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„Geht an die Substanz“: Bäckerei „Stinges“ bleibt sonntags geschlossen

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Von: Nina Büchs

Filiale der Landbäckerei Stinges in Grevenbroich, Nordrhein-Westfalen.
Die Landbäckerei Stinges will ihre Öffnungszeiten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zuliebe anpassen. (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/Imago

Die Landbäckerei Stinges in NRW wird ihre Öffnungszeiten ab November 2022 anpassen – und sonntags nicht mehr öffnen.

Brüggen – Seit 170 Jahren versorgt die Landbäckerei Stinges mit Sitz in Brüggen (Kreis Viersen) ihre Kunden mit Brot, Brötchen, Kuchen und anderen selbstgemachten Backwaren. Normalerweise können Kundinnen und Kunden dort täglich einkaufen. Nun hat die Bäckerei, von der es bereits in NRW 117 Filialen gibt, jedoch eine grundlegende Änderung bekannt gegeben. So werden die Filialen ab dem 1. November 2022 an Sonn- und Feiertagen komplett schließen. Was steckt dahinter?

Landbäckerei Stinges
Gründung1852
Filialen120
SitzBrüggen (Kreis Viersen)

NRW: Bäckerei Stinges öffnet nicht mehr an Sonntagen

„Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer haben aufgrund der kräftezehrenden Coronazeit und der seit zweieinhalb Jahren angespannten Personalsituation zahlreiche Überstunden angesammelt. Viele von ihnen mussten immer wieder für ihre Kollegen einspringen und waren überlastet. Das geht an die Substanz“, schildern Inhaber und Geschäftsführer Willi und Leo Stinges auf der Homepage des Unternehmens.

Mit diesem Schritt setzt die größte Bäckerei am Niederrhein also ein klares Zeichen gegen Personalknappheit und die Sieben-Tage-Woche, heißt es auf der Website des Unternehmens. Ein freier Tag war in Handwerksbetrieben früher üblich. Bei Bäckereien und Friseuren sei dies der Montag gewesen, so Willi Stinges weiter. „Wir wollen den Sonntag wieder zum Familientag machen und den Beschäftigten vor allem im Verkauf, die zu 98 Prozent auch sonntags arbeiten, Zeit zum Verschnaufen geben“, sagt Willi Stinges.

Doch nicht nur die Situation der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat die Bäckerei zu dieser Entscheidung veranlasst. Auch die steigenden Energiekosten habe dazu beigetragen. Die hohen Kosten sollen demnach nicht komplett durch Preissteigerungen aufgefangen werden – schließlich sollen Backwaren keine Luxusgüter werden. „Mit der Schließung unserer Fachgeschäfte an Sonn- und Feiertagen versuchen wir, diese Mehrkosten besser in den Griff zu bekommen“, so Willi Stinges.

Gaskrise: Bäckereien leiden unter hohen Kosten – Brotpreis um 18 Prozent gestiegen

Auch anderen Bäckereien macht die Energiekrise schwer zu schaffen. So musste zum Beispiel die Kölner Traditionsbäckerei Schlechtrimen nach 90 Jahren schließen. Die Kosten könne die Bäckerei nicht mehr tragen, hieß es – denn seit Anfang des Jahres muss der Bäcker für seine Rohstoffe 45 Prozent mehr bezahlen. Hinzu kommen steigende Personalkosten in Höhe von 14 Prozent, die im Oktober mit der Anhebung des Mindestlohns noch einmal steigen würden.

Nicht nur bei den Bäckern selbst, auch bei den Kunden machen sich die gestiegenen Kosten bemerkbar – im Zeitraum August 2021 bis August 2022 stieg der Brotpreis um durchschnittlich 18 Prozent, wie Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union „Eurostat“ zeigen. „Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise werden zahlreiche Unternehmer jetzt an den Rand des Ruins treiben: Prognosen für das kommende Jahr sagen verdreifachte Strompreise und sogar verfünffachte Gaspreise voraus“, warnte der zuletzt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Bäckerei-Kette Stinges sonntags geschlossen – über 100 Filialen am Niederrhein

Die Landbäckerei Stinges hat 117 Filialen am Niederrhein. Ein Überblick, wo man die Kette unter anderem findet:

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