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Tierarzt muss Katzenbaby beide Augen entfernen – Schnupfen blieb zu lange unbehandelt

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Von: Maximilian Gang

Die Babykatze Lilibet kam schwerkrank in das Tierheim in Moers
Der Zustand der jungen Katze Lilibet war bei ihrer Ankunft im Moerser Tierheim sehr kritisch. © Tierheim Moers

Ende Oktober wurde eine Babykatze im Tierheim in Moers abgegeben. Weil sie bereits so stark erkrankt war, mussten die Tierärzte drastische Maßnahmen ergreifen.

Moers – Als ein Finder ein drei Monate altes Kitten am 30. Oktober 2022 in das Tierheim in Moers in Nordrhein-Westfalen brachte, war schnelles Handeln gefragt. Das Tier befand sich bei seiner Ankunft bereits in einem sehr schlechten Zustand. Die Mitarbeiter des Tierheims brachten die Katze am nächsten Morgen in eine Tierklinik, um das Schlimmste noch zu verhindern. Und trotzdem: Der jungen Katze mussten die Augen entfernt werden, wie das Tierheim auf Facebook berichtet.

Moers: Katzenbaby war bei Ankunft in schlimmem Zustand

Die Katze habe einen „ausgemergelten Körper“ und „hochgradig entzündete Augen“ gehabt, als sie in die Obhut des Tierheims kam, wie ihre Pfleger berichten. Deshalb habe Lilibet – wie das Kitten nun heißt – ganze zwölf Tage in der Tierklinik verbringen müssen. Doch warum? „Eigentlich hatte sie vermutlich nur einen Schnupfen“, heißt es im Facebook-Post. Zu lange wurde im Vorfeld nichts gegen die Erkrankung der „verschmusten und menschenbezogenen“ Babykatze getan. „Am Ende war sie bis auf die Knochen abgemagert, dehydriert, bekam keine Luft mehr“, so das Heim.

Und auch die weitere Beschreibung des verheerenden Zustands von Lilibet klingt schrecklich: „Aus den Augen lief so viel Eiter, dass wir zunächst gar nicht sagen konnten, ob nicht das Auge selber schon auslief“, heißt es im Post. Weil die Katze so schwach gewesen war, waren zudem auch die vielen Flöhe bereits eine Gefahr für Lilibet. „Ein Katzenschnupfen ist natürlich nicht schön, endet jedoch nicht in einem solchen erbarmungswürdigen Zustand, wenn er rechtzeitig tierärztlich behandelt wird“, wie das Tierheim erklärt.

Katzenbaby in Moers: „Auf den Tod als Erlösung gewartet, und lange hätte sie nicht mehr warten müssen“

Weil es jedoch zu lange nicht behandelt wurde, habe „es zu einem kleinen Kätzchen geführt, das am Straßenrand saß, Schmerzen hatte und auf den Tod als Erlösung gewartet hat ... und lange hätte sie nicht mehr warten müssen“, lautet die traurige Analyse der Pfleger. Die Sorge war bei den Mitarbeitern des Tierheims sehr groß: „Wir haben einige Tage gebangt und waren froh, wenn wir nichts aus der Tierklinik gehört haben, denn so kam auch keine schlechte Nachricht zu uns“. Die lange Leidensphase hat dabei bleibende Schäden hinterlassen: Mehrere Augenuntersuchungen hatten ergeben, dass ihre Augen nicht mehr zu retten waren. „So mussten ihr beide Augen entfernt werden“, schreiben die Tierpfleger.

Mitarbeiter des Tierheims nehmen Halter in die Pflicht

Doch nach dieser Tortur scheint jetzt Besserung einzutreten, die junge Katze konnte bereits zum Tierheim zurückkehren: „Sie frisst gut, erholt sich und muss sich natürlich an ihr neues Leben ganz ohne Augen gewöhnen“. Nun steht das Moerser Tierheim allerdings vor der nächsten Herausforderung: Im Tierheim befindet es sich bereits eine weitere Katze, die schwer erkrankt war und der ein Auge entfernt werden musste. Und beide eint jetzt der Umstand, „dass nun wir die Verantwortung für diese jungen Leben und auch die Tierarztkosten tragen“, schreiben die Pfleger auf Facebook.

Der Babykatze Lilibet aus dem Tierheim in Moers mussten die Augen entfernt werden.
Das Leben ohne Augen ist für Lilibet noch ungewöhnlich. © Tierheim Moers

Dies sei gerade in diesen Zeiten nicht problemlos: „Auch für uns steigen derzeit alle Kosten ... über Energie, Futtermittel und Tierarzt“. Dies sei aber kein Grund, sein Pflichtbewusstsein über Bord zu werfen, so das Tierheim. Jedoch sehen sie die Verantwortung nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei den Haltern von Haustieren: „Verantwortung heißt, Freigänger kastrieren zu lassen, nicht zu vermehren und für seine Tiere zu sorgen. Wer das nicht kann oder will, sollte keine Tiere halten“, so das Fazit des Tierheims.

Immer wieder appellieren Tierheime an die Vernunft von möglichen Besitzern, wie zuletzt in Bocholt: „Überlegt es Euch bitte gründlich, ein Tier anzuschaffen“. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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