1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Zukunft von Galeria-Filialen: Werden einige Standorte übernommen?

Erstellt:

Von: Mirjam Ratmann

Geschlossene Galeria-Kaufhof-Filiale in Essen.
2020 musste die Galeria-Filiale in der Essener Innenstadt schließen. © Alexander Blum/dpa

Auch nach der Aufsichtsratssitzung bei Galeria Karstadt Kaufhof bleibt weiter offen, wie viele und welche Galeria-Filialen schließen werden. Es könnten aber weniger sein, als zunächst angenommen.

Essen – Die Zukunft von Deutschlands letzter großer Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist weiterhin ungewiss. Zwei Monate nach Beginn des zweiten Schutzschirmverfahrens innerhalb von drei Jahren dringt weiter wenig über die Umstrukturierungspläne des Unternehmens an die Öffentlichkeit.

UnternehmenGaleria Karstadt Kaufhof GmbH
FusionGaleria Kaufhof und Karstadt 2019
SitzEssen
Angstellte17.000
Filialen131, davon 31 in Nordrhein-Westfalen

Übernahme von Galeria-Standorten: Erste Interessenten

Wie Galeria mitteilte, gäbe es jedoch mittlerweile einige Bieter, die Interesse an der Übernahme von Geschäften geäußert hätten. Zu den Interessenten machte das Unternehmen mit Sitz in Essen keine weiteren Angaben. Die Dortmunder Modehandelskette Aachener hatte jedoch bereits am Montag, 16. Januar, mitteilen lassen, dass sie mit der Warenhauskette Gespräche über die Übernahme „einer größeren Zahl von Galeria-Standorten“ führe. „Sollte es zu Übernahmen kommen, wird allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der betroffenen Filialen das Angebot gemacht, den Arbeitsplatz zu behalten“, kündigte die Kette an.

Zur Frage, welche Standorte für sie infrage kommen, äußerte sich Aachener nicht. Im Dezember 2022 hatte es schon einmal kurz zeitlich so ausgesehen, als ob einige Galeria-Filialen gerettet werden können: Damals hatte Markus Schön, Chef des Onlinehändlers Buero.de, angekündigt, 47 Galeria-Standorte übernehmen zu wollen. Im Dezember 2022 zog Buero.de das Angebot jedoch zurück.

Weniger Galeria-Filialen als befürchtet werden schließen müssen

So ist aktuell also weiterhin offen, welche Filialen möglicherweise noch in diesem Jahr schließen müssen. Nach Angaben des Unternehmens hätten sich das Galeria-Management und der Gesamtbetriebsrat aber auf die ersten Eckpunkte eines Sozialplans und Interessenausgleichs geeinigt – Details nannten sie nicht. „Aufgrund der laufenden Gespräche mit Vermietern und möglichen Erwerbern steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest, welche Filialen weiterbetrieben oder geschlossen werden“, sagte das Unternehmen gegenüber dpa.

Es stehe jedoch fest, dass die Filialen in der jetzigen Struktur und Anzahl nicht aufrechterhalten werden könnten, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Dort heißt es aber auch: „Die Zahl der Filialen, die im Fokus der Prüfung einer Schließung standen, konnte deutlich reduziert werden.“

Auf Nachfrage von 24RHEIN hieß es vonseiten der Unternehmenskommunikation, dass man abhängig von Miete, Flächennutzung, energetischen Sanierungen und möglichen Modernisierungs- und Baumaßnahmen entscheiden werde, ob ein Standort erhalten bleiben könne oder nicht. „Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januar dieses Jahres Klarheit darüber geben wird.“

Rund 60 Galeria-Filialen könnten geschlossen werden, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet. Welche Filialen schließen könnten, ist weiterhin nicht bekannt. (Update vom 19. Januar 2023)

Galeria Kaufhof Karstadt: Seit 2020 in einer Dauerkrise

Galeria Karstadt Kaufhof hatte Ende Oktober vergangenen Jahres zum zweiten Mal innerhalb von weniger als drei Jahren Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Galeria-Chef Miguel Müllenbach sagte damals, das zuletzt noch 131 Warenhäuser umfassende Filialnetz müsse im Zuge des Schutzschirmverfahrens „um mindestens ein Drittel reduziert werden“.

Damit stünden mindestens 40 Warenhäuser vor der Schließung. Zwischenzeitlich war man von bis zu 90 Läden ausgegangen, die es bei einer Umstrukturierung treffen könnte. Von den 131 Filialen deutschlandweit gibt es derzeit alleine noch 31 Standorte in NRW – unter anderem in DüsseldorfKölnDuisburg und Bonn.

Diese Galeria-Filialen sind von einer Schließung gefährdet

Bereits während der Corona-Krise 2020/21 war Galeria Karstadt Kaufhof in die Krise geraten. Die Gewerkschaft Ver.di, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Galeria vertritt, spricht in einem Papier von einem Umsatzverlust von bis zu 1,8 Milliarden Euro. Durch die Schließungen während der Lockdowns musste das Unternehmen bereits im April 2020 ein erstes Schutzschirmverfahren beantragen. 2021 erhielt Galeria einen Staatskredit von über 460 Millionen Euro, um die Folgen des Lockdowns zu überstehen.

Galeria-Filiale im Limbecker-Platz möglicherweise Kandidat für Schließung

Statt den ursprünglich geplanten 60, mussten damals dann 40 Filialen schließen. In NRW konnten die Filialen in Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf (Schadowstraße), Essen (Limbecker Platz), Leverkusen und Neuss in letzter Sekunde durch Mietminderung gerettet werden. Trotzdem verloren, laut ver.di-Angaben, rund 2.500 Menschen ihre Arbeit.

Nun könnten manche Geschäfte einmal mehr auf der Abschussliste stehen. Für das Einkaufszentrum Limbecker Platz wäre das bitter, denn: Galeria ist eines der Herzstücke des Centers am Rande der Essener Innenstadt und erstreckt sich über drei Stockwerke. Bereits 2020 hatte die Galeria-Kaufhof-Filiale in der Essener Innenstadt schließen müssen. Sollte der Laden im Limbecker Platz jetzt auch noch zu machen, könnten 125 Menschen ihre Jobs verlieren. (mit dpa)

Auch interessant