1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Hunderte Kinder in NRW gelten als vermisst – teilweise seit Jahrzehnten

Erstellt:

Von: Nina Büchs

Ein Kuscheltier wurde von einem Kind an einem Wanderweg verloren, es sitzt nun im Wald.
Auch Kinder verschwinden in Deutschland immer mal wieder, einige von ihnen sind seit Jahren nicht auffindbar. (Symbolbild) © Karina Hessland/Imago

Wenn Kinder verschwinden, beginnt für Eltern eine Tortur. Von einigen fehlt seit Jahrzehnten jede Spur – so zum Beispiel von Deborah S. aus Düsseldorf.

Steinfurt – Im Mai 2022 galten in Nordrhein-Westfalen 318 Kinder unter 14 Jahren als vermisst – so die letzte Statistik des Bundeskriminalamts (BKA). Auch aktuell sucht die Polizei nach Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die nicht mehr auffindbar sind. Dazu gehört unter anderem Scarlett S. aus NRW, die 2020 auf einer Wanderung im Schwarzwald spurlos verschwand. Oder der Fall Rebecca Reusch. Die 15-Jährige aus Berlin gilt seit Februar 2019 als vermisst.

Bei verschwundenen Kindern erledigen sich etwa 50 Prozent der Fälle innerhalb der ersten Woche, binnen einem Monat sind es sogar 80 Prozent, so das BKA. In wenigen Fällen (etwa drei Prozent) bleiben Kinder und Jugendliche aber über ein Jahr lang oder länger verschwunden. Für Eltern und Angehörige beginnt damit die schlimmste Zeit. Sie müssen mit der Ungewissheit leben, was mit ihrem Kind passiert ist.

Vermisste Kinder in NRW: Deborah Sassen aus Düsseldorf seit 1996 verschwunden

Ein Fall, der die ganze Bundesrepublik bewegte, war der Vermisstenfall der kleinen Deborah Sassen aus Düsseldorf. Das damals achtjährige, blonde Mädchen verschwand am 13. Februar 1996, als sie von ihrer Schule an der Wiesdorfer Straße auf dem Weg zu ihrem Elternhaus war. Dort kam sie jedoch nicht an. Über 20 Jahre nach ihrem Verschwinden fehlt von ihr nach wie vor jede Spur. Auch bei der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ wurde der Vermisstenfall der kleinen Deborah ausgestrahlt – ein entscheidender Hinweis ging bis heute nicht ein.

Auf ähnliche Weise verschwand am 11. Mai 1989 die damals 12-jährige Ramona Herling aus Bad Driburg (Kreis Höxter). Sie war damals auf dem Weg in ein Schwimmbad, das nur 500 Meter von ihrem Zuhause entfernt war. Im Schwimmbad kam sie nie an.

Seit über 30 Jahren fehlt außerdem von Tanja Mühlinghaus aus Wuppertal jede Spur. Die 15-Jährige wurde zuletzt am 21. Oktober 1998 gesehen. Auch sie verschwand auf dem Weg zur Schule.

Vermisste Kinder: Initiative Vermisste Kinder wurde 1997 gegründet

Das Schicksal von Deborah, Tanja, Ramona und vielen anderen Kindern ist auch heute noch ungeklärt. Für Eltern, Geschwister, Freunde eine unheimliche Tortur und nervenaufreibende Suche.

Vermisste Kinder: Aufklärungsquote liegt im Schnitt bei 97 Prozent

„Durchschnittlich wurden in den vergangenen vier Jahren rund 15.700 Kinder im Jahresverlauf als vermisst registriert. Die Aufklärungsquote liegt jährlich im Schnitt bei nahezu 97 Prozent“, heißt es auf der Internetseite des BKA. Nur in wenigen Fällen sind Kinder Opfer von Straftaten geworden. Mehr als die Hälfte der vermisst gemeldeten Kinder sind unbegleitete Flüchtlinge, gehören zu den sogenannten Dauerausreißern oder wurden ihren Sorgeberechtigten entführt.

Jungen verschwinden übrigens deutlich häufiger als Mädchen, so seien mehr als zwei Drittel der Vermissten männlich. Verschwinden Kinder freiwillig, gibt es dafür verschiedene Gründe, unter anderem Probleme in der Schule, mit den Eltern oder Liebeskummer, so das BKA weiter. Der älteste registrierte Vermisstenfall eines Kindes stammt übrigens aus dem Jahr 1964. (nb mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant