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Goldschakal in NRW gesichtet – er sieht aus wie ein Wolf

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Von: Maximilian Gang

Ein Goldschakal wurde in Hamm gesichtet.
Erwischt: In Hamm wurde ein Goldschakal von einer Wildkamera fotografiert. © Thorsten Voßhage

Der Goldschakal breitet sich zunehmend in Mitteleuropa aus. In NRW wurde ein Tier von einer Wildkamera erfasst. Wo er jetzt steckt, ist unklar.

Hamm – In den vergangenen Jahren haben immer mehr exotische Tiere ihren Weg nach Europa und auch nach Deutschland gefunden. So haben sich hierzulande beispielsweise schon chinesische Marderhunde, Flamingos oder auch Waschbären verbreitet. Nun wurde ein weiteres Exemplar eines ungewöhnlichen Tiers in NRW gesichtet.

Am 15. November wurde ein Goldschakal am Nordostrand des Ruhrgebiets in Hamm von einer Wildkamera fotografiert. Der Schnappschuss erfolgte im Umfeld des Landschaftsschutzgebietes Kerstheide, wie es in der Mitteilung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) heißt. Der Verbleib, die Herkunft und das Geschlecht des Tieres sind bisher noch nicht bekannt. Zuletzt machte sich das Raubtier in immer mehr west- und nordeuropäischen Staaten breit.

Goldschakal (Canis aureus)
OrdnungRaubtiere (Carnivora)
UnterordnungHundeartig (Caniformia)
FamilieHunde (Canidae)
TribusEchte Hunde (Canini)
GattungWolfs- und Schakalartige (Canis)
Lebenserwartung in freier Wildbahncirca acht Jahre
Lebenserwartung in freier Wildbahnbis zu 14 Jahren

Goldschakal in NRW: Sichtungen nehmen deutlich zu

In den vergangenen Jahrzehnten ist es immer wieder zu Erstnachweisen des Goldschakals in verschiedenen Ländern gekommen. Der erste dokumentierte Nachweis des Raubtiers in Deutschland ist dabei erst 25 Jahre her: 1997 wurde das erste Exemplar in Brandenburg dokumentiert. Seitdem gab es bis 2021 rund 80 Sichtungen des wolfsartigen Hundes in Deutschland. Das Besondere: Rund 60 der Nachweise stammen aus dem Jahr 2020, berichtet das Jägermagazin. Die erste Identifizierung in NRW erfolgte erst im Spätsommer 2020. Und das Tier scheint sich in Mitteleuropa wohl zu fühlen.

Denn neuerdings konnte auch nachgewiesen werden, dass sich das nachtaktive Raubtier in Deutschland fortpflanzt: Erst 2021 wurde erstmals die Reproduktion in Deutschland nachgewiesen – und zwar in Baden-Württemberg. Seitdem häufen sich die Fortpflanzungsnachweise: In 2022 wurden bereits Würfe in Baden-Württemberg und Niedersachsen belegt. Dabei hat das Tier über Generationen bereits weite Strecken zurückgelegt, um neue Lebensräume zu erschließen.

Wie sieht ein Goldschakal aus?

Ein Goldschakal ist ein hundeartiges Tier und ähnelt im Aussehen einem Fuchs. Anders als beim Fuchs ist der Goldschakal jedoch hochbeiniger und kräftiger gebaut. Auch der Schwanz ist mit 20 bis 30 Zentimetern kürzer als beim heimischen Fuchs. Er hat etwa 50 Zentimeter hohe Schultern und ist zwischen 70 und 90 Zentimetern lang, bei einem Gewicht von rund 10 Kilo. Einzelne Tiere werden sogar bis zu 15 Kilogramm schwer. Das Fell des Raubtiers ist goldbraun, mit weißen Absetzungen am unteren Teil der Schnauze und des Halses. Im Vergleich zu seinem natürlichen Feind – dem Wolf – ist der Goldschakal deutlich kleiner und graziler und hat eine feinere Schnauze.

Goldschakal in NRW gesichtet – er ist ein Allesfresser

Der natürliche Lebensraum des Fleischfressers umfasste ursprünglich Indien, den Nahen Osten und weitere asiatische Regionen. Mittlerweile reicht er bis in viele Regionen von Europa. Das liege unter anderem an der Flexibilität und der guten Anpassungsfähigkeit des Tiers: „So ist der Goldschakal sowohl in einer reich strukturierten Agrarlandschaft anzutreffen, als auch in Feuchtgebieten mit geeigneten Bedingungen“, wie das LANUV erklärt.

Dabei ist besonders ein Kriterium bei der Wahl des Lebensraumes für das Tier wichtig: die Nahrungsverfügbarkeit. Und Goldschakale sind wahre Allesfresser: Die Nahrung des Schakals besteht aus „kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, aber auch aus Amphibien, Insekten, Fischen, Aas und pflanzlicher Nahrung“, so das LANUV. Deshalb ist der Goldschakal in der Lage, sich gut an die saisonal verfügbaren Ressourcen anzupassen.

Ist der Goldschakal gefährlich?

Der Goldschakal ist ein Raubtier, und deshalb für bestimmte Lebewesen durchaus sehr gefährlich – der Mensch gehört jedoch nicht dazu. Die Tiere sind nämlich eher scheu und meiden den Kontakt zum Menschen. Für Halter von Nutztieren ist aber trotzdem Vorsicht geboten: Vereinzelt gibt es von Nutztierhaltern Berichte darüber, dass ein Goldschakal eines ihrer Tiere gerissen hat. Die Jagd des Schakals ähnelt dabei der des Fuchses: Er stellt seine Ohren auf, macht einen Katzenbuckel, hebt den Schwanz und springt mit den Vorderpfoten auf der Beute, die er durch Schütteln oder einen kräftigen Biss tötet.

Weil auch Tiere zum Beuteschema des Goldschakals gehören, müssen Halter von Nutztieren vorsichtig sein: „Beim Goldschakal werden in Nordrhein-Westfalen keine freiwilligen Entschädigungsleistungen für Risse an Nutztieren gewährt“, wie das Lanuv erklärt. Präventionsmaßnahmen gegen Wölfe seien jedoch auch zum Schutz vor dem Goldschakal geeignet. Unter strengem Artenschutz steht der tierische Neuankömmling nicht. Fragen zum Herdenschutz beantwortet die zentrale Servicehotline Herdenschutz (02945 989 898) der Landwirtschaftskammer NRW. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Köln & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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