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Karneval in NRW: Düsseldorf verstärkt Kontrollen – wie die Jecken trotzdem für Stimmung sorgen

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Von: Stefanie Knupp

Mitarbeiter des Ordnungsdienstes laufen durch die Andreasstraße in Düsseldorf.
Der Ordnungsdienst wird während Karneval verstärkt in Düsseldorf unterwegs sein und Verstöße gegen die geltenden Corona-Regeln ahnden. © Olaf Döring/Imago

Die fünfte Jahreszeit fällt in NRW dieses Jahr wegen Corona aus. Doch Jecken haben Alternativen gefunden. In Düsseldorf gibt es verstärkte Kontrollen vom Ordnungsamt.

NRW – Ab Donnerstag schaut so manch einer wehmütig aus dem Fenster, denkt an die Party zur Weiberfasnacht im letzten Jahr, die bunten Kostüme in den Straßen, den freien Rosenmontag. Wie gerne würden wir unserem Chef die Krawatte abschneiden oder ein paar Bützchen verteilen – seufz. Karneval fällt dieses Jahr aus. Was für eine Hiobsbotschaft für alle Jecken und Narren in Nordrhein-Westfalen. Denn nicht nur in der Hochburg Köln verzichtet man dieses Jahr coronabedingt auf die großen Umzüge und Sitzungen. In ganz NRW werden die tollen Tage so ruhig verlaufen wie nie zuvor.

Damit es auch auf den Straßen ruhig bleibt, hat etwa die Stadt Düsseldorf angekündigt, dass der Ordnungsdienst von Weiberfastnacht bis Rosenmontag verstärkt Kontrollen durchführen wird. „Wir dürfen die erreichte positive Entwicklung bei den Infektionszahlen jetzt nicht durch leichtfertiges Handeln gefährden“, sagte Düsseldorfs Ordnungsdezernent Christian Zaum. „Auch die größten Karnevalsfans sollten in diesem Jahr vor dem Hintergrund der Pandemie vernünftig sein.“

Karneval in NRW: Innenminister und Karnevalist Herbert Reul würde auch gerne feiern

Die Ordnungskräfte würden genau darauf achten, dass die geltenden Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. Verstöße werden jeweils mit Bußgeldern geahndet, teilte die Stadt mit. Selbst NRW-Innenminister Herbert Reul leidet an der Karnevalsabsage, ruft aber zur Vernunft auf: „Auch ich bin Karnevalist. Auch ich will gern Karneval feiern – so wie wir ihn kennen und wie er wieder sein wird“, sagte Reul am Mittwoch der dpa. „Der Jeck in uns lebt ja noch – der feiert diese Session nur eben von Zohus und im Hätz.“

Aufräumarbeiten nach dem Umzug zum Rosenmontag
Ein Gutes hat der Ausfall von Karneval vielleicht doch: Am Ende muss niemand aufräumen. © Fabian Strauch/picture alliance/dpa

Angesichts der für Karneval bitteren, aber doch notwendigen Corona-Beschränkungen sind viele Karnevalsvereine in NRW kreativ geworden, um ihre Fans auf eine andere Art und Weise in närrische Stimmung zu versetzen.

Karneval in NRW: Vereine werden kreativ und sorgen für ein wenig närrische Stimmung

Einige Vereine zeigen in den sozialen Netzwerken Rückblicke und Fotos der vergangenen Session, so etwa die Prinzengarde der Stadt Krefeld 1914 auf ihrer Facebook-Seite. Die Düsseldorfer bekommen im Fernsehen ein Best-Of der Umzüge und Motto-Wagen aus der Landeshauptstadt zu sehen. Der WDR zeigt den Rückblick am Rosenmontag anstelle der üblichen Düsseldorfer TV-Sitzung.

„Wir können ja nicht Halligalli machen, während der Rest der Republik in Demut verharrt und sich in häuslicher Bescheidenheit übt“, hatte Düsseldorfs bekannter Wagenbauer Jacques Tilly schon Ende letztens Jahres der dpa gesagt: „Die Corona-Lage gibt es auch einfach nicht her.“ Auch eine coronakonforme Alternative, die zunächst im Düsseldorfer Fußballstadion angedacht war, wurde schlussendlich abgesagt. Wie schmerzlich der Karneval auch von Kindern vermisst wird, zeigt eine Aktion des Comitees Düsseldorfer Carneval (CC). Zusammen mit dem Unternehmen Awista hatte das CC einen Mal-Wettbewerb ausgerufen, bei dem Kinder das Kostüm zeichnen sollten, dass sie dieses Jahr gerne getragen hätten. Über 1000 Zuschriften erreichten die Jury.

Die coronabedingten Absagen von Karnevalsfeiern haben das Geschäft des Kostümhändlers Deiters einbrechen lassen. In dem im April 2020 begonnenen Geschäftsjahr sei der Umsatz bis Ende Januar um etwa 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen.

Karneval in NRW: Vom virtuellen Umzug bis zum Karnevals-Drive-in

Völlig coronakonform läuft der diesjährige Veilchendienstag-Umzug in Mönchengladbach ab. Er wurde ins Internet verlegt. 80 animierte Wagen mit Zeichnungen von kleinen und großen Karnevalsfans ziehen am 16. Februar durch die virtuelle Stadt und werden sogar kommentiert. Zu sehen ist der Umzug über die Facebook-Seite des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes.

Die Jecken der Großen Karnevalsgesellschaft Krefeld 1878 ist schon seit einigen Tagen auf Stimmungsmission. Unter dem Motto „Kein Karneval ist auch keine Lösung“ hat die Gesellschaft einen Karnevals-Drive-in für ihre Mitglieder organisiert, die sich im Vorbeifahren Karnevalstüten abholen konnten. In einem Youtube-Video wird die Aktion dokumentiert. In den Autos wird gesungen und sitzen Kostümierte. „Helau“ schallt es aus den Wagen.

In Köln müssen Karnevalsfans natürlich auch nicht gänzlich verzichten. Doch auch in Köln gelten besondere Regeln während der Karnevalstage. Das Festkomitee des Kölner Karnevals stellte die Wagen des Rosenmontagszuges schon vor. Mit viel Kreativität, Herzblut und Leidenschaft haben die Jecken das Unfassbare geschafft: „D‘r Zoch kütt!“ – der Karnevalsumzug findet trotz Coronavirus statt. Der Maßstab 1:3 macht es möglich. (sk)

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