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Münster: Verurteilter Mörder auf freiem Fuß – so will die Polizei ihn im Auge behalten

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Der mittlerweile verurteilte Mörder aus Münster im August 2020 beim Gerichtsprozess
Der mittlerweile verurteilte Mörder aus Münster im August 2020 beim Gerichtsprozess. © Bernd Thissen/dpa

Weil er zu lange in U-Haft saß, darf ein mittlerweile verurteilter Mörder aus Münster auf freiem Fuß bleiben, bis es ein rechtskräftiges Urteil gibt. Völlig frei wird er nach dem Willen der Polizei aber nicht sein.

Münster/Dortmund – Das Amtsgericht Münster hat für einen auf freiem Fuß befindlichen verurteilten Mörder das Tragen einer elektronischen Fußfessel angeordnet. Das teilte das Gericht am Mittwoch mit. Nach einem Urteil des Landgerichts Dortmund hatte die Polizei Münster diesen Schritt zur Überwachung bereits Ende März beantragt. Damals gab es aber Probleme, weil der Verurteilte aus Münster nicht auffindbar war.

Laut des Nachrichtenportals msl24.de hatte ein Rechtsanwalt der Polizei Münster vorgeworfen, dem Polizeipräsidium eine veraltete Adresse von Ralf H. angegeben* zu haben, weswegen die Ladung zur Beantragung der Fußfessel bei dem Verurteilten nie angekommen sei. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück, gab an den Verurteilten an drei verschiedenen Adressen aufgesucht zu haben.

Verurteilter Mörder aus Münster muss vorerst nicht in Haft: Fußfessel zur Überwachung

Der verurteilte Ralf H. war am 25. Januar, 27 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der damals 16-Jährigen Denise S., zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Demnach ist er schuldig, im Oktober 1993 die Schülerin auf dem Heimweg verfolgt und erwürgt zu haben. Der Fall wurde auch in der Sendung „Aktenzeichen XY“ im ZDF behandelt.

Weil die Justiz keine Fluchtgefahr sah und das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, blieb er nach dem Schuldspruch frei. Gegen die Entscheidung des Landgerichts Dortmund hat der Mann Revision durch den Bundesgerichtshof eingelegt.

Der 56-jährige Deutsche war 2018 nach einer Neuauswertung von DNA-Spuren festgenommen worden. Dabei geht es um eine Hautschuppe, die auf der Leiche des Mädchens sichergestellt worden war. Nach Erkenntnissen der Dortmunder Staatsanwaltschaft stammt sie vom Angeklagten. Er selbst hat im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht mehrfach seine Unschuld beteuert.

Untersuchungshaft dauert zu lang: Angeklagter aus Münster wird aus Haft entlassen

Der Angeklagte war im Juli 2020 aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil das Strafverfahren nach Ende des ersten Prozesses nicht zeitnah wieder begonnen hatte. Grund dafür war die Erkrankung einer Richterin.

Das Oberlandesgericht in Hamm sah in seiner langen Untersuchungshaft einen Verstoß gegen das Beschleunigungsgebot in Haftsachen. Es hat daraufhin angeordnet, dass der Deutsche mit Wohnsitz in Münster auf freiem Fuß bleiben muss, bis ein rechtstkräftiges Urteil gegen ihn vorliegt. Zuletzt hatte das Oberlandesgericht diese Auffassung Ende Februar erneut bestätigt. (dpa/lys) *msl24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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