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Eingestürztes Windrad in Haltern am See: Überreste abgerissen – Blackbox kann geborgen werden

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Reste des Turms einer Windenergieanlage stehen im Wald. Das fast 240 Meter hohe Windrad ist in sich zusammengestürzt.
Der Grund für den Zusammensturz des Windrades ist noch unbekannt. © Guido Bludau/dpa

In Haltern am See ist aus unbekannten Gründen ein Windrad eingestürzt. Es war erst vor einem halben Jahr in Betrieb gegangen und kostete Millionen. Das sagt der Betreiber.

Haltern am See – Ein fast 240 Meter hohes und zwei Millionen teures Windrad ist am Mittwochabend (29.September) in der Nähe von Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) eingestürzt. Wie es zu dem Vorfall kam, ist zurzeit noch unklar. Laut dem Haupteigentümer RAG Montan Immobilien (RAG MI) lief dieses bis zum Zusammenbruch „einwandfrei“. Die Polizei geht nicht von einer Straftat aus. Der Windkraftbetreiber, die Stadtwerke Haltern, bezeichnet den Vorfall als eine „Katastrophe“. Die rund zwei Millionen teure Anlage war erst vor wenigen Monaten in Betrieb genommen worden. Wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich die offizielle Einweihung – sie sollte 30. September gefeiert werden.

Knapp eine Woche nach dem ungeklärten Zusammenbruch des Windrades ist der verbleibende Rest der Anlage am 5. Oktober abgerissen worden. Ein großer Kran sei eingesetzt worden, um mit einer schweren Schaufel den etwa 40 Meter hohen Stumpf des Windrades zum Einsturz zu bringen, sagte ein Sprecher der Stadtwerke Haltern. Das habe ohne Probleme geklappt. Nun könne die Blackbox der Anlage aus den Trümmern des Turms geborgen werden, um die Unglücksursache zu erforschen. Bisher sei das wegen der Einsturzgefahr nicht möglich gewesen. Die Suche nach der Ursachen werde voraussichtlich noch Wochen dauern, sagte der Sprecher. 

Windrad in Haltern am See
Gesamthöhe239 Meter
Höhe Korpus164 Meter
InbetriebnahmeFrühjahr 2021
Geplante Einweihung30. Oktober 2021
Kostenca. 2 Millionen Euro
Leistung4,5 Megawatt

Haltern am See: Grund für Windrad-Einsturz komplett unklar – zweite Anlage außer Betrieb

Zunächst habe man sich ein genaues Bild vor Ort gemacht und dann weitere Schritte beraten, sagte ein Sprecher der Stadtwerke am Morgen nach dem Einsturz an der Einsturzstelle des Windrads. Diese befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage Auguste Victoria 9.

Das Windrad war erst vor einem halben Jahr parallel mit einer zweiten baugleichen Anlage in Betrieb genommen worden. Der rund 450 Meter entfernte Zwilling sei sofort nach Bekanntwerden des Einsturzes aus Sicherheitsgründen außer Betrieb gesetzt worden. „Es wird nicht wieder in Betrieb genommen bis zur Klärung der Ursache der Havarie“, erklärte ein Sprecher von RAG Montan Immobilien.

Zwischenfälle mit Windrädern

Wie oft Windräder komplett einstürzen, ist nicht bekannt, da keine offizielle Statistik geführt wird. Dem Bundesverband Windenergie sind sechs solcher Fälle seit 2005 bekannt, wie ein Sprecher sagte. Der Verband der TÜV-Organisationen hatte nach früheren Zwischenfällen mit Windrädern von der Bundesregierung gefordert, diese Anlagen in den Regelungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung aufzunehmen. Die Sicherheit von Windrädern werde derzeit zu selten geprüft.

Windrad-Einsturz Haltern am See: Keine Verletzten – Betreiber spricht von „Katastrophe“

Das Windrad war am Mittwochabend recht weit unten abgebrochen. Der Turm sackte in sich zusammen und Teile der Flügel krachten in den umliegenden Wald. Das Windrad wurde durch den Einsturz komplett zerstört, wie ein Sprecher der RAG MI mitteilte. Stehen blieb lediglich ein etwa 40 Meter hoher Stumpf aus Betonteilen. Die Einsturzstelle wurde weiträumig abgesperrt. Die RAG geht davon aus, dass von den Trümmerteilen keine Gefahr für die Umwelt ausgeht.

Haltern am See: Augenzeuge meldete Windrad-Einsturz

Verletzt wurde niemand. Ein Förster hatte gegen 18:30 Uhr Polizei und Feuerwehr alarmiert. Beim Einsturz war das Windrad laut Betreiber am Netz. Sehr windig war es laut der Feuerwehr zufolge nicht.

Man habe es zunächst nicht glauben können, sagte Georg Rohlf von der Freiwilligen Feuerwehr Haltern am See am Mittwochabend der dpa. „Aber als wir hier eingetroffen waren, sah die Lage aus, wie sie jetzt ist: Dieses Windrad ist wirklich so eingestürzt“. Auch die Stadtwerke Haltern zeigten sich am Donnerstagmorgen bestürzt über den Vorfall. Nun beginne die Suche nach „den Ursachen der Katastrophe“, erklärte der Betreiber auf Facebook. Bereits in der Nacht sei ein Mitarbeiter der Herstellerfirma Nordex dazu angereist.

Reste des Turms einer Windenergieanlage stehen im Wald.
Das fast 240 Meter hohe Windrad in Haltern am See ist in sich zusammengestürzt. © Christoph Reichwein/dpa

Windrad Haltern am See: Gutachter sollen Ursache klären

Um sich Bild des Trümmerfeldes zu verschaffen, hatte die Polizei einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera und die Feuerwehr Drohnen eingesetzt. Es wurden aber niemand gefunden. Gutachter sollen jetzt die Einsturzursache ermitteln – sie werden am Freitag erwartet. Nach Angaben des RAG MI-Sprechers haben sowohl der Hersteller Nordex als auch die Betreibergesellschaft Gutachter beauftragt. Die Einsturzstelle wurde weiträumig abgesperrt. Der Besitzer geht davon aus, dass von den Trümmerteilen keine Gefahr für die Umwelt ausgeht.

Im März hatte die RAG mitgeteilt, dass die beiden Anlagen zu den größten Windrädern an Land in Deutschland gehören. In den Bau wurden damals insgesamt 10,8 Millionen Euro investiert. Jede Anlage hat eine Nennleistung von 4,5 Megawatt. Sie sollten zusammen pro Jahr im Schnitt eine Strommenge erzeugen, die dem Verbrauch von rund 6600 Drei-Personen-Haushalten entspricht. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wurde am 5. Oktober um 16:40 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neu: Reste des Windrades abgerissen.

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