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Jungen im Schrank versteckt, jahrelang missbraucht – Täter kommt in Sicherungsverwahrung

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Missbrauchsprozess um einen jahrelang verschwundenen Jugendlichen
Ein Mann aus Recklinghausen wurde vor dem Landgericht Bochum für sexuellen Missbrauch verurteilt. © Marcel Kusch/dpa

Am Donnerstag wurde vor dem Landgericht Bochum das Urteil gegen einen 46-jährigen Mann gesprochen, der einen 13-jährigen Jungen über 400 mal missbraucht hat.

Bochum – Es ist eine Tat, die sprachlos und fassungslos macht: Über zweieinhalb Jahre lang soll ein heute 46-jähriger Mann einen anfangs 13-jährigen Jungen in einem Schrank in seiner Wohnung eingesperrt und ihn dabei über 400 Mal sexuell missbraucht haben. Die Ermittler fanden den Jugendlichen im Dezember 2019 eher zufällig, bei einer Razzia in der Wohnung des bereits vorbestraften 46-Jährigen auf der Suche nach Kinderpornografie. Zum Zeitpunkt des Auffindens in einem Haus Recklinghausen wurde der 13-Jährige bereits seit über zwei Jahren vermisst.

Nun wurde am heutigen Donnerstag (2. September) um 12 Uhr das Urteil zu dem Fall gesprochen: Der Angeklagte muss für seine Taten für neun Jahre ins Gefängnis, anschließende Sicherungsverwahrung eingeschlossen. Diese hatte die Staatsanwaltschaft im Prozess beantragt, zum Schutz der Allgemeinheit. Heute ist das Opfer 17 Jahre alt, beim Prozess hatte der Jugendliche unter Ausschluss der Öffentlichkeit ebenfalls ausgesagt. Er war am 11. Juni 2017 aus einer Wohngruppe in Oer-Erkenschwick verschwunden und im Anschluss nicht mehr aufgetaucht. Der Fall war auch Gegenstand der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“.

Bochum: Junge jahrelang im Schrank versteckt und missbraucht – Urteil gesprochen

Der Richter vor dem Bochumer Landgericht sprach bereits vor der Urteilsverkündung davon, dass man es hier mit einem „ungewöhnlichen Fall“ zu tun habe. Besonders die schiere Masse an Straftaten gebe es so nur selten. „Wir gehen davon aus, dass es in der gesamten Zeit fast täglich zu einem sexuellen Übergriff gekommen ist“, erklärte der Richter. Bereits beim ersten Treffen der beiden im Juni 2017 – sie hatten sich über eine WhatsApp-Gruppe kennen gelernt – soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein, damals allerdings noch unter Einwilligung des Jungen, der damit sein Taschengeld aufbessern wollte. Für den darauffolgenden, sexuellen Kontakt hatte dies allerdings nicht mehr gegolten, so das Urteil.

Der 46-Jährige hatte den sexuellen Kontakt eingangs bestritten und sogar erklärt, die Initiative zu all dem sei von dem Jungen ausgegangen. Vor Gericht glaubte man ihm allerdings kein Wort: „Es war anders. Das wissen wir“, erklärte der Richter gegen Ende der Verkündung. Die Verteidiger hatten auf maximal sieben Jahre Haft plädiert, Staatsanwaltschaft auf elf, die Nebenklage auf 15 Jahre Gefängnis.

Vermisster 13-Jähriger: Mutter mit Aufrufen bei Facebook und bei „Aktenzeichen XY“ (ZDF)

Die Mutter des heute 17-Jährigen hatte mit großem Aufwand nach ihrem vermissten Sohn gesucht, eine Facebook-Seite gestartet und auch für die Fahndungssendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ vor der Kamera gestanden. Wie sich später herausstellte, lagen zwischen dem letzten Aufenthaltsort des Jungen in Oer-Erkenschwick und dem Tatort der Missbräuche gerade einmal zehn Kilometer. Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 2. September um 15:14 aktualisiert. Neuerung: Dritter und vierter Absatz, weitere Details zur Verhandlung und der Urteilsbegründung des Landgerichts.

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