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„Flutwein“: Verschlammte Weinflaschen bringen Millionen – gibt es noch welche?

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Von: Benjamin Stroka

Anwohner und Ladeninhaber versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.
Eine überschwemmte Straße im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz nach dem Unwetter im Juli. © Thomas Frey/dpa

Mit dem Projekt „Flutwein“ wurde Winzern im Hochwassergebiet von Ahrweiler geholfen. Die Weinflaschen sind mit Schlamm bedeckt und brachten eine Millionen-Spende.

Update 1. Dezember, 13:35 Uhr: Die „Flutwein“-Spendenaktion war ein voller Erfolg. Insgesamt 4.468.644 Euro wurden durch den Verkauf von rund 175.000 verschlammten Wein-Flaschen eingenommen. Mehr als 47.000 Menschen habe das Crowdfunding unterstützt.

Aber sind immer noch Flutweine erhältlich? Zwar sind auf der Aktions-Seite theoretisch noch einige wenige Weine übrig, jedoch wurde das Crowdfunding bereits Anfang September beendet. Deshalb kann zumindest bei der eigentlichen Aktion selbst keine Flasche mehr gekauft werden. Jedoch sind auch bei einigen lokalen Betrieben weiterhin Flutweine erhältlich, so zum Beispiel im Online-Shop der Dagernova – einer Winzergenossenschaft im Ahrtal. Falls man also einen ganz besonderen Tropfen erwerben will, ist dies dort immer noch möglich. Damit unterstützt man dann zumindest sofort die jeweiligen Winzer in der Region, die ebenfalls von der Flut betroffen sind. (os)

„Flutwein“: Diese Weinflaschen sind verschlammt – gerade deswegen werden sie verkauft

Erstmeldung vom 8. August 2021:

Ahrweiler – 141 Menschen im Ahrtal (Rheinland-Pfalz) verloren bei der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli ihr Leben. 17 werden rund drei Wochen danach immer noch vermisst. Das Ausmaß der Schäden ist unvorstellbar. Viele Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Das gilt auch für die vielen Winzer im Ahrtal, deren hochklassiger Wein normalerweise ein Wahrzeichen für die Region ist.

Hochwasser in Ahrweiler: „Flutwein“ soll Winzern helfen

Ein besonderes Projekt soll den Winzern nun beim Wiederaufbau helfen – der sogenannte Flutwein. Denn obwohl dutzende Weinkeller regelrecht abgesoffen sind, konnten mehrere tausend Weinflaschen gerettet werden. Diese werden nun als „unser schlimmster Jahrgang“ für den guten Zweck verkauft.

Unversehrt, bis auf die deutliche Verschmutzung durch Schlamm und Dreck nach den Überflutungen. Gesäubert werden sie absichtlich nicht, aus Kostengründen und auch „zum Gedenken an die Katastrophe“, wie die Initiatoren Linda Kleber, Gastronomin im Ahrtal und Peter Kriechel, Winzer und Vorsitzender der Ahrwein e.V. mitteilen. „Limitiert und originalverschlammt“ ist hier ein Qualitätsmerkmal. „Die Flaschen werden in dem Zustand verschickt, wie sie geborgen wurden.“

Diese Weinflaschen werden nun in einer großen Spendenaktion zum Kauf angeboten. Das eingenommene Geld geht direkt an die Betroffenen. „Die Spenden dienen dem Wiederaufbau ihrer Existenzen und dem Ziel eines wieder funktionierenden Ökosystems aller betroffenen Winzer und Gastronomen der Region Ahrweiler“, heißt es auf der Spendenseite. Und die Resonanz ist riesig. Schon am 30. Juli wurde die Marke von einer Million Euro geknackt. Am 8. August (Stand: 12 Uhr) geht die Summe schon auf die Vier-Millionen-Marke zu. Über 37.000 Menschen haben bereits eine oder mehrere Flaschen Flutwein für den guten Zweck erworben.

Flutwein aus Ahrweiler: Spendenstand

Am Sonntag, 8. August, wurden bereits 3.439.016 Euro gespendet. Daran waren 37.804 Menschen beteiligt. Der Verein hat bereits weitere Spendenaktionen für die Hochwasser-Betroffenen geplant.

Flutwein aus Ahrweiler: Jede Flasche ein Unikat

Die Flaschen werden zu unterschiedlichen Preisen und in unterschiedlichen Mengen verkauft. Auch wenn viele Versionen bereits ausverkauft sind, gibt es beispielsweise noch Pakete mit drei Flaschen Flutwein für 60 Euro oder sechs Flaschen Flutwein für 120 Euro zu kaufen. „Jede einzelne Weinflasche ist ein Unikat mit hohem symbolischem Wert“, betonen die Initiatoren. Und wer einen Schluck probieren möchte, kann auch das mit gutem Gewissen tun.

„Der Wein sollte, sofern keine anderen Einflüsse dem Wein Schaden zugefügt haben, genieß- und trinkbar sein“, erklären die Initiatoren. Vereinzelt könne sich Sand am Deckelgewinde oder Korken abgesetzt haben, „der aber keinen Einfluss auf den Genuss und die Qualität hat“.

Die Aktion läuft voraussichtlich noch bis zum 1. September 2021, falls die Vorräte bis dahin reichen. Danach werden die Flaschen verschick. Bis zum Ende des Jahres sollen die Flutweine dann bei den Spendern angekommen sein.

Das Weinbaugebiet Ahr

Im Ahrtal befindet sich das größte geschlossene Weinbaugebiet für Rotwein in Deutschland. Vor allem der Spätburgunder hier ist gleichzeitig berühmt wie beliebt. Auf rund 560 Hektar Rebfläche wird zu 65 Prozent ebendieser Spätburgunder angebaut. Gleichzeitig stammt auch die älteste eingetragene Winzergenossenschaft der Welt aus dem Weinbaugebiet an der Ahr. Schon 1868 wurde die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr gegründet. Übrigens: Auch die Deutsche Weinkönigin 2020/2021, Eva Lanzerath, stammt aus dem Weinbaugebiet. Sie kommt aus Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Winzer im Kreis Ahrweiler: Unterstützung auch aus Köln und Solingen

Hilfe bekommt die Region inzwischen auch von Gastronomien in NRW. Die IG Kölner Gastro aus Köln hat angekündigt, dass viele ihrer angeschlossenen Gastronomen Ahrweine auf die Karten nehmen werden. „Nach vielen Gesprächen mit Winzer*innen vor Ort ist uns klar geworden, dass es sehr konkret und sehr direkt hilft, ihnen die noch bestehenden Weinvorräte abzunehmen und deshalb auch der Appell an Euch liebe Gäste, trinkt und kauft Ahrweine für den ganz großen Durst“, schrieb der Verein auf seiner Facebook-Seite.

Auch aus Solingen, selbst in einigen Stadtteilen schwer vom Hochwasser getroffen, kommt Hilfe. Das Käse- und Weingeschäft „Ausgereift“ verkauft gerettete Weinflaschen aus dem Ahrtal und unterstützt damit ebenfalls die Winzer vor Ort. (bs) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Update-Hinweis: Der Artikel wurde zuletzt am 1. Dezember aktualisiert.

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