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Kleinkinder gedemütigt und geschlagen: Erschreckend viele Gewaltmeldungen aus NRW-Kitas

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Von: Jonah Reule

Kinderjacken hängen an einer Garderobe in einer Kita
In Kitas in NRW hat die Gewalt gegenüber Kindern 2021 zugenommen (Symbolbild). © Friso Gentsch/dpa

Immer häufiger gibt es Meldungen in NRW über Gewalt in Kitas, sagen die Landesjugendämter. Ein Grund: Menschen schauen genauer hin als früher.

Köln – Die Zahl von Meldungen von Gewalt in NRW-Kitas steigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Landesjugendämter in NRW für das Jahr 2021. Im Vergleich zu den Jahren zuvor, sei die Anzahl sprunghaft angestiegen. In einzelnen Bereichen hätten sich die Zahlen laut dem Landesjugendamt Rheinland in Köln teilweise sogar verdoppelt.

Gewalt in Kitas: Zahl der Meldungen schießen in die Höhe

Die Meldestatistik des Landesjugendamtes Rheinland zeigt, wie viele Fälle von Gewalt gegenüber Kindern in Kitas seit dem Jahr 2018 angezeigt wurden. Dabei werde laut Landesjugendamt in drei Bereiche unterschieden:

In allen drei Bereichen stieg die Zahl der Meldungen an. Die Zahl der sexuellen Übergriffe lag 2018 noch bei 38. In den Jahren 2020 und 2021 hat sie sich auf 76 verdoppelt. Sprunghafter Anstieg auch bei den körperlichen Attacken auf Kinder in den Kitas: Von 2018 bis 2021 stieg die Anzahl der Meldungen von 42 auf 133 an. Den größten Anstieg verzeichnet das pädagogische Fehlverhalten. Wurden 2018 noch 34 Fälle übermittelt, so waren es 2021 mit 222 Fällen schon fast 200 pädagogische Fehltritte mehr, so das Landesjugendamt.

Landesjugendamt Rheinland: Auch Fälle unter Kindern werden dazugezählt

Bei den Zahlen gelte es jedoch eine Besonderheit zu beachten, wie ein Sprecher des Landesjugendamts gegenüber 24RHEIN sagte. Das Landesjugendamt Rheinland erfasse bei seiner Zählung auch Vorfälle unter Kindern in den Kitas. Das bedeutet, dass körperliche Auseinandersetzungen zwischen Kindern ebenfalls mitgezählt wurden.

Vergleich zwischen Stadt und Land nur schwer möglich

Die Zahlen zu Gewalt an Kitas in ländlichen Regionen fallen zwar geringer aus, dennoch sei auch dort ein Anstieg zu beobachten. So wurden dem Landesjugendamt Westfalen-Lippe in Münster für 2021 ebenfalls mehr Fälle zu sexuellen Übergriffen, körperlichen Attacken und pädagogischem Fehlverhalten gemeldet. Da dort Gewalt zwischen Kindern nicht mitgezählt werde, sei es allerdings normal, dass die Zahlen geringer als im Rheinland ausfielen, so das Landesjugendamt Rheinland. Ein Vergleich sei daher nur schwer möglich.

In Westfalen-Lippe wurden 2021 62 Fälle von unangemessenem Erziehungsverhalten gemeldet. Im Jahr 2019 waren es noch 33 Fälle gewesen. Körperliche Auseinandersetzungen, wie treten, schlagen und schubsen kamen laut Bericht 54 Mal vor. Zwei Jahre zuvor waren es nur 22 Vorfälle der gleichen Art. Die Zahl der sexuellen Übergriffe stieg von 16 auf 29 an.

Landesjugendamt: Kampagne 2020 schaffte mehr Bewusstsein bei den Menschen

Die Gründe für die höhere Anzahl an Meldungen sieht das Landesjugendamt unter anderem in einer 2020 durchgeführten Kampagne. Dabei habe man die Träger der Kita dafür sensibilisiert, Gewalt an Kitas ordnungsgemäß zu melden, so ein Pressesprecher des Landesjugendamts Rheinland. Gegenüber 24RHEIN sagte er, die Aufmerksamkeit sei dadurch gestiegen und „die Menschen schauen genauer hin“. Das führe dazu, dass mehr Träger von Kitas, Erzieher, aber auch Eltern Vorfälle melden würden. Kita-Träger seien bereits im Verdachtsfall dazu verpflichtet, Vorfälle zu melden, so der Sprecher weiter. (jr) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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