Von Meerbusch nach Pakistan

„Max und Moritz“-Bäckerei – Wilhelm Buschs Neffe backt als einziger Deutscher Brote in Islamabad

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Claus Euler verkauft seine Waren auf einem Wochenmarkt in Islamabad.

Claus Euler ist ein Neffe von Wilhelm Busch. Seit 1996 lebt er in Pakistan und führt dort seit acht Jahren eine Bäckerei. Mit Erfolg, denn die deutschen Rezepte kommen gut an.

Islamabad/Meerbusch – Er ist der einzige deutsche Bäcker in der pakistanischen Hauptstadt. Seit 1996 lebt Claus Euler aus Meerbusch bei Düsseldorf schon in dem südasiatischen Land. Angefangen hatte alles mit einem Job in der Schweizerischen Botschaft. Später war er unter anderem als UN-Berater, dann in der humanitären Hilfe tätig und unterstützte etwa beim verheerenden Erdbeben 2005 abgelegene Dörfer im Norden.

Claus Euler: Der Rheinländer führt seit acht Jahren eine Bäckerei in Islamabad

Mehrere Reisen führten ihn nach Südasien und schließlich 1979 erstmals nach Pakistan. Die Region habe ihn immer fasziniert. „Die kulturelle Vielfalt ist wahnsinnig“, sagt der 65-Jährige, der vor rund 20 Jahren eine Pakistanerin heiratete. „Die Leute sind sehr entgegenkommend und sehr gastfreundlich, egal wo man hingeht“. Zwar werde Pakistan oft mit Terror in Verbindung gebracht. Das Land sei aber deutlich ruhiger geworden. „Ich fühle mich hier sicher“, sagt Euler, der sich nur an wenige Momente erinnert, die bedrohlich wirkten.

Auch nach seinem Job ist der Rheinländer aktiv geblieben. Seit rund acht Jahren führt Euler eine kleine Bäckerei und verkauft seine Delikatessen auf einem bekannten Wochenmarkt in Islamabad. Euler backt unter anderem Brot nach deutschen Rezepten, sowohl westliche Ausländer als auch Pakistaner greifen zu.

Deutscher Bäcker in Islamabad: Wilhelm Busch ist sein Urgroßonkel

Was ursprünglich als Idee für den Ruhestand gedacht war, hält den 65-Jährigen gut auf Trab – denn die Nachfrage ist groß. „Max und Moritz German Bakery“ ist sein Markenname. Und Wilhelm Busch, der Autor der über 150 Jahre alten Bildergeschichte, ist Eulers Urgroßonkel. Die Charaktere und der Familienbezug hatten ihn schließlich zum Namen inspiriert.

„Ich backe immer nur so viel, wie ich sicher verkaufen kann“, sagt Euler. Dazu setzt er auf saisonale und lokale Produkte, viele Zutaten wachsen auf seinem Dachgarten. Ein Geschäft hat er nicht, auch wegen der hohen Ladenmieten. Trotzdem ein „Vollzeitjob“. Euler setzt auf Kooperationen mit lokalen Unternehmen und verkauft etwa handgefertigte Bratwürste oder Käsesorten, die sonst schwer zu bekommen sind. Qualität sei ihm wichtiger als der Umsatz. Jede Woche kommen dazu neue und kreative Kreationen.

Euler hat noch viele Pläne. Seine Ziele in Pakistan seien aber langsam erreicht, sagt der 65-Jährige. Trotzdem expandiert der leidenschaftliche Bäcker mit „Max und Moritz“ und verkauft jüngst auch im Diplomatenviertel der Hauptstadt seine Waren. Dennoch denkt auch Euler manchmal daran, eines Tages wieder zurückzukehren. „Ich muss keinem mehr etwas beweisen“.

Aber nicht für alle ist Pakistan so ein sicherer Ort, wie für Claus Euler. Das Land gehörte laut Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen auch 2020 zu den gefährlichsten für Journalisten. (dpa)

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