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Kampfmittelräumdienst: Bei Bombenfund und Bombenentschärfung zur Stelle

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Von: Benjamin Stroka

Peter Asmussen and Uwe Pawlowski vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Arnsberg nach einer Bombenentschärfung in Siegen.
Peter Asmussen and Uwe Pawlowski vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Arnsberg nach einer Bombenentschärfung in Siegen. © Rene Traut/Imago

Bei jedem Bombenfund in NRW kommt der Kampfmittelräumdienst zum Einsatz. Die wichtigsten Infos zu den Aufgaben und der Ausbildung der Entschärfer.

Düsseldorf – Fast wöchentlich werden in NRW Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Wenn das passiert, rückt eine bestimmte Gruppe an Spezialisten in den Fokus: der Kampfmittelräumdienst. Der ist für die Bergung, Entschärfung und Abtransport, oder in Ausnahmefällen auch die Sprengung der Kampfmittel zuständig.

Bombenentschärfung: Was ist der Kampfmittelräumdienst?

Beim Kampfmittelräumdienst, oft auch Kampfmittelbeseitigungsdienst genannt, handelt es sich um Spezialisten im Umgang mit Kampfmitteln, die vom Land als Unterstützung für die jeweiligen Ordnungsbehörden eingesetzt werden. In NRW gibt es in zwei Bezirksregierungen einen Kampfmittelräumdienst – in Arnsberg und Düsseldorf. Die Spezialisten dort sind für Bombenentschärfungen und viele weitere Dinge im Zusammenhang mit Kampfmittelfunden im ganzen Bundesland im Einsatz.

Fliegerbomben in NRW: Welche Aufgaben hat der Kampfmittelräumdienst?

► Vor geplanten Bauarbeiten werden Luftbilder ausgewertet, um mögliche Verdachtspunkte von Blindgängern zu ermitteln

► Sollte ein Verdacht bestehen, wird dieser vor Ort durch den Kampfmittelräumdienst überprüft

► Wird eine Fliegerbombe entdeckt, dann bestimmt der Kampfmittelräumdienst gemeinsam mit dem städtischen Ordnungsamt einen Bereich, in dem evakuiert werden muss

► Danach sind die Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes für die Bergung, Entschärfung und Entsorgung der Bombe zuständig

► In manchen Fällen müssen Blindgänger aufgrund ihres Zustandes auch gesprengt werden. Auch das übernehmen die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes

Wie findet der Kampfmittelräumdienst Fliegerbomben?

In den öffentlichen Fokus rückt der Kampfmittelräumdienst vor allem nach einem Bombenfund, wenn es zu einer Bombenentschärfung kommt. Die Aufgabe der Experten beginnt aber oft schon deutlich früher. Denn bereits bevor irgendwo in NRW gebaut wird, ist der Kampfmittelräumdienst im Einsatz. Die Spezialisten überprüfen dann Grundstücke auf mögliche Fliegerbomben oder andere Kampfmittel. Das machen sie in vielen Fällen durch die Auswertung von Luftbildern, die die Alliierten zur Vorbereitung ihrer Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg aufgenommen haben.

Nach Angaben des Innenministeriums stehen dem Land NRW heute rund 330.000 solcher Luftaufnahmen aus britischen und amerikanischen Archiven zur Verfügung. Diese Bilder werden mit aktuellen Luftbildern und Geodaten verglichen. Sollten verdächtige Stellen, beispielsweise Laufgräben, Schützenlöcher oder Einschlagstellen von Blindgängern, entdeckt werden, dann muss der Kampfmittelräumdienst diese vor Ort genau nach möglichen Fliegerbomben durchsuchen. Das geschieht über spezielle Messverfahren, die entweder an der Oberfläche, oder nach Bohrungen im Erdreich, durchgeführt werden. Hierbei sind neben dem staatlichen Kampfmittelräumdienst oft auch private Spezialfirmen aus diesem Bereich im Einsatz. Sollte sich der Verdacht erhärten, dann wird der Bereich aufgegraben, um genau zu untersuchen, ob sich dort ein Blindgänger befindet.

Kampfmittelräumdienst: Aufklärung, Bergung, Entschärfung, Entsorgung und Sprengung

Wenn eine Bombe gefunden wird, dann sind die Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes für die Bergung, Entschärfung und den Abtransport des Blindgängers zuständig. Häufig muss dabei ein Bereich um den Fundort der Bombe evakuiert werden. Wie groß dieser Bereich ist, entscheidet ebenfalls der Kampfmittelräumdienst in Absprache mit dem städtischen Ordnungsamt vor Ort. Der Evakuierungsradius hängt dabei meist von der Größe und dem Zustand des Blindgängers ab. In diesem Zusammenhang wird meist auch eine Warnung an die Bevölkerung über die Warn-App NINA oder ähnliche Wege herausgegeben.

Kampfmittelräumdienst: Welche Ausbildung durchlaufen die Mitarbeiter?

Der Beruf des Sprengmeisters ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Im Kampfmittelräumdienst arbeiten zumeist Menschen, die eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen haben. Diese sammeln dann vor allem mehrere Jahre Berufserfahrung, beispielsweise als Räumarbeiter und in anderen Bereichen der Kampfmittelbeseitigung, wie die Bezirksregierung Düsseldorf erklärt. Um wirklich einen Blindgänger zu entschärfen, reicht das aber nicht aus. Die Sprengmeister müssen zusätzlich Lehrgänge nach Sprengstoffrecht absolvieren.

Solche Lehrgänge dauern für den allgemeinen Umgang mit Kampfmitteln meist neun Wochen. Für die Bombenentschärfung kommt noch ein weiterer Lehrgang von mindestens drei Wochen dazu. „Von besonderer Bedeutung ist aber die Erfahrung, die die Mitarbeiter im Laufe der Jahre bei ihrer Tätigkeit erwerben“, erklärt die Bezirksregierung Düsseldorf.

Kampfmittelräumdienst: Wie gefährlich sind Bombenfunde aus dem Zweiten Weltkrieg heute noch?

Obwohl das Ende des Zweiten Weltkriegs bereits mehr als 75 Jahre zurückliegt, sehen sich auch heute noch viele Städte in NRW mit Überresten der Kriegsjahre konfrontiert. Munition, Granaten und vor allem Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg sorgen immer wieder für Ausnahmesituationen und Evakuierungen in Nordrhein-Westfalen.

„Circa 48 Prozent der Luftangriffe gegen Deutschland haben sich auf Nordrhein-Westfalen als das industrielle Herz des ehemaligen Deutschen Reiches konzentriert“, erklärt das NRW-Innenministerium. Entsprechend häufig werden auch in den 2020ern noch Fliegerbomben aus dieser Zeit im Boden gefunden. Egal, ob Zufallsfunde bei Bauarbeiten oder Verdachtspunkte nach der Auswertung von Luftbildern – ein Bombenfund hat für das betroffene Gebiet und die Anwohner dort oft besondere Folgen. Meist kommt es zu einer Evakuierung.

Denn solche Kampfmittel sind in den meisten Fällen auch heutzutage noch brandgefährlich. „Alter und Korrosionswirkungen können die Gefährlichkeit von Fundmunition sogar noch erhöhen. Die Beseitigung von Kampfmitteln ist deshalb auch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer eine wichtige öffentliche Aufgabe“, erklärt das NRW-Innenministerium weiter. (bs) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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