1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarrer: Korschenbroich tauft nach ihm benannte Straße um

Erstellt:

Ein Mann sitzt allein zwischen leeren Kirchenbänken
Die betroffene Pfarrei in Korschenbroich hat die Umbenennung selbst beantragt (Symbolbild). © picture alliance/dpa/YNA

Der Rat der Stadt Korschenbroich war sich einig: Die nach einem Pfarrer benannte Straße soll umbenannt werden. Gegen den schon verstorbenen Geistlichen gibt es Missbrauchsvorwürfe.

Korschenbroich – Wegen Missbrauchsvorwürfen hat die Stadt Korschenbroich am Niederrhein eine nach einem Pfarrer benannte Straße umbenannt. Nach Angaben der Stadt vom Freitag votierte der Rat am Donnerstagabend einstimmig dafür, die Johannes-Wolf-Straße in An der Obstwiese umzutaufen.

Die katholische Pfarrei, in der der 1993 gestorbene Geistliche früher gewirkt hatte, hatte selbst die Umbenennung der Straße beantragt. In einer gemeinsamen Erklärung aller Ratsfraktionen – unter ihnen CDU, SPD, FDP und Grüne – hieß es, den Straßennamen so zu belassen, „käme einer Verhöhnung der Opfer gleich“. Man könne das erfahrene Leid nicht wieder gut machen, „aber dieses eine Zeichen können wir setzen“. Wolf soll in den 50er und 60er Jahren sexualisierte Gewalt an Minderjährigen verübt haben. Strafrechtlich belangt wurde er nie. In Köln gab es ähnliche Überlegungen: Im Missbrauchsgutachten des Erzbistums Köln ist auch der Name von Kardinal Höffner aufgetaucht, nach dem der Platz vor dem Kölner Dom benannt ist. Das wollen einige nun ändern.

Korschenbroich: „Eine erschütternde Realität“

Pfarrer Marc Zimmermann, der heute in der Pfarrei tätig ist, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Gemeinde habe ein sichtbares Zeichen setzen wollen. Dies sei umso wichtiger, weil die Opfer des Pfarrers noch lebten. Unter ihnen sei ein Mann, der als 14-Jähriger Messdiener von ihm missbraucht worden sei. Seit langer Zeit sei er deshalb in Therapie. „Es ist eine erschütternde Realität“, sagte Zimmermann. Kindern, die Erwachsenen und ganz besonders Priestern vertraut hätten, so etwas anzutun, stehe in vollkommenem Widerspruch zu allem, was Jesus gesagt habe.

Mittlerweile habe sich gezeigt, dass in der Gemeinde viele vom Hörensagen über den Missbrauch informiert gewesen seien. „Solche Dinge werden ja oft unter der Hand weitererzählt, aber öffentlich nicht ausgesprochen“, sagte Zimmermann. Eine Mutter habe Pfarrer Wolf allerdings mal ins Gesicht gesagt: „Sie fassen meinen Jungen nicht an!“

Der Strafrechtler Björn Gercke hat in seinem Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs Hinweise auf 202 Beschuldigte festgestellt. (dpa)

Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

Auch interessant