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Großrazzia gegen Al-Zein-Clan in NRW: Hunderte Polizisten im Einsatz

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Von: Peter Sieben

Großrazzia gegen Al-Zein-Clan
Großrazzia der Polizei gegen kriminelle Mitglieder des Al-Zein-Clans unter anderem in Solingen, Bochum und Dortmund. © Gianni Gattus/dpa

Spezialkräfte der Polizei durchsuchten zahlreiche Häuser in NRW: Kriminelle Mitglieder des Al-Zein-Clans werden der Autohehlerei verdächtigt – und es geht auch um Erpressung.

Köln – Am Mittwochmorgen ging die Polizei im Rahmen einer groß angelegten Razzia in ganz Deutschland gegen kriminelle Mitglieder des Al-Zein-Clans vor. Schwerpunkt ist Nordrhein-Westfalen, wie das NRW-Landeskriminalamt (LKA) am Morgen mitteilte. Die Einsatzkräfte durchsuchten demnach 20 Häuser in mehreren Bundesländern. In NRW waren die Beamten unter anderem in diesen Städten im Einsatz:

Razzia gegen Al-Zein-Clan: Es geht auch um Coronahilfe-Betrug

Auch in Berlin, Niedersachsen und Hessen gab es Durchsuchungen. Aus Ermittlerkreisen hieß es, dass geleaste Autos unterschlagen und mit neuen Kennzeichen versehen verkauft worden sein sollen. In einem zweiten Ermittlungskomplex geht es um Betrug mit Corona-Soforthilfen, heißt es vonseiten der Deutschen Presse-Agentur. Beide Verfahren überschneiden sich anscheinend. Die Federführung liegt beim Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen.

Clan-Mitglieder verkauften gemietete Luxusautos

In NRW gibt es laut LKA 17 Beschuldigte im Alter von 30 bis 38 Jahren. Sie werden verdächtigt, in mindestens acht Fällen mit betrügerisch erlangten, unterschlagenen oder gestohlenen Fahrzeugen gehandelt zu haben. Dabei geht es vor allem um hochpreisige Luxusautos: Audi Q7, Porsche Panamera, Mercedes S 350 D. Die Verdächtigen sollen die Leasing- und Mietfahrzeuge vertragswidrig an Dritte verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wirft einem der Beschuldigten zudem Erpressung im Zusammenhang mit dem Betrieb eines illegalen Glücksspiels.

Kriminelle Clans in NRW

Unter kriminellen Clans in NRW versteht man meist kriminelle Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln. Nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) gehören in Deutschland rund 200.000 Menschen zu solchen Großfamilien.

Die meisten von ihnen sind nicht kriminell, aber einige von ihnen haben sich zu mafiaartigen Gruppierungen zusammengeschlossen.

Die Clans gehören oft zu den Mhallami-Kurden, die einst aus der Türkei in den Libanon gewandert waren. Während des libanesischen Bürgerkriegs flüchteten viele on den 1970er Jahren nach Deutschland und kamen vor allem in NRW, Berlin Niedersachsen und Bremen unter.

Manche Familien behielten über Generationen nur einen Duldungstatus, auf dem Arbeitsmarkt haben sie es damit schwer. Das sehen Experten als eine Ursache dafür, dass sich aus der Perspektivlosigkeit heraus kriminelle Netzwerke innerhalb mancher Familien gebildet haben.

In NRW begehen die kriminellen Clans viele schwere Verbrechen, sie sind unter anderem im Menschenhandel, Drogenhandel, Betrug und im Bereich Steuerhinterziehung im großen Stil aktiv. Laut dem NRW-Landeskriminalamt machten im Jahr 2021 Verfahren gegen die Clans 20 Prozent aller Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität aus.

Bei den Durchsuchungen fand die Polizei auch eine Schusswaffe. Außerdem stellten die Einsatzkräfte Beweismittel wie Handys, Speichermedien und Unterlagen über die Beschaffung, den Transport sowie den Verkauf von Autos sicher.

Al-Zein-Clan: Villa in Leverkusen vom Jobcenter bezahlt

Der Al-Zein-Clan sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Zurzeit stehen Angehörige in Düsseldorf vor Gericht, deren Villa in Leverkusen mit Geldern vom Jobcenter bezahlt worden sein soll. Der Staatsanwalt hatte vor wenigen Tagen für den Clan-Chef eine Haftstrafe von sechs Jahre gefordert. Die Urteile sollen am 22. Dezember gesprochen werden. (pen, mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren

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