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Zwei Verletzte in Lützerath – Polizei rechtfertigt Einsatz

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In Lützerath haben Klimaaktivisten am Montag (2. Januar) eine wichtige Zufahrtsstraße blockiert – und Polizisten attackiert. Es gab zwei Verletzte.

Update vom 3. Januar, 8:24 Uhr: Nachdem am Montag zwei Menschen beim Polizeieinsatz in Lützerath verletzt worden waren, herrscht Unklarheit darüber, wie es zu den Verletzungen kommen konnte. In einer ersten Meldung der Deutschen Presse-Agentur hieß es, ein Aktivist habe auf einer Barrikade, einem sogenannten Tripod, gesessen und sich dann am Fuß verletzt. Später hieß es vonseiten der Polizei, eine Aktivistin sei ohne Fremdeinwirkung zu Fall gekommen und habe sich so verletzt.

Eine Sprecherin der Lützerath-Besetzer formuliert es allerdings so: „Der Tripod stand hinter den Aktivistinnen und Aktivisten und die Polizei überrannte sie, um daran zu kommen. Dabei wurde die Person überrannt und verletzt.“ Die Polizeiaktion wird im Besetzer-Camp als „Machtdemonstration“ wahrgenommen: „Die Polizei hat die Situation eskaliert.“

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte im Vorfeld angekündigt, dass er auf Deeskalation und „Teams zur kommunikativen Unterstützung der eigenen Kräfte und zur Vermeidung von eskalierenden konfrontativen Einsatzsituationen“ setze. „Ich wünschte, die Räumung von Lützerath hätte sich vermeiden lassen. Aber sie ist - nach allem was ich weiß - leider unvermeidlich“, so Weinspach.

Zwei Verletzte nach Polizeieinsatz in Lützerath

Update vom 2. Januar, 20:17 Uhr: Beim Polizeieinsatz in Lützerath am Montag wurden zwei Personen verletzt – eine Aktivistin und eine Polizistin. Das berichtet die zuständige Polizei aus Aachen am Montagabend. „Eine Aktivistin kam ohne Fremdeinwirkung zu Fall und verletzte sich. Sie musste medizinisch versorgt werden. Eine Polizistin wurde durch einen unter dem Reifen einer Baumaschine eingeklemmten Stein getroffen und verletzt. Sie wurde in ein umliegendes Krankenhaus gebracht“, teilt die Polizei mit.

Erneut betonte die Polizei, dass es sich beim Einsatz am Montag nicht um den Beginn der Räumung von Lützerath, sondern um logistische Vorbereitungen von RWE gehandelt habe. RWE habe am Montag begonnen, sich in Lützerath für die anstehende Räumung und den Rückbau des Dorfes vorzubereiten. Dafür wurden unter anderem die Zufahrtswege um den Weiler für den Verkehr gesperrt. „Um diese Arbeiten zu schützen, war die Polizei vor Ort“, heißt es am Montagabend. Tagsüber war es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Klimaaktivisten gekommen. Die Besetzer warfen unter anderem Steine, Flaschen und Böller auf die Einsatzkräfte. Eine Barrikade wurde in Brand gesteckt.

„Parents for Future“ unterstützen Aktivisten in Lützerath

Update vom 2. Januar, 19:31 Uhr: Die Aktivisten, die aktuell das Dorf Lützerath besetzen, bekommen Unterstützung von der Organisation „Parents for Future“. In einer Mitteilung fordert „Parents for Future“ die Politik zum Umdenken auf. „Zum Schutz der Kinder in aller Welt“ sollten NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und der Energiekonzern RWE Lützerath erhalten und die Kohle unter dem Dorf im Kreis Heinsberg im Boden lassen.

Laut „Parents for Future“ sei im Tagebau Garzweiler II bereits ausreichend förderbare Kohle vorhanden, um die Versorgung in Deutschland zu sichern. Daher sollten alle Maßnahmen für eine bevorstehende Räumung von Lützerath ausgesetzt werden.

Lützerath: Rangeleien zwischen Polizei und Aktivisten

Update vom 2. Januar, 18:05 Uhr: Die Klimaaktivisten in Lützerath haben in den Sozialen Medien erneut angekündigt, das Dorf zu verteidigen. „Ab heute wird Lützerath angegriffen. Wir geben RWE und den Cops keinen Meter“, heißt es in einem Twitter-Post der Initiative „Lützerath bleibt“. Die Polizei kam am Montag zum Ort, um laut eigenen Aussagen Strukturen für die bevorstehende Räumung von Lützerath vorzubereiten. Die Aktivisten werteten das als Angriff. Die Stimmung war angespannt. Es kam stellenweise zur Konfrontation zwischen Polizei und Aktivisten. Handgemenge waren die Folge. Aktivisten warfen Flaschen auf Beamte.

Die Polizei hatte indes betont, dass am Montag noch keine Räumung geplant sei. Die Aktivisten aber sind in höchster Alarmbereitschaft. Sie glauben, dass die Polizei eine Eskalation provozieren wolle. Im Internet rufen sie dazu auf, nach Lützerath zu kommen. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um nach Lützerath zu fahren und das Dorf zu verteidigen!“, heißt es in einem Aufruf bei Twitter. Wann genau die Räumung des Dorfes beginnen soll, ist noch unklar. Der Einsatz wird ab dem 10. Januar erwartet. Dann sollen mehr als 1000 Polizisten nach Lützerath kommen.

Aktivisten blockieren Zufahrt zu Lützerath – und werfen Böller auf Polizisten

Update vom 2. Januar, 13:46 Uhr: Unmittelbar vor dem Braunkohledorf Lützerath ist es am Montag (2. Januar) zu kleineren Rangeleien zwischen Polizisten und Klimaaktivisten gekommen. Die Aktivisten hätten Böller, Flaschen und Steine auf die Polizei geworfen, berichteten dpa-Reporter vor Ort. Danach beruhigte sich die Situation zunächst wieder. Polizisten und Aktivisten standen sich in zwei Reihen vor dem Ortsschild „Lützerath“ gegenüber. Anschließend zog sich die Polizei wieder zurück.

Ein Aktivist, der auf einem sogenannten „Tripod“, einem Dreifuß, gesessen hatte, verletzte sich nach Polizei-Angaben beim Absteigen ohne äußere Einwirkung am Fuß. Ein Polizeisprecher sagte, die Räumung von Lützerath stehe am Montag noch nicht an. Es würden aber vorbereitende Arbeiten für den geplanten Großeinsatz Mitte Januar ausgeführt.

Während die Polizei Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath trifft, brennen Strohballen, die von Aktivisten angezündet wurden.
Während die Polizei Vorbereitungen zur geplanten Räumung des Dorfes Lützerath trifft, brennen Strohballen, die von Aktivisten angezündet wurden. © Thomas Banneyer/dpa

Aktivisten blockieren Zufahrt zu Lützerath – und stecken Barrikade in Brand

Erstmeldung vom 2. Januar, 11:45 Uhr: Lützerath – Wieder Aufregung in Lützerath: Auf der Zufahrtsstraße zum Braunkohledorf haben sich am Montag (2. Januar) Klimaaktivisten hinter einer brennenden Barrikade positioniert. „Die Polizei hat heute angekündigt, dass sie Barrikaden räumen wird, die wir aufgebaut haben, um das Dorf zu schützen“, sagte Julia Riedel, Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“ gegenüber der Deutschen Presseagentur. Ein Aktivist des Bündnisses „Letzte Generation“ hatte seine linke Hand auf der Zufahrtsstraße festgeklebt. Ein weiterer Aktivist saß auf einem dreibeinigen Hochstand.

Aktivisten vs. Polizei in Lützerath
Am Montag (2. Januar) ist es in Lützerath zu Rangeleien zwischen Aktivisten und der Polizei gekommen. © Henning Kaiser/dpa

Klimaaktivisten blockieren wichtige Straße in Lützerath – RWE muss mit Baumaschinen durch

Schild „Lützi bleibt“ in Lützerath
Das Braunkohledorf Lützerath soll voraussichtlich noch Mitte Januar geräumt werden. © Thomas Banneyer/dpa

Ein Polizeisprecher sagte, die Räumung von Lützerath sei für Montag noch keinesfalls geplant. Gegebenenfalls müssten aber Zufahrtsstraßen freigeräumt werden, damit der Energiekonzern RWE mit seinen Baumaschinen durchkommen könne. Wie RWE mitteilte, wurden am Montag drei Landstraßen bei Lützerath dauerhaft gesperrt. Lützerath in der Nähe von Erkelenz im Kreis Heinsberg soll zur Kohlegewinnung abgebaggert werden. In den Häusern, deren einstige Bewohner weggezogen sind, leben allerdings Aktivisten, die um den Ort kämpfen wollen.

Zufahrtsstraßen blockiert – Braunkohledorf Lützerath wird wohl noch im Januar geräumt

Für das Abbaggern und Verbrennen der Kohle sehen sie keine Notwendigkeit. Grundstücke und Häuser gehören aber dem Energiekonzern RWE. Dieser teilte mit, die Inanspruchnahme von Lützerath in diesem Winter sei notwendig, um inmitten der Energiekrise eine sichere Versorgung der Kraftwerke zu gewährleisten. Mit einer Räumung von Lützerath wird noch im Januar gerechnet. Zuletzt hatte auch der RWE-Chef an die Aktivistinnen und Aktivisten appelliert.

Kreis Heinsberg untersagt Aufenthalt in Lützerath – Platzverweis ist Folge zu leisten

Der Kreis Heinsberg hat eine Allgemeinverfügung bekannt gemacht, die Personen den Aufenthalt in dem Ort untersagt. Werde diesem Platzverweis keine Folge geleistet, so biete die Verfügung die Grundlage „zur Ergreifung von Räumungsmaßnahmen ab dem 10. Januar“, so der Kreis. (mo/pen/dpa)

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