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Solidarität mit Lützerath: Aktivisten besetzen Kohlebagger in Hambach – Duo weiter im Tunnel

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Von: Mick Oberbusch, Anna Maria Pejsek, Peter Sieben, Maximilian Gang

In Lützerath ist die Räumung fast beendet. Nur noch zwei Aktivisten harren in einem Tunnel auf dem Gelände. In Hambach wird nun auch protestiert.

Update vom 16. Januar, 7:28 Uhr: Mehrere Klimaaktivisten haben am Montagmorgen (16. Januar) einen Schaufelradbagger im naheliegenden Braunkohletagebau Hambach besetzt. Insgesamt vier Menschen seien seit den frühen Morgenstunden auf dem Bagger, sagte ein RWE-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Der Betrieb sei vorerst eingestellt und die Polizei informiert. 

Laut der Protestgruppe „Gegenangriff - für das gute Leben“ haben acht Aktivisten den Bagger besetzt. Mit dem Protest wolle man sich mit den Menschen in Lützerath solidarisch zeigen. Außerdem kritisierte die Gruppe, das Vorgehen der Polizei bei der Räumung und forderte die Vergesellschaftung der Energieproduktion. Zeitgleich befinden sich nach wie vor zwei Aktivisten in einem Tunnel unter Lützerath, wie ein Sprecher von RWE am Montagmorgen sagte. Man sei in Kontakt mit ihnen. Derweil laufe der Rückbau weiter und sei bereits „weit fortgeschritten“.

Lützerath: Polizei vertreibt alle Aktivisten – bis auf „Pinky und Brain“

Update vom 15. Januar, 15:58 Uhr: Die Polizei hat am Sonntag nach eigenen Angaben in Lützerath alle noch verbliebenen Aktivisten aus Baumhäusern und von Bäumen heruntergeholt. „Es sind jetzt nur noch die beiden im Tunnel übrig“, sagte ein Polizeisprecher. Bei den verbleibenen Aktivisten handelt es sich um zwei Männer, die kürzlich unter den Namen „Pinky“ und „Brain“ eine Videobotschaft aus ihrem Tunnel sendeten. Die Räumung des Dorfes Lützerath hatte am Mittwoch begonnen. Klimaaktivisten hatten das verlassene Dorf besetzt, um einen Abriss und das anschließend geplante Abbaggern der darunter liegenden Kohle zu verhindern.

Lützerath-Räumung geht heute weiter – nur noch wenige Menschen auf dem Gelände

Update vom 15. Januar, 9:48 Uhr: Nachdem es im Zuge der Großdemo in Lützerath am Samstag, 14. Januar, zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstrierenden in Lützerath gekommen war, ist es in der Nacht zum Sonntag (15. Januar) ruhig geblieben. Die Polizei, die den Ort absichert, sei immer wieder Streife gefahren. An einem Tunnel, in dem zwei Aktivisten ausharren sollen, habe die Feuerwehr regelmäßig ein Belüftungsgerät kontrolliert.

Die Polizei will die Räumung von Lützerath am Sonntag fortsetzen. „Im Laufe des Tages geht es weiter“, sagte ein Sprecher am Morgen. „Ein paar Baumstrukturen werden noch überprüft.“ Nach Polizeiangaben halten sich nur noch wenige Aktivisten in Lützerath auf. Die Zahl der Menschen liege schätzungsweise im einstelligen Bereich, sagte der Sprecher. Nach Aussage eines Aktivisten vor Ort sind noch etwa 20 Menschen auf dem Gelände.

Weite Teile des Geländes waren am frühen Morgen mit Flutlicht ausgeleuchtet, wie dpa-Reporter berichteten. Bagger fuhren auf das Gelände, um weitere Gebäude abzureißen. Die abgeriegelte Ortschaft im Rheinischen Revier wird seit Mittwoch von der Polizei geräumt. Die wenigen Gebäude der Siedlung werden abgerissen, um es dem Energiekonzern RWE zu ermöglichen, die darunter liegende Braunkohle abzubaggern. Aktivisten wollen das verhindern.

Nach eskalierter Lützerath-Demo: Harsche Kritik an Mona Neubaur für Tweet

Update vom 14. Januar, 21:16 Uhr: Einen Tag vor der Großdemo in Lützerath hatte sich NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) via Twitter zur Situation im Braunkohlerevier geäußert:

„Die Auskohlung des Rheinischen Reviers hat tiefe Narben in unsere Landschaft & das kollektive Gedächtnis einer ganzen Region gerissen. Dieser gesellschaftliche Großkonflikt hat Familien zerrissen und Menschen entwurzelt. Ihn zu befrieden, war immer mein politisches Ziel“, schreibt Neubaur unter anderem. Und weiter: „Auch wenn mich die Bilder von vor Ort nicht kalt lassen: Lützerath wird bleiben, als Erinnerung und als Symbol für das Ende der Braunkohle in Nordrhein-Westfalen. Als Schlusspunkt der Energieerzeugung der Vergangenheit.“

In den vergangenen Monaten hatte Mona Neubaur wegen des gemeinsam mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und dem Energiekonzern RWE getroffenen Deals zum Kohleausstieg 2030, in dessen Rahmen Lützerath abgerissen werden soll, immer wieder viel Kritik einstecken müssen.

Mona Neubaur
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. © Rolf Vennenbernd/dpa

Angesichts der teils heftigen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten am Samstag nehmen viele Twitter-Nutzer ihre den jüngsten Tweet besonders übel: „Angesichts der Polizeigewalt in Lützerath heute fragen wir uns, warum Sie nicht einfach schweigen können! Ihre Politik verletzt und traumatisiert!!!“, heißt es etwa vom Account der Klimabewegung „Kirche(n) im Dorf lassen“.

Ein anderer Nutzer schreibt: „Ich habe mich noch nie so sehr für meine Grüne Partei geschämt wie in diesen Tagen! Junge Leute wegtragen lassen, die für einen effektiveren Klimaschutz eintreten, als man ihn selbst in Regierungsverantwortung umsetzt, ist ein politischer Offenbarungseid.“

„Ich weiß nicht, was ich unangenehmer finden soll, das geflissentliche Weglassen der Klimafolgen i.H.v. 280 Millionen Tonnen, den Pathos, mit dem Sie sich hier noch zur Heldin stilisieren oder den Gruß am Ende, während die Polizei gerade brutal und ohne Rücksicht räumt“, findet ein weiterer Nutzer.

Die Polizei war am Samstag mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen Aktivistinnen und Aktivisten vorgegangen und hatte Teilnehmern der Großdemo mit Gewalt gedroht. Aktivisten hatten davor Feuerwerk gezündet. Am Abend entspannte sich die Lage.

Polizeikette schiebt Demonstranten in Lützerath auf den Acker

Update vom 14. Januar, 18:18 Uhr: Viele Demonstranten haben nach der Aufforderung und der Gewaltandrohung der Polizei die Umzäunung und damit den unmittelbaren Bereich bei Lützerath verlassen. Alle anderen seien von einer breiten Polizeikette auf dem Acker zurückgeschoben worden, berichten dpa-Reporter. Es habe Geschrei gegeben, aber zunächst keine Zusammenstöße.

Polizisten vor einem Wasserwerfer in Lützerath
Die Polizei ging bei der Demo in Lützerath mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor. © Roberto Pfeil/dpa

Demo in Lützerath: Aktivisten wollen Polizisten mit einem „Klingelstreich“ irritieren

Update vom 14. Januar, 18:02 Uhr: Die Aktivisten rufen dazu auf, zahlreiche Telefonnummern von Einsatzkräften der Polizei anzurufen, um deren Kommunikation zu stören. Dazu posten sie eine Liste der Nummern in einer Telegramgruppe und sprechen von einem „Klingelstreich“.

Polizei droht Demonstranten mit körperlicher Gewalt

Update vom 14. Januar, 17:57 Uhr: Die Polizei hat die Demonstranten aufgefordert, sich aus dem unmittelbaren Bereich am Braunkohleort Lützerath zurückzuziehen. Zahlreiche Menschen drängen sich an dem Zaun, der das abgeriegelte Lützerath inzwischen umgibt. Die Einstzkräfte werden andernfalls räumen und „unmittelbaren Zwang“ anwenden, so ein Sprecher der Polizei.

Polizisten und Demonstranten stehen sich im Schlamm vor Lützerath gegenüber.
Polizisten und Demonstranten stehen sich im Schlamm vor Lützerath gegenüber. © Oliver Berg/dpa

Per Lautsprecher drohte die Polizei mit erneutem Einsatz von Wasserwerfern und körperlicher Gewalt.

Hunderte Demonstranten drängen sich an den Zaun um Lützerath

Update vom 14. Januar, 17:47 Uhr: Auf Bildern ist zu erkennen, wie sich Hunderte Menschen an den Zäunen vor Lützerath drängen. RWE hatte das Dorf zuletzt abriegeln lassen, Doppelzäune umgeben den Ort. Menschen versuchen, wieder ins weitgehend geräumte Lützerath einzudringen. Viele Tausend Menschen sind nach wie vor auf dem riesigen Feld direkt neben Lützerath und demonstrieren.

Lützerath: Menschen werden „krankenhausreif geschlagen“, sagen Aktivisten

Update vom 14. Januar, 17:11 Uhr: An einem Randbezirk der Demonstration im abgeriegelten Braunkohleort Lützerath hat die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. Mit Mehrzweckstöcken seien sie gegen Vermummte eingesetzt worden, die versucht hätten, eine Polizeikette zu durchbrechen, sagte ein Sprecher. Auch Pfefferspray kam zum Einsatz.

Die Aktivisten sagen, es seien Menschen krankenhausreif geschlagen worden: „Eine Person wurde soeben mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht.“ Eine Bestätigung der Polizei dazu gibt es bislang nicht.

In Lützerath: Polizei nutzt Wasserwerfer

Update vom 14. Januar, 16:27 Uhr: Die Polizei in Lützerath setzt Wasserwerfer ein, um die Demonstranten vom Kohleabbaugebiet fernzuhalten, berichtet eine dpa-Reporterin. Hunderte Demonstranten standen der Polizei vor Lützerath gegenüber. Aus ihren Reihen erklang immer wieder der Ruf „Auf nach Lützerath! Auf nach Lützerath!“, heißt es. Bei der Klima-Demonstration gab es eine Kundgebung, mit Tausenden Teilnehmern. Die Teilnehmer wurden von einem Sprecher auf dem Podium aufgefordert, bis nach Lützerath vorzudringen.

Polizei versucht Demonstranten nicht nach Lützerath zu lassen

Update vom 14. Januar, 14:57 Uhr: Immer mehr Demonstranten versuchen vom Kundgebungsort Keyenberg in das von der Polizei abgesperrte Lützerath vorzudringen. „Wir versuchen, sie daran zu hindern“, sagte ein Polizeisprecher. Wie die Rheinische Post berichtet, die bei der Lützerath-Demo vor Ort ist, seien Polizisten auch auf Demonstranten zugestürmt. Die Lage eskaliere und es werden Schlagstöcke eingesetzt, heißt es weiter. Es sei auch Pyrotechnik in Richtung Einsatzkräfte geflogen. Die vor Lützerath stehende Polizei hielt nach Beobachtung einer dpa-Reporterin Hunde und Wasserwerfer bereit.

Bei der Räumung in Lützerath versuchen Demonstranten in den Kohleabbauort einzudringen.
Polizisten versuchen, die Demonstranten zurückzuhalten. © Oliver Berg/dpa

„Lützerath bleibt“: 10.000 Demonstranten bei Großdemo

Update vom 14. Januar, 14:39 Uhr: Die Großdemo in Lützerath hat dafür gesorgt, dass der Bahnverkehr in der Region Verzögerungen melden musste. Wegen der erhöhten Zahl der Fahrgäste, die die Demonstration ansteuerten, komme es an den Bahnhöfen Erkelenz, Mönchengladbach und Rheydt zu Verspätungen, schrieb DB Regio via Twitter. Das betreffe insbesondere die Regionalbahnlinie RB33.

Greta Thunberg bei der Räumung von Lützerath
Klimaaktivistin Greta Thunberg in Lützerath. © Henning Kaiser/dpa

Die Veranstalter machten am Samstagmittag zunächst keine Angaben zur Anzahl der Teilnehmer. Der Twitter-Account von „Lützerath bleibt“ teilte um 14:30 Uhr mit, dass sich 35.000 Tausend Demonstrierende zusammengefunden haben. Die Polizei schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 8000 bis 10.000 Tausend.

Lützerath: Aktivisten und Demonstranten sind in den Tagebau eingedrungen

Update vom 14. Januar, 13:58 Uhr: Wie die Aktivisten über die sozialen Medien mitteilen, sei der Demozug nun ausgebrochen. Auch die Polizei teilt auf ihrem Twitter-Account mit, dass größtenteils vermummte Personen aktuell versuchen Polizeisperrungen zu durchbrechen. „Um dies zu verhindern, wenden wir unmittelbaren Zwang an. Unterlassen Sie es, Polizeikräfte anzugehen und verhalten Sie sich kooperativ“, warnt die Polizei auf Twitter.

Tunnel-Räumung in Lützerath: Aktivisten weiterhin unter der Erde

Update vom 14. Januar, 12:52 Uhr: Die Großdemo in Lützerath startete um 12 Uhr mit einem Demozug, bei dem viele Demonstrantinnen und Demonstranten teilnehmen. Die Polizei hat im Vorfeld 8000 Menschen erwartet. Polizeipräsident Dirk Weinspach sprach jetzt aber von einer „Herausforderung für die Einsatzkräfte“. „Es werden, nach allem, was wir wissen, sehr, sehr viele Menschen kommen“, so der Präsident.

Auch auf den Social Media Kanälen der Polizei warnen die Beamten vor Versuchen, ins von Aktivisten besetzte Lützerath oder in den Tagebau Garzweiler II einzudringen, da dies zu Gefahren durch den anhaltenden Regen kommen könnte.

Vonseiten des RWE wurde zwischenzeitlich bestätigt, dass der Tunnel in Lützerath nicht eingebrochen sei. Zurzeit kursiere diese Falschmeldung in den sozialen Medien. „Das ist falsch! Die Lage ist stabil, Rettungskräfte haben die Luftzufuhr stabilisiert und halten Kontakt zu den Personen“, so RWE auf Twitter.

Greta Thunberg in Lützerath: „Es sieht wirklich aus wie Mordor“

Update vom 14. Januar, 12:09 Uhr: Greta Thunberg ist aus Schweden angereist, um die Klimaaktivisten am Samstag, 14. Januar, in Lützerath zu unterstützen. Sie kritisiert die Grünen und sagt gegenüber der dpa: „Dass die Grünen mit solchen Unternehmen Kompromisse schließen, zeigt, wo ihre Prioritäten liegen“. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und NRW-Kollegin Mona Neubaur verteidigen den Abriss und sind der Meinung, dass die Kohle gebraucht wird. Thunberg sagte dazu: „Die Kohle, die hier im Boden ist, wird die Preise nicht sofort senken. Wer so denkt, hat einfach keinen Bezug zur Realität.“

Greta Thunberg kam zur Großdemo am Samstag, 14. Januar, in den Kohleabbauort Lützerath.
Greta Thunberg mit Luisa Neubauer in Lützerath. © Remko de Waal/Imago

Als die schwedische Klimaaktivistin in Lützerath ankam, ist sie schockiert von dem Anblick. „Ich bin hier schon früher gewesen, und da sah es noch völlig anders aus“, sagte sie. „Es ist sehr traurig, das zu sehen. Es ist jetzt ein ganz anderer Ort“, führte sie weiter aus. Zu der kraterartigen Landschaft in Lützerath fiel ihr dieser Vergleich ein: „Es sieht wirklich aus wie Mordor. Es zeigt, wozu Menschen unter den falschen Bedingungen fähig sind. Es zeigt, wogegen wir kämpfen, was wir verhindern wollen“. „Mordor“ ist ein Zitat aus „Herr der Ringe“, dort beschreibt „Mordor“ das Reich und die Basis des bösen Sauron.

Klimaaktivisten in Lützerath: „Räumung wurde zur Rettung umdeklariert“

Update vom 14. Januar, 10:23 Uhr: Die Räumung des Tunnels in Lützerath hat begonnen, schreiben die Aktivisten auf dem Twitter-Account @luetzibleibt. Sie sprechen außerdem davon, dass sie Räumung des Tunnels zu „einer Rettung umdeklariert wurde“ und von nun an nicht mehr die Polizei für den Tunnel zuständig ist, sondern RWE selbst. „Die RWE-Werksfeuerwehr ist nicht für diesen Einsatz ausgebildet: Sie ist an schneller, nicht an sicherer Räumung interessiert“, so die Aktivisten. Laut der Besitzerinnen und Besetzer gibt es demnach keinen Grund für eine Rettung, da sie nicht in Gefahr sind.

Die Polizei Aachen sagt auf Anfrage von 24RHEIN, dass die Räumung des Tunnels Sache des Technischen Hilfswerks sei. Das bedeutet, dass die Polizei das Gelände in Lützerath nicht verlässt, aber auch nicht für die Räumung des Tunnels zuständig ist.

Lützerath: Nacht verlief ruhig, Räumungen gehen am vierten Tag weiter

Update vom 14. Januar, 9:26 Uhr: Es ist der vierte Räumungstag. Die Polizei setzt auch am Samstagmorgen mit der Räumung in Lützerath fort. „Oberirdisch sind wir so gut wie durch“, sagte ein Sprecher am Morgen. Es gebe noch etwa 15 „Strukturen“ der Aktivistinnen und Aktivisten, darunter Baumhäuser und Verschläge, hieß es. Die Polizei versucht weiterhin in den Tunnel vorzudringen, in dem unter anderem die Aktivisten „Pinky“ und „Brain“ ausharren sollen.

Die Nacht lief ruhig ab. Es hat laut Polizei keine Zwischenfälle gegeben. Aktivisten in Baumhäusern weckten sich am frühen Samstagmorgen gegenseitig mit Rufen, wie ein dpa-Reporter berichtete. Ein weiterer Reporter soll am Samstagmorgen beobachtet haben, wie weitere Häuser abgerissen werden. Darunter soll auch das frühere Wohnhaus von Bauer Eckardt Heukamp gewesen sein. Er war der letzte Landwirt in Lützerath.

Seit Mittwoch brachte die Polizei lau eigenen Angaben etwa 470 Klimaaktivisten aus Lützerath raus. Davon sollen 320 das Gelände freiwillig verlassen haben. Vier Aktivisten sollen sich aufgrund von Widerstandshandlungen, einem Sturz und durch Ankleben verletzt haben.

124 Strafanzeigen gegen Klimaaktivisten

Update vom 13. Januar, 23 Uhr: Wie die Polizei Aachen mitteilt, wurde die Räumung der Ortslage Lützerath auch am dritten Tag fortgesetzt. Am Freitag wurde das letzte Gebäude durch Polizeikräfte geräumt - es befinden sich nur noch wenige Besetzerinnen und Besetzer in Baumstrukturen. In der am Donnerstag entdeckten unterirdischen Bodenstruktur befinden sich nach wie vor mehrere Personen. Polizei und Rettungskräfte halten weiterhin Kontakt zu diesen. Bislang lehnen sie ein freiwilliges Verlassen der unterirdischen Bleibe ab. Aus der Ortslage Keyenberg liefen am Nachmittag mehrere 100 Personen über Felder und Wirtschaftswege wie am Vortag in Richtung Tagebaukante.

Diese Gruppe wurde von geschlossenen und berittenen Einheiten, auch unter Anwendung unmittelbaren Zwangs, vor dem Erreichen des Gefahrenbereiches aufgehalten. Eine kleinere Personengruppe setzte sich auf einem Wirtschaftsweg an der L 12 und blockierte diesen. Die Polizei bewertete diese Gruppe als Versammlung und forderte die Gruppe auf, sich einer Mahnwache in der Nähe anzuschließen; dies lehnte man ab. Ohne weiteres polizeiliches Einschreiten entfernten sich die Personen nach einer Stunde wieder.

Seit Beginn der Räumung wurden gegen 124 Personen Strafanzeigen gefertigt, dabei insbesondere wegen Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamten und wegen Landfriedensbruchs. Für hohes mediales Interesse sorgte zudem der Besuch einer Parlamentarierin in Lützerath. Diese wurde von Luisa Neubauer und Greta Thunberg begleitet. Kurz nach dem Besuch veröffentlichte Frau Thunberg einen Tweet: „Es ist empörend, wie die Polizeigewalt ist.“ Polizeipräsident Weinspach bemerkte dazu: „Den größten Teil ihres Aufenthalts hat sie genutzt, um mit der Presse zu sprechen und Statements zu geben. Während fast neben ihr sehr behutsam von Polizistinnen und Polizisten daran gearbeitet wurde, Aktivisten vom Gelände zu bringen.“

Räumung von Lützerath: Polizei vertreibt Aktivisten von Dächern

Update vom 13. Januar, 18:40 Uhr: In den Häusern in Lützerath und auf den Dächern der Gebäude sind nach Angaben der Polizei keine Aktivisten mehr. Das sagte ein Sprecher am Freitagnachmittag einem dpa-Reporter. Damit schreitet die Räumung des Ortsteils von Erkelenz im rheinischen Braunkohlerevier weiter voran.

Aktivisten sitzen in Lützerath auf dem Dach
Die Polizei hat am 13. Januar die letzten Aktivistinnen und Aktivisten von den Dächern der Häuser in Lützerath entfernt. © Rolf Vennenbernd/dpa

Weiter geräumt werden müssen noch ein Tunnel, in dem sich zwei Klimaaktivisten verschanzt hatten und mehrere Baumhäuser. Seit Mittwoch wird das von Klimaaktivisten besetzte Dorf Lützerath von der Polizei geräumt und teilweise abgerissen. Anschließend will der Energiekonzern RWE die darunter liegende Kohle abbaggern.

Räumung von Lützerath: Aktivisten verschanzen sich in Tunnel

Erkelenz – Pinky und der Brain wollen für gewöhnlich die Weltherrschaft an sich reißen. So jedenfalls in der Zeichentrickserie „Pinky and the brain“ über zwei Laborratten aus den 90er Jahren. Die beiden Aktivisten, die sich ebenfalls Pinky und Brain nennen, haben ein anderes Ziel: Sie wollen die Räumung und den Abriss von Lützerath verhindern.

Zwei vermummte Aktivisten in einem Tunnel unter Lützerath
Pinky und Brain (vr.n.l.) im Tunnel unter Lützerath: Ob und wo genau der Tunnel existiert, ist unklar. © Screenshot/Lützi bleibt

Update vom 13. Januar, 14:57 Uhr: Aktivisten, die sich in Tunneln verschanzt haben, erschweren aktuell die Räumung von Lützerath. Die Besetzer hatten zuvor bereits von „Lebensgefahr“ gesprochen, sollte die Polizei mit Räumfahrzeugen oder schwerem Gerät anrücken. Nun scheint sich die Problemlage für die Polizei noch weiter zu verschärfen. Denn anstatt einem Tunnel, wie bisher angenommen, gibt es gleich drei. Das bestätigte ein Sprecher der Aachener Polizei gegenüber 24RHEIN.

Lützerath-Räumung: Polizei räumt Hochsitze – aus acht Metern Höhe

Update vom 13. Januar, 14:15 Uhr: Die Polizei räumt jetzt auch mehrere sogenannte Monopods, also einbeinige Hochsitze. Aktivisten harren dort in acht bis zehn Metern Höhe aus. Die Besetzer warnen vor möglichen Gefahren bei der Räumung angesichts der schwindelerregenden Höhe.

Lützerath-Tunnel: Pinky und Brain harren angeblich seit Tagen aus

Seit Tagen befinden sich die beiden in etwa vier Metern Tiefe unter Lützerath am Tagebau Garzweiler, das jedenfalls behaupten die Besetzer des Dorfes, das seit knapp drei Tagen durch die Polizei geräumt wird. In Videobotschaften senden sie Nachrichten nach draußen, ein Clip zeigt zwei vermummte Personen in einer Art Erdloch, daneben ist ein Blumenstrauß zu sehen.

Streitpunkt: Wer ist Pinky und wer ist Brain?

Erst einmal gibt es Streit darüber, wer von beiden Pinky, und wer Brain sein wird. „Du kennst die Serie doch noch nicht mal, Alter“, sagt einer der beiden lachend. „Doch, den Brain hast du mir mal gezeigt“, erwidert der andere. Per Stein-Schere-Papier-Spiel klären sie schließlich den Disput und der Aktivist rechts im Bild, der nun Pinky heißt, erklärt mit thüringisch angehauchtem Dialekt: „Ein Tunnel ist eine effektive Verteidungsform gegen eine Räumung. Das Sinnvolle ist, dass es viel schwieriger ist, einen Tunnel zu räumen als ein Baumhaus.“

Tunnel in Lützerath: „Es besteht Lebensgefahr“

Bereits am Donnerstag hatten die Aktivisten auf den Tunnel aufmerksam gemacht – mit dem Appell an die Polizei, nicht mit Räumfahrzeugen oder schwerem Gerät anzurücken, weil sonst der Tunnel einstürzen könnte. „Es besteht Lebensgefahr“, hieß es von den Besetzern. Und aktuell schaut ganz Deutschland auf Lützerath.

Derzeit erschweren die Tunnel-Aktivisten die Räumung, denn in der Tat konnte die Polizei bereits zahlreiche Baumhäuser und Hütten einreißen. Aber: Wo genau der Tunnel ist, ist unbekannt. Wohl in der Nähe des Wäldchens in Lützerath soll er sein, wo die Aktivisten zuletzt Baumhäuser errichtet hatten, von denen viele jetzt abgerissen worden sind. Ob sich aktuell wirklich zwei Menschen in dem Tunnel aufhalten, und wer die beiden sind, ist ebenfalls unklar.

Unterdessen machte die Grünen-Landtagsabgeordnete Antje Grothus auf einen neuen Aspekt aufmerksam: Offenbar gehören RWE nicht alle Grundstücke, die für den Hauptbetriebsplan zum Kohleabbau notwendig sind. Sie appellierte: Bis es einen neuen Plan gibt, solle die Räumung von Lützerath gestoppt werden. (pen)

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