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Mähroboter: Für den Menschen praktisch – für den Igel tödliche Gefahr

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Von: Benjamin Stroka

Ein Igel mit einer Kopfverletzung.
Mähroboter können bei Igeln für schlimme Verletzungen sorgen. © Marius Becker/dpa

Ein Mähroboter sorgt bei Gartenbesitzern für mehr Freizeit und dennoch einen sauber geschnittenen Rasen. Für Igel können sie aber zur tödlichen Gefahr werden.

Düsseldorf – Immer mehr Menschen in NRW nutzen zur Erleichterung bei der Gartenarbeit einen Mähroboter. Der kann sogar den Rasen mähen, wenn niemand zu Hause ist oder nachts, wenn alle schlafen. Mittlerweile lassen sich viele Modelle ganz einfach mit dem Smartphone steuern und auch feste Mähzeiten vorgeben. Klingt praktisch und ist es für viele auch. Doch eine Gefahr wird häufig unterschätzt oder überhaupt nicht bedacht. Ein solcher Mähroboter kann für viele Kleintiere im Garten, besonders Igel, zum tödlichen Werkzeug werden.

Mähroboter immer beliebter: Verkaufszahlen steigen jährlich

Laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) aus dem Jahr 2020 nutzen in Deutschland mittlerweile 18 Prozent aller Menschen einen Roboter als Haushaltshilfe. Der beliebteste Helfer ist weiterhin der Staubsaugerroboter. Ein solches Modell nutzen 44 Prozent der Befragten. Doch die Mähroboter holten zuletzt extrem auf, landeten bereits bei 42 Prozent. Gab es sie vor einigen Jahren nur im Fachhandel zu kaufen, findet man solche Roboter inzwischen quasi in jedem Baumarkt.

Der Grund für die Anschaffung eines solchen Roboters ist klar: Die meisten der Befragten (59 Prozent) gaben an, dass sie dadurch mehr Freizeit haben. Bei 52 Prozent der Besitzer steigere der Roboter zudem die Lebensqualität. Moderne Mähroboter erledigen ihren Job mittlerweile fast lautlos und können Rasenkanten sauber schneiden. „Vielen Gartenbesitzern ist jedoch nicht bewusst, dass die Mähroboter für Igel und andere kleine Tiere wie beispielsweise Kröten, Eidechsen, Vögel und auch Insekten zum tödlichen Verhängnis werden können“, erklärt Dr. Gerlinde von Dehn, Tierschutzbeauftragte des Landes NRW.

Ein Mähroboter fährt über eine Wiese.
Immer mehr Menschen in NRW nutzen in ihrem Garten einen Mähroboter. © Soeren Stache/dpa

Vorsicht bei Mährobotern: Viele Igel sterben an Verletzungen

Von Dehn erklärt, dass Igel bei einer Gefahr nicht flüchten, sondern sich zusammenrollen. Wenn sie dann von einem Mähroboter angefahren werden, kann das zu schweren Verletzungen führen. „Durch die scharfen Klingen werden Schnauzen, Füße, Stacheln, Hautschichten oder Gliedmaßen zerschnitten oder gar abgetrennt“, berichtet die Tierschutzbeauftragte. Besonders dramatisch sei zudem, dass viele der verletzten Tiere gar nicht entdeckt würden. Denn Igel schleppen sich verwundet ins Dickicht, wo sie dann häufig „an den Folgen der Verletzungen leidvoll sterben“.

Nun haben die meisten Mähroboter grundsätzlich Sensoren, die sie zum Anhalten zwingen, zum Beispiel wenn ein Kind oder ein größeres Tier sich dem kleinen Gartenhelfer nähert. Das gilt jedoch in vielen Fällen nicht bei Kleintieren. „Eine Oxford-Studie der Igelforscherin Sophie L. Rasmussen (et al.) zeigt sogar auf, dass keiner der getesteten 18 Mähroboter durch Sensoren junge Igel erkennen kann, die unter 200 Gramm wiegen“, berichtet von Dehn. Und besonders nachts ist die Gefahr für die stacheligen Kleintiere besonders groß, denn Igel sind nachtaktiv.

Mährobiter als Gefahr für Igel: Expertin gibt Tipps für Mähroboter

Die NRW-Tierschutzbeauftragte mahnt daher um Vorsicht: „Bitte achten Sie darauf, Mähroboter nicht nachts oder in der Dämmerung einzusetzen und kontrollieren Sie, ob sich kleine Wildtiere auf der zu mähenden Rasenfläche befinden könnten, bevor Sie den Mähroboter einschalten.“ Die Tierschutzorganisation „Peta“ setzt sich sogar schon für ein grundsätzliches Nachtfahrverbot von Mährobotern ein, um die nachtaktiven Wildtiere zu schützen. (bs) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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