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Lützerath unterspült: Annenmaykantereit-Konzert verlegt

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Von: Johanna Werning

Das Konzert von Annenmaykantereit in Lützerath muss verlegt werden. Der ursprüngliche Veranstaltungsbereich wurde unterspült.

Update vom 8. Januar, 18:18 Uhr: Gut eine halbe Stunde dauerte der Gig von AnnenMayKantereit in Lützerath – und die 30 Minuten hatten es in sich. Vor allem für Robert Habeck gab es Kritik. „Das hier kennen die Älteren unter euch sicher noch“, so Sänger Henning May, der zur Melodie vom Hit „Jesus“ der 90er-Jahre-Comedy-Band „Die Doofen“ ein bitterböses Schmählied auf Bundeswirtschaftsminister Habeck anstimmte. Ähnlich wie Jesus, habe dieser auch „langes Haar und Latschen an“ – und der Refrain: „Habeck, Habeck, du warst echt ok, doch dann kam RWE.“

Lützerath unterspült: Annenmaykantereit-Konzert verleg

Update vom 8. Januar, 12:40 Uhr: „Aufgrund einer Unterspülung mit Wasser besteht im Bereich des östlich in #Lützerath gelegenen Wendehammers und von dort aus insbesondere in Richtung Tagebauvorfeld/Abbruchkante akute Lebensgefahr“, warnt die Polizei in Aachen „Betreten Sie diesen Bereich nicht.“

Das Annenmaykantereit-Konzert in Lützerath muss darum verlegt werden. Statt am Wendehammer findet das Konzert nun im Bereich der Greenpeace-Mahnwache auf der L277 statt. Ausgelöst worden sei die Unterflutung durch einen Wasseraustritt aus einem Rohr. Wie es dazu gekommen sei, werde derzeit geprüft.

AnnenMayKantereit bei einem Konzert in Lützerath
Die Kölner Band AnnenMayKantereit in Lützerath. © Peter Sieben

„Lützerath unräumbar“: Luisa Neubauer und Annenmaykantereit dabei

Erstmeldung vom 8. Januar: Erkelenz – Wenige Tage vor einer möglichen Räumung des Dorfes Lützerath zur Kohlegewinnung wollen Klimaaktivisten am Sonntag über ihre geplanten Protestaktionen informieren. Vorstellen will sich das Bündnis „Lützerath unräumbar“, zu dem sich Organisationen und Initiativen wie Ende Gelände, Fridays for Future, Alle Dörfer bleiben und Letzte Generation zusammengeschlossen haben.

An einem Haus im Dorf Lützerath hängt ein Banner mit der Aufschrift „1,5 Grad Celsius heißt: Lützerath bleib“. Lützerath soll zur Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler II abgebaggert werden.
Rund 700 Leute sollen sich nun in Lützerath aufhalten. © Henning Kaiser/dpa

Bündnis „Lützerath umräumbar“

► In dem Bündnis haben sich Organisationen und Initiativen wie Ende Gelände, Fridays for Future, Alle Dörfer bleiben und Letzte Generation zusammengeschlossen.

 Lützerath-Räumung aktuell: Am Sonntag sind mehrere Aktionen geplant. Auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer und die Kölner Band AnnenMayKantereit sollen teilnehmen.

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Geplant sei auch ein „öffentliches Aktionstraining für die geplanten Aktionen zivilen Ungehorsams“, hieß es. Danach soll es einen sogenannten Dorfspaziergang geben. Die Kölner Band AnnenMayKantereit will ein Konzert in dem besetzten Ort spielen. „Lützerath muss bleiben. Deswegen machen wir dort am Sonntag Musik“ schrieb Sänger Henning May bei Instagram.

Zu dem „Dorfspaziergang“ – Lützerath besteht aus nur noch wenigen ehemaligen Gehöften und Häusern – wird auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer erwartet. Sie rief Unterstützer dazu auf, ebenfalls zu kommen. „In Lützerath ist die Grenze des Weiter-so erreicht“, sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur. „Die Politik traut sich noch nicht, das anzuerkennen, aber die Zivilgesellschaft schon.“ Die Kohle müsse im Boden bleiben. „Seit Jahren erleben wir die Klimafolgen, im Sommer 2022 wüteten in ganz Europa die gravierendsten Waldbrände, die Zerstörung muss aufhören, die bisher durch die deutsche Politik und Wirtschaft befeuert wird.“

„Lützerath unräumbar“: 700 Menschen vor Ort – „hoffen, dass wir es Wochen lang halten können“

Die Aktivisten in Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler wollen die geplante Räumung wochenlang verzögern. „Wir hoffen, dass wir Lützerath sechs Wochen lang halten können“, sagte Dina Hamid, Sprecherin der Initiative Lützerath, am Sonntag. Derzeit befänden sich 700 Menschen in dem Erkelenzer Ortsteil. Geplant seien unter anderem Sitzblockaden sowie die Besetzung von Baumhäusern und Hütten. Die aus wenigen Häusern bestehende Ortschaft liegt unmittelbar an der Abbruchkante des Tagebaus. Die Räumung wird in naher Zukunft erwartet.

In den sozialen Netzwerken riefen Initiativen unter anderem mit dem Hashtag #LuetzerathUnraeumbar dazu auf, sich am Widerstand gegen die Räumung zu beteiligen. Auf den Straßen von Lützerath wurden außerdem weitere Barrikaden errichtet, unter anderem betonierten Aktivisten Gasflaschen in die Fahrbahnen ein, um diese unpassierbar zu machen.

Lützerath: Wie konnte es so weit kommen?

Bereits am Samstag waren erneut zahlreiche Aktivisten nach Lützerath angereist. Shuttlebusse brachten sie von nahegelegenen Bahnhöfen in das unwegsame Gelände. In einem Camp auf einem Feld im benachbarten Stadtteil Keyenberg wurden mehrere neue Zelte aufgebaut. Außerdem leben sie in besetzten Gebäuden, Zelten und Baumhäusern. Die ursprünglichen Bewohner sind längst weggezogen. Die Umsiedlung von Lützerath und umliegender Orte begann im Jahr 2000.

Boden und Häuser des von Ackerbau geprägten Ortes gehören längst der Tagebaubetreiberin RWE. Mit dem Energieunternehmen haben die grün geführten Wirtschaftsministerien in Bund und NRW im Oktober 2022 einen auf 2030 vorgezogenen Kohleausstieg im Rheinland vereinbart. Fünf zuvor vom Abriss bedrohte Dörfer im Umfeld des Tagebaus sollen erhalten blieben. Der Ort Lützerath mit nur noch wenigen Häusern soll aber weichen, um die darunter liegende Kohle abzubauen. (jw mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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