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„Lost Place“: Männer erkunden verlassene Residenz im Wald – doch sie waren nicht allein

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Von: Mick Oberbusch

Dunkler Tunnel in „Lost Place“
„Lost Places“ haebn im Internet viele Fans und werden oft von YouTuberinnen und YouTubern besichtigt (Symbolbild). © Boris Roessler/dpa

Drei Männer wollten einen „Lost Place“ in NRW besichtigen. Doch das alte Seniorenheim war nicht so verlassen, wie zunächst angenommen.

Köln – Schonmal etwas von dem Begriff „Lost Places“ gehört? Dahinter verbergen sich alte Bauwerke oder Gebäude, die sozusagen aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden sind, stilllegen oder schlicht in Vergessenheit geraten sind. Im Internet gibt es um diese „vergessenen Plätze“ einen regelrechten Hype – auf der Videoplattform YouTube filmen sich regelmäßig Userinnen und User, die ihren Ausflug in eben jene Bauwerke mit der Kamera begleiten. Doch nicht jeder vergessene Ort ist automatisch ein „Lost Place“ – wie nun drei Männer aus dem Märkischen Kreis in NRW erfuhren, als sie in ein ehemaliges Seniorenheim einsteigen wollten.

„Lost Places“: Männergruppe steigt in alte Seniorenresidenz ein – doch es gibt einen Haken

„Nachdem sie auf YouTube ein Video gesehen hatten, wollten sich drei maskierte Hessen am Sonntagnachmittag das alte Seniorenheim Forsthaus von innen anschauen und suchten nach Zutrittsmöglichkeiten“, so die Polizei. Allerdings gab es einen Haken: Das Haus hat seit drei Wochen einen neuen Besitzer und ist mit Kameras gesichert. Die meldeten die ungebetenen Gäste auf dem Gelände. Eine Polizeistreife entdeckte die Männer (16, 21 und 52) kurz darauf in der Nähe. Am Abend standen die nächsten Besucher auf der Matte – diesmal aus Witten.

Treffen von „Lost Places“–Fans im Seniorenheim geplant – „je verfallener, desto besser“

Diese wussten von einem angeblichen Treffen der LostPlace-Fans zu berichten, das am kommenden Wochenende in dem Forsthaus stattfinden soll. „Alte Bunker, aufgegebene Hotels, Bahnhöfe oder Firmengebäude wie das ehemalige VDM-Areal am Schwarzenstein in Altena oder das ehemalige Altenaer Krankenhaus rufen immer wieder Abenteurer mit Kamera und Taschenlampe auf den Plan – je verfallener, desto besser“, so die Polizei, die jedoch darauf hinweist, dass das Besuchen dieser „Lost Places“ keinesfalls ungefährlich ist.

„Lost Places“ – was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Meistens handelt es sich bei „Lost Places“ um Bauwerke aus der jüngeren Geschichte, die entweder noch nicht historisch aufgearbeitet (bzw. erfasst) worden sind oder aufgrund ihrer geringen Bedeutung kein allgemeines Interesse finden und daher nicht als besonders erwähnenswert gelten.

Der Ausdruck „Lost Place“ wird zwar häufig gleichbedeutend mit Ruinen aus der Industriegeschichte oder nicht mehr genutzten militärischen Anlagen (vgl. Militärgeschichte) gebraucht, die eigentliche Bezeichnung gilt aber für jedweden Ort, der im Kontext seiner ursprünglichen Nutzung in Vergessenheit geraten ist. Insbesondere zählen dazu Orte, die nicht bewusst als Industriedenkmäler für die Nachwelt erhalten und dadurch einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

„Lost Places“ bergen hohe Risiken – morsche Böden und gesundheitsgefährdender Schimmel

„Unabhängig von dem Risiko, durch morsche Böden verfallener Gebäude zu stürzen oder gesundheitsgefährdende Schimmelsporen einzuatmen, sollten sich Besucher über strafrechtliche Konsequenzen im Klaren sein. Die Polizei warnt: Auch vermeintlich verlassene Gebäude haben Eigentümer. Und die mögen es gar nicht, wenn ungebetene Gäste ihre Räume filmen und ins Internet stellen oder sich in ihren Räumen niederlassen, um dort zu feiern oder zu übernachten“, so die Behörde weiter. Denn: „Wer Türen oder Fenster aufbricht, Scheiben einschlägt oder Schlösser knackt, der begeht einen Einbruch.“

„Lost Places“: Einbruch in alte Gebäude „besonders schwere Fälle des Diebstahls“

Strafrechtlich handele es sich dabei um Sachbeschädigung oder „besonders schwere Fälle des Diebstahls“ – auch wenn gar nichts gestohlen wird. Wer in Wohnräume eindringt, der begeht einen Wohnungseinbruchdiebstahl. Wer über oder durch Zäune oder Mauern klettert, der kann wegen Hausfriedensbruchs belangt werden. Das Veröffentlichen von Filmen auf YouTube könnte als Anstiftung zu einer Straftat gewertet werden. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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