgeschosse noch entkernt.

Kreis Euskirchen: Aufbauhilfe für Flutopfer –„Der Redebedarf ist groß“

Manche Betroffene wüssten noch nicht, ob sie überhaupt die Kraft für den Wiederaufbau haben, erzählt eine Studentin aus dem Beraterteam des Kreises. „Mit 85 Jahren nochmal das Haus aufbauen – will ich das?“, sei eine der Fragen. Andere hätten entschieden: „Ich verkaufe lieber, ich bin 82 und kann das nicht mehr.“

„Der Redebedarf ist groß“, berichtet eine Psychologin, die ehrenamtlich vor Ort ist. Eine besorgte Mutter habe ihr Leid geklagt. „Wenn es regnet, fängt ihre Tochter sofort an zu weinen.“

Der Kreis hat 78 Berater im Einsatz. In den nächsten drei Monaten fahren Mitarbeiter mit dem „Aufbauhilfe“-Mobil in alle elf betroffenen Hochwasserkommunen. Dann wird ein fester Termin in einer der elf Anlaufstellen vereinbart. Um genügend Berater zu haben, wurden Pensionäre zurückgeholt, Verträge von Teilzeitern aufgestockt, Mitarbeiter aus anderen Abteilungen geholt und Zeitarbeiter angeheuert. Auf Vermittlung des Landes NRW gab es personelle Unterstützung aus anderen Behörden.

Aufbauhilfe für Flutopfer – „Unterstützungsangebot so lange vorhalten, wie es nötig ist“

Im Erdgeschoss der Fachhochschule für Rechtspflege in Bad Münstereifel hilft hinter blauen Stellwänden eine junge Frau beim Ausfüllen des Wiederaufbau-Antrags. „Alles, was mit Handwerkern zu tun hat, ist eine Katastrophe“, erzählt sie. Handwerkerbetriebe seien teils selbst flutgeschädigt, die Nachfrage riesig. Wer Aufbauhilfe beantragen möchte, kann das nur online tun. Aber nicht jeder hat schon wieder Internet, bei anderen sind die „Laptops schwimmen gegangen“.

Euskirchens Landrat Ramers erwartet einen finanziellen Ausgleich für die aufwendige Unterstützung des Kreises. Die Erfahrungen der ersten Wochen zeigten, dass eine Antragstellung für viele Menschen ohne die Hilfe nicht zu schaffen sei. „Wir leisten diese Hilfestellung gerne und werden unser Unterstützungsangebot so lange vorhalten, wie es nötig ist“, sagt er. Das Land solle den Kreis bei der Erfüllung dieser Aufgabe nicht alleine lassen.(dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren

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