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Angst vor Strahlung: Wann Jod-Tabletten sinnvoll sein können – und wann nicht

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Von: Max Müller

Aus einer Packung Jod-Tabletten wird eine Pille herausgenommen.
Jod-Tabletten sollten man nicht ohne ärztlichen Rat nehmen. © Rainer Jensen/dpa

Jod-Tabletten schützen vor radioaktiven Stoffen, sollten aber nicht unbedacht eingenommen werden. Besonders ältere Menschen gefährden ihre Gesundheit.

Köln – Durch den Ukraine-Krieg steigt die Angst vor radioaktiven Strahlen, auch in NRW. Eine erste Auswirkung: Menschen decken sich mit Jod ein. Erinnerungen an das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 werden wieder präsent, als Behörden die Einnahme von Jod-Tabletten (auch Kaliumjodid-Tabletten genannt) empfohlen haben. In der Nacht zu Freitag (4. März 2022) hat die russische Armee nun das AKW Saporischschja beschossen. Im größten Atomkraftwerk Europas brach ein Feuer aus, das wieder gelöscht ist. Laut Internationaler Atomenergiebehörde sind die Strahlungswerte unverändert.

Jod: Tabletten nur nach ärztlicher Anweisung einnehmen

In den letzten Tagen mehren sich Meldungen von Jod-Hamsterkäufen. „Die Nachfrage nach Jodtabletten ist gestiegen“, berichtet zum Beispiel Ulf Ullenboom im Sauerlandkurier*. Er betreibt eine Apotheke in Olpe im Sauerland und ist Sprecher der Apothekerschaft im Kreis Olpe. Und für den benachbarten Hochsauerlandkreis stellt der Sprecher der Apothekerschaft im Altkreis Brilon, Jürgen Schäfer, fest: „Die Leute fragen schon danach.“

In der Theorie sind Jod-Tabletten auch das richtige Mittel, um sich vor radioaktiver Strahlung zu schützen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (Bfs) warnt allerdings, dass man Jod-Tabletten nur nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Katastrophenschutzbehörden einnehmen sollte. Auch die Verbraucherzentrale betont, dass die präventive Einnahme von Jod-Tabletten „nicht sinnvoll“ sei und „sogar gefährlich werden“ könne.

Was ist Jod und wofür braucht es der Körper?

Jod ist ein natürliches Spurenelement, das alle Tiere und Menschen zum Überleben brauchen. Aufgenommen wird es über die Nahrung. Eine der wichtigsten Quellen: Jodsalz. Aber auch in Milchprodukten, Fisch und Fleisch ist Jod. Wir brauchen es vor allem für den Aufbau von Schilddrüsenhormonen. Die sind an der Bildung von Knochen, der Gehirnentwicklung und dem Stoffwechsel beteiligt.

Welche Rolle spielen Jod-Tabletten im Katastrophenfall?

Denn wer dem Körper zu viel Jod zuführt, riskiert eine Störung der Schilddrüsenfunktion. Das gilt insbesondere für Menschen, die älter als 45 Jahre sind. Im wirklichen Katastrophenfall ist es sehr wichtig, eine Jod-Tablette zum richtigen Zeitpunkt zu schlucken, betont das Bfs. So kann eine Anreicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse verhindert werden. Der Giftstoff gelangt über die Nahrung in den Körper oder kann eingeatmet werden.

Wenn die Behörden zur Einnahme von Jod raten, stellt sich die Frage: Wo kann ich die Tabletten kaufen? Laut Bfs sind in Deutschland 180 Millionen Jod-Tabletten gelagert. Für die Verteilung zuständig sind die Bundesländer. Im direkten Umfeld von Atomkraftwerken – in NRW also zum Beispiel im Kreis Jülich – sind Jod-Tabletten teilweise schon verteilt oder in Feuerwehrwachen und Rathäusern deponiert. Außerdem sind vielerorts Apotheken die richtige Anlaufstelle. Einen eigenen Vorrat muss also niemand anlegen, heißt es auch bei der Verbraucherzentrale.

Jod-Mangel: Worauf Schwangere und Veganer achten sollten

Auch ohne Strahlen kann der Körper einen Jod-Mangel aufweisen. Das führt möglicherweise zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, wie die Apotheken-Umschau schreibt. Wie hoch der tägliche Bedarf ist, hängt vom Alter ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Dosis zwischen 40 und 80 Mikrogramm pro Tag.

Besonders in der Schwangerschaft ist ein Mangel an Jod gefährlich, da Entwicklungsstörungen des Kindes auftreten können. Für schwangere Frauen steigt der tägliche Jodbedarf auf 230 Mikrogramm, für Stillende sogar auf 260 Mikrogramm. Aus diesem Grund sollten man es ärztlich abklären lassen, ob die Einnahme eines Jodpräparates sinnvoll sein könnte. Das gilt auch für alle Menschen, die kein Fleisch, Fisch, Milch und Eier essen. (mm) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. *Sauerlandkurier ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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