Luftwaffen-Standort in NRW

Bundeswehr verlegt Tornado-Kampfjets nach Nörvenich – trotz Widerstand

Ein Bundeswehr-Aufklärungsflugzeug vom Typ Tornado startet vom Fliegerhorst Büchel (Kreis Cochem-Zell) in der Eifel.
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Am Luftwaffen-Standort Nörvenich sind zukünftig neben Eurofighter auch Tornado-Kampfjets stationiert.
  • Oliver Schmitz
    VonOliver Schmitz
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In Nordrhein-Westfalen sind bald mehr Kampfjets der Bundeswehr stationiert. Ab Sommer 2022 wird die Luftwaffe Tornado-Jets nach Nörvenich verlegen. Trotz Beschwerden.

Nörvenich – Im Zuge des Ukraine-Kriegs werden bei der Bundeswehr immer mehr Einheiten verlegt. Dazu gehören auch einige Flugzeuge der Luftwaffe. Im Sommer 2022 ist davon auch Nordrhein-Westfalen direkt betroffen. Dann sollen Tornado-Kampfjets den Standort am Fliegerhorst Nörvenich verstärken. Und das, obwohl sich viele Anwohner gegen diesen Schritt gewehrt hatten.

Fliegerhorst Nörvenich
Adresse/StandortFliegerhorst, 52388 Nörvenich
Eröffnung1954
BetreiberLuftwaffe (Bundeswehr)
Beschäftigte450 Zivil, 1850 Soldaten

Bundeswehr NRW: Tornado-Jets ab Juni 2022 am Fliegerhorst Nörvenich – Problem Fluglärm?

Nörvenich im Kreis Düren ist bereits jetzt einer der wichtigsten Bundeswehr-Standorte in NRW und wird bald noch relevanter werden. Ab Juni 2022 wird die Luftwaffe insgesamt 25 Tornado-Kampfjets an den Fliegerhorst verlegen. Diese kommen mitsamt Mitarbeitern vom Standort Büchel in der Eifel in Rheinland-Pfalz. Die Verlegung ist zwar vorerst auf vier Jahre bis 2026 begrenzt, jedoch kann der Einsatz danach nochmal verlängert werden.

Das ist der Tornado-Jet

Der „Panavia 200 (PA-200) Tornado“ ist ein zweisitziges, allwetterfähiges Kampfflugzeug. Es ist mit zwei Strahltriebwerken sowie Schwenkflügeln ausgerüstet und ist für mehrere Zwecke einsetzbar. Der Kampfjet wurde gemeinsam von Deutschland, dem Vereinigten Königreich (UK) und Italien entworfen und gebaut. Deutschland, Italien und Saudi-Arabien nutzen den Kampfjet in unterschiedlichen Rollen. 

Erstflug: 14. August 1974

Indienststellung: 1980

Produktionszeit: 1979 bis 1998

Stückzahl: 992

In den umliegenden Gemeinden wie Düren, Kerpen oder Erftstadt (Rhein-Erft-Kreis) hatte sich gegen die Stationierung schnell Widerstand geregt. Dieser bündelte sich in der Friedensbewegung „FriedensForum“, die neben einer Kampagne auch einen Protesttag und Demonstrationen gegen die Tornado-Verlegung organisiert hatte. Neben der möglichen atomaren Bewaffnung der Kampfjets und ihre Einbindung in NATO-Manöver ist der Hauptkritikpunkt die erwartete erhöhte Lärmbelästigung.

Doch das half alles nichts. Die Bundeswehr hielt an dem Vorhaben fest, kam der Bevölkerung aber im letzten Punkt entgegen. Laut Angaben von Radio Erft hat die Luftwaffe diverse Möglichkeiten geprüft, die Tornados flexibel auf andere Flugplätze zu verlegen. Letztlich kam man zu dem Ergebnis, in Nörvenich zu bleiben. Der Fluglärm durch die Tornados dort kann um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Zudem hätte man die An- und Abflüge in niedriger Höhe unter Lärmschutzbedingungen angepasst.

Luftwaffe in Nörvenich: Kampfjet-Sichtungen über NRW – so viele Tornados hat die Bundeswehr

Am Fliegerhorst Nörvenich befindet sich die Heimat des Taktischen Luftwaffengeschwader 31 („Boelcke“) der Luftwaffe, welche vor allem mit Eurofightern ausgestattet ist. Erst vor kurzem wurde vermehrt Flüge der Kampfjets über NRW gesichtet. In Zukunft wird der Luftwaffen-Verkehr im Rheinland mit der Tornado-Verlegung aber wohl noch zunehmen. Der Bundeswehr-Standort in Nörvenich ist direkt dem Luftwaffentruppenkommando in Köln-Wahn unterstellt, welches sich direkt am militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn.

Insgesamt wurden 357 Tornado-Jets an die Bundeswehr ausgeliefert. Aktuell besitzt die Luftwaffe noch 93 Stück des Kampfflugzeugs. Insgesamt gibt es drei verschiedene Modelle des Tornados: die IDS-, die ECR- und die Reccelite-Version.

Technische Daten des Tornado-Kampfjets
Länge17,23 Meter
Höhe5,95 Meter
Leergewicht14 Tonnen
Startgewicht 28,5 Tonnen
Triebwerk2x Turbo-Union, RB199-34R
Max. Trockenschub41.000 Newton
Nachbrennerschub69.000 Newton
Geschwindigkeit (im Tiefflug)bis Mach 1,3 (ca. 1593 km/h)
Geringste Flughöhe30 Meter

Trotz der Verlegung hat der Tornado keine große Zukunft mehr. Bis zum Jahr 2030 sollen alle noch vorhandenen Modelle des Kampfjets ausgetauscht werden. Erst am Montag (14. März) hatte die Bundesregierung bekannt gegeben, die Tornado-Flotte durch neue F-35 Tarnkappenjets ersetzen zu wollen. (os) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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