1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Klimaaktivisten setzen Fake-Notrufe ab – „an Unanständigkeit kaum zu überbieten“

Erstellt:

Mehrere vermeintliche Notrufe haben am Dienstag die Polizei in Essen auf Trab gehalten. Doch es handelte sich um Fake-Notrufe von Klimaaktivisten.

Essen – Eine blutüberströmte Person, ein Gasaustritt und ein Einbruch mit bewaffneten Tätern. Die Polizei in Essen (NRW) wurde am Dienstagabend mehrfach zu angeblichen Notfällen gerufen. Danach stellte sich heraus: Es handelte sich um Fake-Notrufe, die von Klimaaktivisten abgesetzt wurden. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Polizeiauto mit Blaulicht und Klimaaktivisten auf einer Straße (Montage).
Polizei und Feuerwehr hatten mehrfach Einsatzkräfte zu den angeblichen Notfällen versendet (Symbolbilder/IDZRW-Montage). © Tim Oelbermann/Imago & onw-images/Imago

Essen: Klimaaktivisten nutzen Notruf-App für Fake-Notrufe

Wie die Polizei Essen mitteilt, wurden die Notrufe am Dienstagabend über die Notruf-App Nora abgesetzt. Gegen 20 Uhr ging zunächst ein angeblicher Notruf ein, in dem von einem Gasaustritt in einem Wohnhaus und einer blutüberströmten Person in einer Straße im Essener Stadtteil Frintrop die Rede war. Feuerwehr und Polizei rückten aus. „Am Einsatzort trafen die Beamten jedoch weder auf einen Verletzten, noch konnte ein Gasaustritt festgestellt werden“, berichtet die Polizei.

Dafür erreichte die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei eine weitere Nachricht über die Chatfunktion in der Notruf-App. Dort stand laut Polizeiangaben: „Ihr dachtet, es wäre ein Notfall, doch der wahre Notfall – die drohende Klimakatastrophe – durch die Millionen von Menschen sterben werden, wird von unseren Politikern konsequent ignoriert. Wir werden diese Form des Protests fortsetzen, bis unsere Bundesregierung effektive Gesetze erlässt, um die Klimakatastrophe zu verhindern.“

NRW-Innenminister Herbert Reul zeigte sich fassungslos über die Aktion. „Das ist an Unanständigkeit kaum zu überbieten und zeigt, wo es hinführt, wenn Leute glauben, ihr Anliegen stünde über allem und jedem“, sagte Reul (CDU) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Fake-Notrufe von Klimaaktivisten: Staatsschutz ermittelt

Auch in den weiteren Abendstunden gab es Fake-Notrufe in Essen. Einmal wurde ein vermeintlicher Einbruch mit bewaffneten Tätern gemeldet. In einem anderen Fall ging es erneut um einen angeblichen Gasaustritt. „In allen Fällen wurde eine Vielzahl an Rettungskräften zu den jeweiligen Einsatzorten entsandt. Diese standen für diese Zeit nicht für mögliche andere Einsatzlagen zur Verfügung“, betont die Polizei.

Die Ermittlungen in den Fällen hat nun der Staatsschutz aufgenommen. Denn: Der Missbrauch der Notruf-App ist Nora ist genauso strafbar, wie der telefonische über die Notrufnummern 110 und 112. Ersten Erkenntnissen zufolge könnte eine Gruppe von Klimaaktivisten aus Süddeutschland dafür verantwortlich sein. Nähere Details dazu nannte die Polizei noch nicht.

Fake-Notrufe von Klimaaktivisten – war es die „Letzte Generation“?

Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur war das Bekennerschreiben mit „Letzte Generation“ unterzeichnet. Eine Sprecherin der Klima-Aktivisten betonte jedoch auf dpa-Anfrage, dass dies keine abgesprochene Aktion gewesen sei. Man distanziere sich von der „gewaltvollen Sprache“. Gleichzeitig erkenne man, dass es immer mehr Menschen gebe, die im Namen der Gruppierung für deren Ziele eintreten wollten.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Protestaktionen von Klimaaktivisten in Deutschland massiv zugenommen. Häufig werden Straßen blockiert, wie Ende November beispielsweise in Köln. Aber auch der Berliner Flughafen war schon Ziel der Aktivisten. (bs/ots) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Hinweis: Dieser Text wurde zuletzt am 21. Dezember um 18:37 Uhr aktualisiert. Neuerung: Stellungnahmen von NRW-Innenminister Reul und der „Letzten Generation“ ergänzt.

Auch interessant