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Kindermorde in Solingen – Verteidigung will eigene Gutachter einsetzen

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Die angeklagte Mutter (r) spricht mit einem ihrer Anwälte.
Die angeklagte Mutter aus Solingen bestreitet vor Gericht in Wuppertal weiterhin die Morde an fünf ihrer sechs Kinder (Archivbild). © Oliver Berg/dpa

Die Verteidiger der wegen Mordes an ihren Kindern angeklagten Mutter aus Solingen wollen eigene Gutachter beauftragen. Sie halten die vom Gericht beauftragten Gutachter für befangen.

Wuppertal – Im Prozess um die Solinger Kindermorde haben die Verteidiger einen eigenen psychiatrischen Gutachter beauftragt. Er soll die 28-jährige Angeklagte in der kommenden Woche in der Haft untersuchen und seine Ergebnisse im September präsentieren, kündigten die Anwälte am Mittwoch dem Landgericht in Wuppertal an.

Gericht Wuppertal: Wurde angeklagte Mutter aus Solingen sexuell missbraucht?

Die Verteidiger hatten die beiden vom Gericht bestellten Gutachter als befangen abgelehnt. Die Gutachter hatten die Frau bislang als voll schuldfähig eingestuft. Die Verteidiger vermuten dagegen, dass die Angeklagte von ihrem Vater als Kind sexuell missbraucht worden sein könnte. Dies könnte wiederum eine psychische Störung bei ihr verursacht haben und die Angeklagte wegen Schuldunfähigkeit vor einer Verurteilung zu lebenslanger Haft bewahren – zugunsten einer Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie. Im Fall einer verminderten Schuldfähigkeit könnte ihre Strafe deutlich milder ausfallen.

Der Vater der Angeklagten ist wegen Besitzes von harter Kinderpornografie rechtskräftig verurteilt. Die Verteidiger beantragten, sämtliche bei ihm entdeckten kinderpornografischen Aufnahmen darauf zu untersuchen, ob auf ihnen die Angeklagte im Kindesalter zu sehen ist. Dann wäre erwiesen, dass sie selbst Missbrauchsopfer sei.

Kindermorde in Solingen: Staatsanwaltschaft sieht keine Hinweise für psychische Störung bei Angeklagter

Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen: Selbst im Fall eines Missbrauchs und einer Traumatisierung sei eine psychische Störung keine zwangsläufige Folge. Für eine solche Störung hätten sich bei der Frau keine Hinweise gefunden.

Die angeklagte Mutter aus Solingen soll im September 2020 fünf ihrer sechs Kinder betäubt und umgebracht haben. Kurz zuvor hatte ihr Mann ihr mitgeteilt, dass er eine neue Partnerin hat.

Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in Solingen entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Die Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. Die Angeklagte hat die Tat bislang bestritten. Ein Unbekannter habe ihre Kinder getötet. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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