1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Tagebau Hambach: Braunkohleabbau und Protest-Symbol

Erstellt:

Von: Mirjam Ratmann

Drei Bergbaumaschinen arbeiten im Tagebau Hambach, um Braunkohle vom Boden anzubaggern.
Im Tagebau Hambach arbeiten Bergbaumaschinen. © dpa/Federico Gambarini

Der Tagebau Hambach ist der wohl umstrittenste Tagebau in Deutschland. Jahrelang besetzten Protestierende den angrenzenden Hambacher Forst, um ihn vor der Rodung zu bewahren – mit Erfolg.

Köln – Hambach steht wohl gleichzeitig für den größten deutschen Tagebau und einen der ausdauerndsten Umweltproteste der vergangenen Jahrzehnte. Der Tagebau Hambach ist ein Symbol geworden, für den wirtschaftlichen Erfolg der Braunkohleregion Rheinland auf der einen und den frühzeitigen Ausstieg aus der Kohle auf der anderen Seite.

Tagebau Hambach
Betriebsbeginn1978
Geförderte Menge Braunkohle pro Jahr40 Millionen Tonnen
Anzahl Beschäftigte1500
TiefeMehr als 400 Meter

Tagebau Hambach

Der Hambacher Tagebau liegt zwischen Jülich im Kreis Düren und Kerpen (Rhein-Erft-Kreis), 40 Kilometer östlich von Köln und damit im Herzen des rheinischen Braunkohlenreviers. Der 411 Meter tiefe Tagebau erstreckt sich – Stand 2021 – über knapp 47 Quadratkilometer. Damit ist er der größte Tagebau Europas, Kritiker nennen ihn auch „das größte Loch Europas“.

Seit dem Start 1978 wird Hambach so wie auch der Tagebau Garzweiler vom Energiekonzern RWE betrieben. Nachdem zunächst Dörfer umgesiedelt und ein großer Teil des an den Tagebau angrenzenden Hambacher Forstes gerodet werden musste, begann man 1984 mit der Förderung der Braunkohle.

Wie tief ist der Tagebau Hambach?

Etwa zwei Drittel der geförderten Kohle wird über die sogenannte Hambach-Bahn zu den Kraftwerken Neurath und Niederaußem transportiert und dort zu Strom umgewandelt. Ein Drittel geht in die RWE-Fabriken an und auf der Ville und wird dort unter anderem zu Braunkohle-Briketts verarbeitet. Aktuell werden immer noch 23 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr gefördert.

Für den Braunkohleabbau im Tagebau Hambach mussten seit 1978 insgesamt vier bewohnte Dörfer und Siedlungen weichen, darunter das über 1000 Jahre alte Mahnheim. Zwei weitere Dörfer befinden sich derzeit noch im Umsiedlungsprozess. Knapp 2.500 Menschen waren und sind davon betroffen.

Der Tagebau Hambach ist inzwischen 411 Meter tief.

Hambacher Forst: So kam es zu den Protesten

Schon zu Beginn der Förderungsphase des Hambacher Tagebaus gab es Proteste von Umweltaktivistinnen und -aktivisten, die im Abbau der Braunkohle eine Gefahr für Natur, Mensch und Tier sahen. Denn für die stetige Erweiterung des Tagebaus Hambach wurden über Jahrzehnte geschlossene Waldflächen zerstört und damit die Heimat vieler Tiere. Zudem musste Grundwasser abgepumpt werden – dafür lagern sich beim Tagebau Schadstoffe im Boden ab.

In den 2000er Jahren veränderte sich die Form des Protestes. 2012 besetzen Aktivistinnen und Aktivisten den rund 12.000 Jahre alten Hambacher Forst, um ihn vor weiterer Rodung zu schützen. Von dem ursprünglich einmal 400 Hektar großen Wald, sind inzwischen nur noch etwa 200 Hektar übrig. Bis heute leben dort Menschen in Baumhäusern, Wohnwägen, Hütten und Zelten.

Kurz nachdem das Camp 2018 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Armin Laschet geräumt worden war, wurde gerichtlich ein vorläufiger Rodungsstopp des Waldes angeordnet. Daraufhin demonstrierten rund 50.000 Menschen unter dem Motto „Hambi blebt“ vor Ort gegen die Fortführung der Braunkohleförderung und den Erhalt des Hambacher Forstes.

Zwei Jahre später, 2020, entschieden Bund und Länder den verbleibenden Hambacher Forst zu erhalten. 2022 einigten sich die Landesregierung NRW mit RWE dann darauf, früher als ursprünglich geplant, nämlich schon bis 2030, aus der Braunkohle auszusteigen. Der Tagebau Hambach soll demnach bereits 2029 geschlossen werden.

Was passiert mit dem Tagebau Hambach?

Kaufen Energiekonzerne Flächen für die Errichtung eines Tagebaus und die Förderung von Kohle, verpflichten sie sich im Gegenzug dazu, nach Ende der Förderung diese Flächen wiederherzustellen und zu rekultivieren. Daher soll auch der Tagebau Hambach nach seiner Schließung 2029 wieder zu einer Naturlandschaft werden.

Hambacher See: Es dauert Jahrzehnte

Geplant ist, ähnlich wie bei anderen bereits stillgelegten Tagebauen, durch eine gezielte Flutung des Hambacher Loches den größten See in Nordrhein-Westfalen und einen der größten Seen Deutschlands entstehen zu lassen. Der See soll 4200 Hektar groß sein und um die 3,6 Milliarden Kubikmeter fassen. Größer wäre, was das Volumen betrifft, nur der Bodensee. Der See soll mit Wasser aus dem Rhein und Grubenwasser aufgefüllt werden. Laut RWE kann es bis zu 40 Jahre dauern, bis der See vollständig gefüllt sein wird. Andere Schätzungen gehen von 80 Jahren und mehr aus.

Bereits jetzt zählt die Sophienhöhe als ein Markenzeichen des Tagebau Hambach: ein bewaldeter Berg, der vom Abraummaterial aus dem Tagebau aufgeschüttet wurde, erhebt sie sich östlich von Jülich 290 Meter in den Himmel. Von diesem Aussichtspunkt blickt man über den Tagebau Hambach und den angrenzenden Hambacher Forst.

Auch interessant