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Folgen der Corona-Krise: Gefahr von Suchterkrankungen nimmt laut Experten stark zu

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Ein Mann hält eine Flasche mit Bier in der Hand (gestellte Szene).
Suchterkrankungen wie die Alkoholsucht werden nach Ansicht von Experten durch die Corona-Krise verstärkt (Symbolbild). © Caroline Seidel/dpa

Abhängigkeiten wie Alkohol- oder Drogensucht werden durch die Corona-Krise verstärkt. Experten berichten über ihre Erfahrungen während Corona.

Köln – Die Corona-Krise verstärkt nach Einschätzung von Experten die Gefahr von Suchterkrankungen. „Bei vielen Beratungsstellen ist die Nachfrage nach Beratung vor allem seit dem zweiten Lockdown gestiegen“, sagte der Leiter der Landesfachstelle Suchtprävention NRW, Hans-Jürgen Hallmann, der Deutschen Presse-Agentur. „Die fehlende Tagesstruktur, Überforderung durch Kurzarbeit oder Homeoffice, mangelnde soziale Kontakte und Langeweile wirken wie Problembeschleuniger.“

Corona in NRW: Viele Selbsthilfegruppen für Suchtkranke können sich nicht treffen

Dabei gehe es um Alkohol und Cannabis, aber auch exzessiven Medien-Konsum. Gefährdet seien besonders Menschen, die bereits vor der Corona-Pandemie suchtkrank waren und weiterhin Unterstützung benötigen. „Ihnen fehlt nun der Halt“, sagte Hallmann. „Rückfälle drohen vor allem bei Menschen, die in Selbsthilfegruppen integriert sind, die sich coronabedingt nicht treffen können.“ Beratungen erfolgten zurzeit überwiegend telefonisch oder per Video. „Manchmal treffen sich Berater auch mit einem Klienten zum Spaziergang.“

Gerade für Menschen, die nach einer Sucht abstinent lebten, sei der Lockdown Gift, sagte auch Angelika Schels-Bernards, Referentin für Suchthilfe beim Diözesan-Caritasverband des Erzbistums Köln. „Frustration und Einsamkeit, aber auch Kurzarbeit oder Entlassungen können Menschen zurück in die Abhängigkeit treiben.“

Suchterkrankungen durch Corona in NRW: Caritas spricht von „doppelt so vielen Anfragen“ wie 2019

Die Caritas-Beratungsstellen im Erzbistum hätten 2020 teilweise doppelt so viele Anfragen erhalten wie im Vorjahr. Oft seien es Angehörige von Suchtgefährdeten, die nach Hilfen fragten. Da Familien wegen Corona mehr Zeit zusammen Zuhause verbrächten, fliege Suchtverhalten eher auf, sagte Schels-Bernards. „Vor dem Lockdown boten zum Beispiel Schule und Arbeit eine Menge Nischen, um heimlich zu konsumieren.“

Auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gab es sowohl Erstkontakte zu Personen, die im Zusammenhang mit Corona eine Suchtproblematik entwickelten, als auch Kontakte zu Klienten, die in Folge des Lockdowns rückfällig wurden. Die Zahl der Beratungen sei dabei nicht gestiegen, sagte eine Sprecherin der AWO. Jedoch hätten die Substitutionsambulanzen mehr Abhängige aufgenommen.

Doch nicht nur Suchterkrankungen werden durch die Corona-Krise gefördert. Auch Depressionen treten durch die Pandemie vermehrt auf. Hier erfahren Sie, wo Sie Hilfe erhalten können. (bs/dpa/lnw)

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