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Mutmaßlicher Anschlag auf Synagoge in Hagen: Weitere Funde bei Verdächtigem (16)

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Polizisten stehen vor der Synagoge in Hagen.
Vor einer Synagoge in Hagen kam es am 15. September zu einem großen Polizeieinsatz. © Markus Klümper/dpa

Im Fall der Anschlagspläne für die Synagoge in Hagen sind die Ermittler einen Schritt weitergekommen. Sie fanden reichlich islamistisches Propagandamaterial beim 16-jährigen Verdächtigen.

Düsseldorf – Bei dem 16-Jährigen, der einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen geplant haben soll, haben die Ermittler islamistisches Propagandamaterial entdeckt. Es gebe nicht mehr nur den Chat mit einem mutmaßlichen IS-Terroristen, hieß es am Dienstag von Seiten der Sicherheitsbehörden in NRW. Bei dem Jugendlichen sei im Zuge der Auswertung inzwischen deutlich mehr Material entdeckt worden, darunter seien auch grausame Darstellungen.

Die Behörden sehen in dem Fall ein bekanntes Vorgehen des Islamischen Staates, das auch schon bei Anschlägen in Ansbach und Würzburg zu beobachten gewesen sei. Hintermänner des IS sprächen im Netz gezielt Jugendliche und junge Männer an, bei denen sie eine ideologische Nähe vermuteten. Dann stachelten sie sie zu Anschlägen an und übermittelten ihnen das nötige Wissen wie etwa Bombenbauanleitungen.

Synagoge Hagen: IS-Konstrukteur spricht jungen Syrer im Netz an

In diesem Fall habe ein mutmaßlicher IS-Konstrukteur mit dem Kampfnamen Abu Harb („Vater des Krieges“) den jungen Syrer in Hagen im Netz kontaktiert. In der vergangenen Woche war ein Großaufgebot der Polizei ausgerückt, um die Synagoge in Hagen zu bewachen. Wenig später war der 16-jähriger Syrer festgenommen worden. Der Jugendliche selbst hatte bestritten, einen Anschlag geplant zu haben.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dankte den Behörden am Dienstag im Düsseldorfer Landeskriminalamt für ihr „schnelles und konsequentes Handeln“. Sie hätten eine „grausame Attacke“ verhindert und damit einen Dienst am Land geleistet. Entscheidend sei nicht, wie lange der Täter in Haft bleibe, sondern das ein Anschlag verhindert worden sei. „Der Schutz der staatlichen Institutionen hat funktioniert“, sagte Laschet. Die Bedrohungslage durch Terrorismus sei weiterhin da.

NRW: 37 Gefährder abgeschoben – „müssen das Land verlassen“

Ein Baustein im Kampf gegen den Terrorismus sei die Abschiebung von Gefährdern. 69 sicherheitsgefährdende Personen, darunter 37 als Gefährder eingestufte Personen, seien in NRW bereits abgeschoben worden. „Die, die unseren Staat gefährden, müssen das Land verlassen“, sagte Laschet.

„Wir merken immer wieder in diesen Tagen auch, wie sehr wir am Tropf befreundeter Nachrichtendienste hängen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Wir haben diese Kompetenzen und Befugnisse nicht. Wir sollten schauen, wie wir die Informationsbeschaffung verbessern können.“

Synagoge Hagen: Anwalt von 16-Jährigem stellt Antrag auf Haftprüfung

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sagte, die neue Zentralstelle für Terrorismusverfolgung habe hervorragend funktioniert. Binnen Stunden sei die Beweislage in dem Fall so weit erhärtet worden, dass der Verdächtige in Untersuchungshaft gekommen sei, auch wenn sein Anwalt nun einen Antrag auf Haftprüfung gestellt habe. Das zuständige Gericht werde darüber in einer Frist von zwei Wochen entscheiden.

Der Verteidiger des Jugendlichen, Ihsan Tanyolu, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, dass er bereits am Freitag vergangener Woche die Haftprüfung beantragt habe. Er warte zudem noch auf die Akten der Ermittler, in die er Einsicht nehmen will. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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