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Mehrere Königspythons in Gebüsch ausgesetzt: „Halte das für eine gezielte Aktion“

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Von: Benjamin Stroka

Eine Königspython.
Die dritte Königspython, die nun in der Reptilienauffangstation Aachen behandelt wird. © Hartmut Fehr

In Merzenich wurden innerhalb von einer Woche drei Königspythons an der gleichen Stelle ausgesetzt. Eine Schlange ist inzwischen gestorben. Was steckt dahinter?

Stolberg/Merzenich – Rätsel um ausgesetzte Schlangen im Kreis Düren: Innerhalb von einer Woche wurden insgesamt drei Königspythons zwischen Golzheim und Merzenich ausgesetzt. Alle Tiere waren in schlechtem Zustand, eine Schlange ist inzwischen verstorben. Hartmut Fehr von der nun für die Tiere zuständigen Reptilienauffangstation Aachen vermutet, dass ein und dieselbe Person die Königspythons ausgesetzt hat.

Merzenich: Drei Königspythons wurden im gleichen Gebiet gefunden

Die Polizei Düren teilte Anfang der Woche mit, dass ein Fußgänger am Samstag (31. Juli) einen Königspython in einem Gebüsch neben einem Radweg zwischen Golzheim und Merzenich entdeckt hatte und die Beamten informierte. Die Würgeschlange war offensichtlich einfach ausgesetzt worden. Die Polizei sprach nach Angaben der Feuerwehr sogar von insgesamt vier Schlangen, die an dieser Stelle ausgesetzt wurden. Diese Information stimmt aber wahrscheinlich nicht.

„Es gab etwas Verwirrung um die Anzahl der Königspythons, aber uns sind insgesamt drei Tiere bekannt. Von einer vierten wissen wir nichts“, erklärt Hartmut Fehr im Gespräch mit 24RHEIN. Der letzte Fund sei am 31. Juli gemacht worden, der erste Fund rund eine Woche zuvor. Alle drei Königspythons wurden also innerhalb weniger Tage mehr oder weniger an der gleichen Stelle gefunden.

„Ich gehe davon aus, dass dort jemand, vermutlich nachts, mit dem Auto hingefahren ist und alle paar Tage eine Schlange ausgesetzt hat. Der Fundort liegt nach unserer Kenntnis außerhalb des Siedlungsbereiches. Daher kann es sich nicht um Schlangen handeln, die irgendwo entwischt sind und dann dahin gekrochen sind. Ich halte das für eine gezielte Aktion“, sagt Fehr.

Königspythons in Merzenich: Eine Schlange ist zwei Tage nach dem Fund gestorben

Die erste Schlange sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen, wie Hartmut Fehr berichtet. „Sie war noch jung, sehr dünn und abgemagert. Nach zwei Tagen ist sie bei uns in der Reptilienauffangstation leider gestorben.“ Die anderen beiden Königspythons befinden sich weiterhin in der Station, wo sie nun schon seit Tagen behandelt werden.

Das Problem: „Sie sind krank und haben schwere bakterielle Atemwegsinfektionen.“ Der Experte hält es für möglich, dass die Schlangen bereits vor dem Aussetzen krank gewesen sind und der Halter „womöglich Tierarztkosten sparen wollte“. Die Tiere werden jetzt antibiotisch behandelt. „Es geht ihnen bereits ein Stück weit besser, und ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir sie erfolgreich behandeln können.“

Auf Facebook hat die Reptilienauffangstation am Anfang der Woche die Userinnen und User in dem rätselhaften Fall um die drei ausgesetzten Königspythons um Mithilfe gebeten. Falls jemand etwas gesehen habe, solle die Person sich melden. Das ist bislang leider nicht passiert, wie Hartmut Fehr sagt und ergänzt: „Aber wenn nachts jemand an einer abgelegenen Stelle Schlangen aussetzt, bekommt das höchstwahrscheinlich auch niemand mit.“

Er geht davon aus, dass die drei Schlangen alle von derselben Person ausgesetzt wurden. „Alle Fakten sprechen dafür“, betont Fehr. Allerdings gestalte sich die Nachverfolgung extrem schwierig. „Königspythons sind Würgeschlangen. Bei ihnen gibt es, anders als bei Giftschlangen, keine Meldepflicht. Der Halter benötigt nur einen Herkunftsnachweis.“ Auch die Polizei Düren ermittelt momentan nicht weiter. „Es gibt keinen richtigen Ansatz für Ermittlungen und es liegen auch keine Anzeigen vor“, bestätigt eine Polizeisprecherin auf 24RHEIN-Nachfrage.

Der Königspython
Lebenserwartung20 bis 30 Jahre
Größe80 cm bis 1,60 Meter (vereinzelt über 2 Meter)
GewichtZwischen 1 und 3 Kilogramm
GattungEigentliche Pythons (Python)
FamiliePythons (Pythonidae)

Königspython: „Bei kühleren Temperaturen überleben sie auf Dauer nicht“

Eine Gefahr für Menschen oder Haustiere ging von den drei Königspythons aber nicht aus. „Bei den derzeitigen Nachttemperaturen sind Reptilien als wechselwarme Tiere sehr inaktiv und können sich kaum bewegen. Natürlich sollte man bei jeder Schlange vorsichtig sein und sie nicht leichtfertig anfassen. Aber diese drei Königspythons im Speziellen sind sehr friedliche Tiere“, so Hartmut Fehr. Solange eine solche Schlange nicht in die Ecke gedrängt werde, passiere in der Regel nichts. „Aber wenn man beispielsweise auf sie drauf tritt, dann wird sie sich wehren, wie die meisten anderen Tiere auch.“

Eine Gefahr bestand also in erster Linie für die drei Königspythons selbst, erklärt der Experte. „Der Königspython stammt aus den Tropen in West- und Zentralafrika. Wenn sie jemand hier in einem Terrarium hält, dann sind darin mindestens 28 Grad, lokal unter Spots sogar bis zu 40 Grad. Bei kühleren Temperaturen überleben sie auf Dauer nicht.“ Manche Königspythons könnten auch mal mehrere Wochen oder Monate ausgesetzt im Freien überleben, „aber spätestens zum Winterhalbjahr werden die Tiere verenden“.

Reptilienauffangstation Aachen: „Wer um sein Tier bemüht ist, bekommt bei uns Hilfe“

Wie sollten sich nun Menschen verhalten, die ihre Reptilien nicht mehr haben möchten oder sich, vielleicht auch aus finanziellen Gründen, nicht mehr gut genug um sie kümmern können? Aussetzen ist definitiv die schlechteste Methode und „absolut inakzeptabel“, stellt Hartmut Fehr sofort klar. Die Reptilienauffangstation Aachen nimmt in den meisten Fällen Tiere von Behörden auf, die beschlagnahmt, eingezogen oder aufgefunden wurden. Aber auch Privatpersonen können ihre Reptilien dort direkt abgeben.

„Das kostet dann eine Pauschale, die immer im Einzelfall ermittelt wird. Wenn es sich jemand finanziell nicht leisten kann, dann sind wir aber bereit, über alles zu reden, auch die Abgabegebühren. Wir bekommen auch Spendengelder, von denen wir in besonderen Härtefällen etwas nehmen können, um jemandem zu helfen. Wer wirklich um sein Tier bemüht ist, der bekommt bei uns Hilfe“, betont Fehr. Bleibt zu hoffen, dass keine weiteren Tiere in Merzenich ausgesetzt werden und sich die beiden Königspythons in Behandlung gut erholen. (bs) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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