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Was ist die „No-Covid“-Strategie? Wissenschaftler erklären Vorschlag

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Von: Lydia Mayer

In einem geschlossenen Geschäft hängt ein Hinweis, dass ein Zutritt nur mit Maske möglich ist.
Wie kann die Ausbreitung des Coronavirus eingeschränkt werden? Eine Idee: Die „No-Covid“-Strategie. © Ralph Peters/IMAGO

Die „No-Covid“-Initiative will mit einem Zonenkonzept coronafreie Gebiete abschotten. Kölns Oberbürgermeisterin hat sich für eine No-Covid-Strategie ausgesprochen.

München/Köln – Die „No Covid“-Initiative von 14 Wissenschaftlern hat ihren Plan für coronafreie „grüne Zonen“ in Europa vorgestellt. Die Initiative schlägt in ihrem am 10. Februar veröffentlichten Papier vor, Beschränkungen des Alltagslebens dort örtlich aufzuheben, wo es 14 Tage lang keine Neuinfektionen gegeben hat, deren Infektionskette nicht nachvollziehbar ist.

Die Gruppe europäischer Wissenschaftler, die die No-Covid-Strategie unterstützt, will eine europaweite Inzidenz von unter 10 auf 100.000 Einwohner pro Woche erreichen. Zahlreiche Städte in NRW sind von diesem Wert noch weit entfernt, auch Köln. So ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Köln wieder gestiegen und liegt derzeit bei 69,5.

„No-Covid“-Initiative will auf „grüne“ und rote Zonen“ setzen beim Kampf gegen das Coronavirus

Die „grünen Zonen“, die der „No Covid“-Initiative vorschweben, sollen durch drastische Reisebeschränkungen geschützt werden. Menschen, die aus „roten Zonen“ mit lokalen Infektionen außerhalb von Quarantäne oder Isolation kommen, sollen „grüne Zonen“ nicht besuchen dürfen. Die der Corona-Einschränkungen müden Bürger – aktuell gelten diese Corona-Regeln in NRW – sollen durch die Aussicht auf „grüne Zonen“ motiviert werden, sich an die Regeln zu halten. Pendler zwischen „grünen“ und „roten Zonen“ und ihre Arbeitgeber sollen besonderen Kontrollen und Auflagen unterliegen.

No-Covid-Strategie hält umfassendere Corona-Tests für erforderlich

Beteiligt an der Initiative sind Forscher aus mehreren Disziplinen von Medizin über Pädagogik bis Volkswirtschaft. Zu den Autorinnen und Autoren zählen unter anderem die Virologin Melanie Brinkmann und der Physiker Michael Meyer-Herrmann vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, sowie die Ökonomen Clemens Fuest und Andreas Peichl vom Münchner ifo-Institut.

Außerdem schlagen die Wissenschaftler eine paneuropäische „No Covid“-Partnerschaft, um das Zonenmodell über Ländergrenzen hinaus umsetzen zu können. Das könnte nach Einschätzung der Wissenschaftler auch gelingen, sofern sich genügend gleichgesinnte Kommunen finden. Weiterer Teil des Konzepts ist eine umfassende Teststrategie mit besserer und schnellerer Kontaktnachverfolgung als bisher – inklusive der Isolation von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen.

Homeoffice ist bei „No-Covid“ eine sinnvolle Option

Die No-Covid-Initiative plädiert auch dafür, Unternehmen möglichst flächendeckend und umfassend zur Arbeit im Homeoffice anzuhalten, aber ohne dies zur Pflicht zu machen. Unternehmen sollen außerdem ihre Hygienekonzepte an die Standards in der Medizin anpassen. Sofern Verschärfungen des Lockdowns notwendig werden sollten, soll die Industrie so lange wie möglich weiter produzieren dürfen.

Grundlegend sehen die Verfechter der No-Covid-Strategie aber keinen Widerspruch zwischen einer gut laufenden Wirtschaft und dem Gesundheitsschutz – vorausgesetzt die Maßnahmen sind entsprechend konsequent und angepasst.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker für „No-Covid“-Strategie

Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich Anfang der Woche für eine No-Covid-Strategie ausgesprochen und damit für Aufsehen gesorgt. Die Oberbürgermeisterin von Köln ist der Ansicht, dass bisherige Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nicht den erwünschten Erfolg bringen. Aktuell steigen die Inzidenzwerte in Köln wieder an. Zudem verbreiten sich die Coronavirus-Mutationen in NRW zunehmend. Anfang der Woche wurde bekannt, dass NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) mit der britischen Variante des Virus infiziert ist.

Der Vorstoß von der Kölner Oberbürgermeisterin brachte ihr auch Kritik von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens ein. „Diskussionen über ständig neue, noch tiefere Inzidenzwerte schwächen die Akzeptanz und gerade jetzt ist Verlässlichkeit wichtig“, sagte ein Regierungssprecher dem Kölner Stadtanzeiger. (dpa/lys)

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