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Streichelzoo Erftstadt: 40 Tiere ertrinken in den Fluten – „Wir konnten nichts mehr tun“

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Von: Nina Büchs

Überschwemmte Wiese in Erftstadt.
Auch Tage nach der Flut stand die Wiese, auf der die Tiere untergebracht waren, noch unter Wasser. © Privat

Die Besitzer des Streichelgeheges „Gertrud und Pauli“ in Erftstadt haben durch die Flut viele ihrer Tiere verloren. Der Schock sitzt tief.

Erftstadt – Noch im März haben Lutz Engelskirchen und Tatjana Draths ihr eigenes Streichelgehege „Gertrud und Pauli“ in Erftstadt Bliesheim im Rhein-Erft-Kreis errichtet. Nun, drei Monate später, liegt das, was sich die beiden mühevoll aufgebaut haben in Trümmern. Denn das Hochwasser, dass in Erftstadt auch einen Erdrutsch verursacht hat, hat ihnen vieles genommen – auch einige ihrer geliebten Tiere.

Streichelzoo in Erftstadt: Tiere sterben in Fluten des Hochwassers

„Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schlimm wird“, erzählt Tatjana Draths, die am Abend vor der Flut gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten noch nach den Tieren sah. Am Tag bevor die Flutwelle das Areal unter Wasser setzte, hatten sie noch Mitarbeiter an der Erft getroffen, die vor Ort Messungen durchführten. Sie meinten, dass die Erft nicht übertreten würde, erzählt die Erftstädterin. Doch das Unglück nahm in den folgenden Stunden seinen Lauf.

Gegen 22 Uhr schauten Tatjana Draths und Lutz Engelskirchen nochmal nach den Tieren. „Der Weg zum Gelände war dann zum Teil schon überflutet“, so Draths. Dann der Schock: Auch die Wiese stand schon bis zum Bauch voll mit Wasser. „Wir haben dann die Schweine schnell auf einen Anhänger geladen und sie weiter weg abgestellt, wo es noch trocken war. Morgens wollten wir wieder nach unseren Tieren sehen, doch dann konnten wir nichts mehr tun“, sagt Draths.

Tatjana Draths auf dem überfluteten Gelände des Streichelgeheges.
Tatjana Draths steht auf der gefluteten Wiese. Erst Tage später konnte sie abgepumpt werden. © Privat

Noch immer sitzt der Schock tief. „Wir haben das erstmal gar nicht realisiert“, erzählt sie. Wenig später sammelten sie dann die toten Kadaver ihrer Tiere ein. Denn insgesamt haben etwa 40 bis 45 von ihnen in der Flut ihr Leben verloren – darunter Schafe, Rehe, Gänse, Enten und Hühner. „Wir haben noch immer die Bilder von unseren toten Tieren vor Augen“, erzählt sie.

Hochwasser Erftstadt: Streichelgehege durch Flut zerstört

Überlebt haben unter anderem zwei Enten, zwei Schafe, drei Gänse und die Schweine. „Ein Schwein ist durch die Flut sogar bis nach Liblar zum Einkaufszentrum getrieben worden. Zum Glück hat es aber gelebt“, erzählt Tatjana Draths. Den ersten Schock haben die Tiere überwunden.

Zwei der Schafe leben jetzt bei Bekannten auf einer Baustelle, mit Zugang zu einer Wiese. Die Schweine sind im Stall untergekommen, der trotz des Hochwassers trocken geblieben ist. Die Gänse wurden bei Lutz Engelkirchens Vater untergebracht. Doch das alles ist wohl nur eine Notlösung, denn der Streichelzoo soll schnellstmöglich wieder aufgebaut werden. „Die Aufräumarbeiten haben gestartet, die Wiese wurde vor vier Tagen abgepumpt“, so Tatjana Draths. Als Nächstes sollen dann unter anderem neue Zäune aufgebaut werden.

Schweine befinden sich im Stall.
Die Schweine haben das Hochwasser zum Glück überlebt und sind nun im trockenen Stall untergekommen. © Privat

Erftstadt: Streichelzoo zerstört, dann klauen Unbekannte auch noch Futter

Am Wochenende bekommen die beiden Tierhalter dann tatkräftige Unterstützung: „Es hat sich zum Beispiel eine Gruppe Helfer aus Kerpen angekündigt, die am Wochenende helfen wollen, außerdem haben wir viele Reaktionen auf Instagram bekommen, wo wir ja um Spenden gebeten haben“, so Draths. Denn nicht nur handwerklich kommt auf die beiden nun viel zu – auch finanziell muss einiges gestemmt werden.

So muss nun auch wieder in Futter investiert werden, das durch die Flut zerstört wurde. „Wir hatten 600 kleine Heuballen für den Winter gelagert. Diese wurden zum Teil durch das Wasser zerstört.“ Besonders ärgerlich: Einige der Futterballen, die noch übrig geblieben waren, wurden offenbar nachts gestohlen. „Die schwere Plane, die wir über die Ballen gelegt hatten, war am Morgen weggeschoben und einige Heuballen, die das Wasser nicht zerstört hatte, haben plötzlich gefehlt“, so Draths.

Lutz Engelskirchen und Tatjana Draths sind nicht die einzigen Menschen in Hochwassergebieten, die trotz ihrer Notlage Opfer von Diebstahl geworden sind. Zuletzt wurde immer wieder über Plünderungen in Flutgebieten berichtet. So hat die Polizei unter anderem einen Transporter in Plettenberg gestoppt, der Diebesgut aus Ahrweiler geladen hatte. In Stolberg bei Aachen nahm die Polizei hingegen einen Verdächtigen in einem Juweliergeschäft fest. (nb)

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