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Schüler nach tödlichem Angriff auf Lehrerin in U-Haft - Obduktionsergebnis liegt vor

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Von: Simon Stock

Ein 17 Jahre alter Schüler sitzt nach einem tödlichen Messerangriff in einer Berufsschule im Münsterland in U-Haft. Mittlerweile liegt auch das Obduktionsergebnis vor.

Update vom 12. Januar, 08:44 Uhr: Der 17-jährige Tatverdächtige, der im Verdacht steht, am Dienstagnachmittag (10. Januar) seine 55-jährige Lehrerin in einem Berufskolleg in Ibbenbüren getötet zu haben, befindet sich nun in Untersuchungshaft. „Die Staatsanwaltschaft Münster beantragte Haftbefehl wegen des Verdachts des Totschlags. Ein Richter erließ am Mittwochabend (11. Januar) Haftbefehl“, teilte die Staatsanwaltschaft Münster am Donnerstagmorgen mit.

Die Obduktion des Leichnams der 55-jährigen Lehrerin ergab, dass diese durch den hohen Blutverlust aufgrund der zahlreichen Stichverletzungen verstorben ist. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an. Der 17-jährige Beschuldigte äußerte sich weiterhin nicht zur Tat.

Tödlicher Messerangriff auf Lehrerin: Reagierte Schüler (17) auf Schulverweis?

Ibbenbüren - Ein 17-Jähriger steht im Verdacht, seine Klassenlehrerin am Dienstag (10. Januar) in einem Berufskolleg in Ibbenbüren im Münsterland (NRW) getötet zu haben. Am Tag danach zeichnete sich ab, was zu der Bluttat geführt haben könnte: Der Schüler hatte eine Reihe von Konflikten mit seinen Lehrern. Erst wenige Stunden vor der Attacke hatte die Schulleitung einen eintägigen Schulverweis gegen ihn verhängt.

StadtIbbenbüren
KreisSteinfurt
RegionMünsterland

Lehrerin an Berufskolleg in Ibbenbüren erstochen - Schüler (17) festgenommen

Dennoch betrat er am Nachmittag gegen 14.50 Uhr das Schulgelände der Kaufmännischen Schulen Tecklenburger Land in Ibbenbüren und traf in einem Klassenraum auf seine Lehrerin, berichtet wa.de. Ob die beiden dort verabredet waren, es eine Aussprache geben sollte, ist unklar. Die 55-Jährige ist jedenfalls allein und ihr Schüler mit einem Messer bewaffnet. Dann stach er zu. Die Frau überlebte den Angriff nicht.

Nach der Tat wählte der Jugendliche den Notruf der Polizei und ließ sich von Einsatzkräften widerstandslos festnehmen, wie die Staatsanwaltschaft Münster, die Polizei des Kreises Steinfurt und die Polizei Münster wenige Stunden nach der Tat gemeinsam mitteilten. Die Tatwaffe wurde sichergestellt. Der Unterricht an der Schule fällt bis auf Weiteres aus.

Weitere Entwicklung nach tödlichem Angriff auf Lehrerin
Am Tag nach dem tödlichen Messerangriff auf eine Lehrerin war die Berufsschule in Ibbenbüren geschlossen. Die Ermittlungen laufen weiter. © Friso Gentsch/dpa

Die Mordkommission der Polizei Münster unter der Leitung von Frank Schneemann nahm noch am Dienstag die Ermittlungen auf. Erste Zeugenbefragungen deuteten darauf hin, dass der 17-jährige Tatverdächtige Probleme in der Schule gehabt haben soll. Immer wiederkehrende Konflikte mit Lehrerinnen und Lehrern führten zu dem eintägigen Schulverweis.

Ibbenbüren: Schüler wählte nach Messer-Angriff selbst den Notruf

Der 17-Jährige äußerte sich bislang nicht zu der Tat. Für ihn wurde ein Pflichtverteidiger bestellt, hieß es am Mittwochmorgen seitens der Staatsanwaltschaft. „Ob der Tatverdächtige wegen schulischer Probleme gehandelt hat oder ob es andere Gründe gibt, die im Zusammenhang mit der vorgeworfenen Tat stehen, wird zu ermitteln sein“, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Dienstagabend gegenüber wa.de.

Noch am Mittwoch wurde er einem Haftrichter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft werde beantragen, ihn wegen Totschlags in Untersuchungshaft zu schicken. Das Obduktionsergebnis und das Ergebnis der Vorführung beim Haftrichter wollte die Behörde erst am Donnerstag bekanntgeben.

Schüler soll Lehrerin in Ibbenbüren umgebracht haben
Ein 17-jähriger Schüler soll im münsterländischen Ibbenbüren seine Lehrerin umgebracht haben. Die Polizei sperrte das Gelände des Berufskollegs ab. © NWM-TV/dpa

„Der Unterricht ist abgesagt, aber die Schule bleibt geöffnet“, sagt ein Sprecher der Bezirksregierung in Münster. Damit sei gewährleistet, dass die Schüler eine Anlaufstelle haben. Ein Krisen-Interventions-Team, Schulpsychologen und Notfallseelsorger seien vor Ort, um mit der Schulleitung und den Lehrern das weitere Vorgehen zu beraten. Wann der Unterricht wieder aufgenommen wird, sei noch unklar.

Ibbenbüren: Großes Polizei-Aufgebot sperrt Gelände ab

Nach der dem Messerangriff wurde das Gelände des Berufskollegs in Ibbenbüren weiträumig abgesperrt. Ein großes Polizei-Aufgebot war vor Ort, ebenso wie ein Rettungshubschrauber, ein Krankenwagen und ein Notfallseelsorger. Der abgesperrte Bereich liegt direkt gegenüber dem Ibbenbürener Bahnhof und damit in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Zunächst hatte sich die Polizei nicht weiter zu den Hintergründen des Einsatzes geäußert. Von der Staatsanwaltschaft in Münster hieß es, dass keine Gefahr für Menschen bestehe.

Das Entsetzen und die Betroffenheit nach der Bluttat sind groß. Einen Tag nach der Tat versammelten sich immer wieder Gruppen von Schülern vor der Schule und hielten kurz inne. Die Lehrerin, die ermordet wurde, sei beliebt gewesen, heißt es. Fatima (19) kämpft mit den Tränen. „Das alles ist so schrecklich.“

Im Juni 2022 attackierte ein Mann an der Hochschule Hamm-Lippstadt mehrere Menschen mit einem Messer. Eine Frau starb. Nun ist vor dem Landgericht Dortmund das Urteil zum Amoklauf gefallen. (sst/dpa)

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