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Kinder zwischen den Fronten in Lützerath: Das kann lebensgefährlich werden

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Von: Peter Sieben

Aktivisten und Polizisten erhöhen in Lützerath den Druck. Immer wieder kommen Eltern mit Kleinkindern auf das Gelände. Das kann hochgefährlich werden.

Erkelenz – Wer will fleißige Handwerker sehen? Stein auf Stein, Stein auf Stein – die Barrikade gegen die Polizei wird bald fertig sein. Die Bilder aus Lützerath können durchaus befremden: Am Sonntag, als Tausende gegen den Abriss des Dorfes demonstrierten, waren auch viele Kinder vor Ort. Die Steintürme errichteten, als Barriere gegen die Einsatzkräfte der Polizei – als wäre das alles bloß ein Spiel.

Aktivisten und Kinder bauen Barrieren in Lützerath
Auf dem Gelände in Lützerath sind immer wieder auch Kinder. Am Sonntag halfen sie dabei, Steinbarrieren aufzuschichten. Das kann gefährlich werden. © Peter Sieben

Lützerath: Unschöne Bilder von Festnahmen und Steinwürfe auf Polizei

Dabei flogen wenige Stunden später nach einem Konzert der Band Annenmaykantereit in Lützerath Steine auf Polizisten, wurden Aktivisten festgenommen und weggetragen. Auch am ersten Tag der Räumung: Wieder waren Familien mit Kindern vor Ort. Die Polizei kritisierte das und appellierte: Eltern sollten mit ihren Kindern das Gelände verlassen, es bestehe Gefahr.

Polizei und Aktivisten erhöhen Druck in Lützerath

Denn Lützerath ist in der Tat kein Spielplatz. Der Polizei läuft die Zeit davon, weil der Ort bis Mitte Februar leer sein soll: Danach endet die Rodungssaison und RWE kann Lützerath dann nicht mehr ohne Weiteres abreißen. Die Polizei muss umsetzen, was die NRW-Landesregierung beschlossen hat: Lützerath ist im Besitz von RWE, der Energiekonzern darf räumen und abreißen. Unabhängig davon, ob das Hauptargument der Regierung, dass nämlich die Sicherung der Energieversorgung davon abhängt, nun sachlich korrekt ist oder nicht. Und die Besetzer wollen die Räumung von Lützerath genau aus diesem Grund unbedingt so lange wie möglich hinauszögern. Heißt: Beide Seiten erhöhen jetzt massiv den Druck.

Räumung von Lützerath: Besetzer kleben an Türen fest

Aktivisten kleben sich jetzt an Türen fest, verharren Stunden in Baumhäusern in schwindelerregender Höhe. Und am ersten Räumungstag flogen in Lützerath nicht nur Steine, sondern auch ein Molotowcocktail. Auf der anderen Seite die Polizei. Die Einsatzkräfte sind mit schwerem Gerät, mit Kettensägen und Baufahrzeugen vor Ort, um Barrikaden zu räumen.

Kinder in Lützerath? Viel zu gefährlich

In den kommenden Tagen werden Aktivisten von Polizisten weggetragen, es wird körperliche Auseinandersetzungen geben, womöglich verletzen sich Menschen – Dinge, die kleine Kinder nicht hautnah miterleben sollten. Und noch wichtiger: Sie dürfen nicht zwischen die Fronten geraten, denn das kann lebensgefährlich sein, sagt die Polizei: Wegen „weitreichender Gefahren“ appellierte sie erneut an die Eltern, Lützerath „umgehend mit ihren Kindern zu verlassen“. (pen)

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