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Kindermord Solingen: Auch das sechste Kind sollte sterben – „Spring mit mir vor den Zug“

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Die Angeklagte im Gerichtssaal.
Die Angeklagte schweigt auch weiterhin © Tim Oelbermann/Imago

Der Prozess des fünffachen Kindermordes in Solingen geht weiter: Auch der älteste Sohn der Angeklagten sollte sterben. Seine Mutter sagte ihm, dass seine Geschwister tot sind.

Wuppertal – Die wegen fünffachen Mordes angeklagte Mutter aus Solingen soll ihren ältesten Sohn zum Suizid gedrängt haben - dieser weigerte sich aber. Der Junge hatte bei der Polizei ausgesagt, dass seine Mutter auf ihn eingeredet habe: „Spring mit mir vor den Zug.“ Die Aussage wurde am Mittwoch von der Vernehmungsbeamtin des Jungen in den Prozess am Landgericht in Wuppertal eingeführt.

Kindermord Solingen: Prozess geht weiter – ältester Sohn über Tattag

Der inzwischen zwölf Jahre alte Junge war schließlich alleine zu seiner Großmutter an den Niederrhein weitergefahren, während sich seine Mutter im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber schwer verletzt überlebt hatte. Seine Mutter habe ihm gegenüber behauptet, seine fünf Geschwister seien bei einem Autounfall ums Leben gekommen, sagte der Sohn den Angaben zufolge weiter aus. Dies sei ihm aber komisch vorgekommen.

Auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts muss sich die 28-jährige Mutter der toten Kinder wegen fünffachen heimtückischen Mordes verantworten. Sie soll fünf ihrer sechs Kinder betäubt und dann erstickt, erwürgt oder ertränkt haben. Die Angeklagte hat die Tat bestritten. Ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt, geknebelt und dann ihre Kinder getötet, sagte sie. Die Ermittler hatten diese Version als Schutzbehauptung zurückgewiesen.

Kindermord Solingen: Ändert Angeklagte ihre Strategie?

Das Landgericht zog am Mittwoch eine Zwischenbilanz und legte der Angeklagten nahe, sich zu öffnen und ihre Strategie zu ändern. Im Fall einer Verurteilung drohe ihr lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Sollte sie sich aber öffnen und die Gutachter zu dem Ergebnis kommen, dass sie an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung leide, könnte für sie ein Freispruch wegen Schuldunfähigkeit herauskommen – und statt Strafhaft eine Unterbringung in der Psychiatrie.

„Das ist fürsorglich gemeint“, sagte der Vorsitzende Richter. „Sie haben es in der Hand. Sprechen Sie mit ihren Verteidigern. Wir wollen keinen in die Falle locken, sondern herausfinden, was vorgefallen ist.“

„Es gibt in Schwurgerichtsverfahren einen entscheidenden Punkt. Der ist jetzt erreicht“, sagte eine beisitzende Richterin. Der Angeklagten droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft. Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Nur der älteste Sohn blieb körperlich unverletzt. (dpa/lnw)

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