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NRW will Cold Cases lösen – und sucht pensionierte Ermittler

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Von: Oliver Schmitz

Akten sind in einem Archiv abgelegt.
NRW will ungelöste Fälle neu aufrollen – und sucht dafür pensionierte Ermittler. (Symbolbild) © MEV/Imago

Hunderte Kriminalfälle in Nordrhein-Westfalen sind seit Jahrzehnten ungelöst. Das soll sich ändern: Gesucht werden Spezialisten, die Cold Cases neu angehen.

Köln – Immer wieder gibt es Kriminalfälle, bei denen der Täter einfach nicht gefunden werden kann und somit ungelöst bleiben. Sobald diese dann zu den Akten gelegt werden, werden aus ihnen sogenannte „Cold Cases“. Genau diese möchte das Land Nordrhein-Westfalen nun wieder aktiv angehen – und das mit der Unterstützung von pensionierten Polizei-Ermittlern. „Wir suchen Leute mit einer immer noch guten Spürnase, die Lust haben, jeden Stein nochmal umzudrehen, um die Täter zu kriegen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul am Freitag bei der Pressekonferenz in Düsseldorf.

Cold Cases: Pensionierte Ermittler sollen helfen

Bei dem „Cold Case“-Vorhaben der NRW-Polizei handelt es sich um ein besonderes Projekt, welches erstmal auf ein Jahr ausgelegt ist. Dieses sei einmalig im deutschsprachigen Raum, sagte der Direktor des Landeskriminalamts (LKA), Ingo Wünsch. Um zumindest einige der rund 1160 ungelösten Fälle seit 1970 bestmöglich anzugehen, sollen insgesamt 28 neue Stellen geschaffen werden. Auf diese können sich nun ehemaligen Ermittler bewerben, die Erfahrung mit Tatortarbeit, Aktenführung oder der Leitung von Mordkommissionen haben, heißt es in der Pressemitteilung.

Laut Reul sei es kein Geheimnis, „dass Cold Cases neben dem Tagesgeschäft bearbeitet werden müssen“. Deshalb fehlt oft die Zeit diese wirklich nochmal richtig aufzurollen. Genau dafür sollen sich dann bald die Ex-Polizisten intensiv kümmern. „Wir suchen Leute mit einer immer noch guten Spürnase, die Lust haben, jeden Stein nochmal umzudrehen, um die Täter zu kriegen“, ergänzte der NRW-Innenminister.

Neben der Ermittlungs-Arbeit kommt vor allem noch eine weitere Aufgabe auf das neue „Cold Case“-Team zu: der weitere Aufbau der Datenbank für ungeklärte Tötungsdelikte in NRW. Dieses Projekt des LKA ist bereits seit 2017 im Gange. Darin sollen alle „Cold Cases“ der letzten fünfzig Jahre aufgenommen werden. Bislang umfasst die Datenbank 261 Fälle, von denen 23 neu aufgerollt wurden.

Kriminalfälle in NRW: „Cold Case“-Team einzigartig in Deutschland

Neben den neuen alten Polizisten werden der neuen Organisation auch noch weitere LKA-Ermittler sowie Ermittler aus den Kreispolizeibehörden angehören. Diese „Cold Case“-Taskforce soll die generelle Aufarbeitung der ungelösten Kriminalfälle „systematisieren, verbessern und beschleunigen“. Laut Reul sei NRW damit das erste und einzige Land, welches Cold Cases so gezielt wie strukturiert angeht.

Bereits ab Oktober sollen die pensionierten Ermittler mit ihrer Arbeit loslegen. Neben der Digitalisierung der Akten kümmern sie sich ab dann konkret darum potenziell lösbare Fälle herauszusuchen und Ermittlungskonzepte für diese zu erstellen. Sollte sich dadurch konkrete Ansätze ergeben, werden die aktiven Ermittlungen zu den Cold Cases aber an die lokal zuständige Kriminalpolizei übergeben.

Zwar finden Cold Cases im Alltag der Polizei oft zu wenig Platz, jedoch beschäftigen sich beispielsweise die Fernseh-Sendung Aktenzeichen XY sehr regelmäßig mit diesen. So unter anderem auch in der letzten Sendung vom 12. Juli: Eine junge Mutter wurde 1997 nach einem Disco-Besuch tot in ihrer Wohnung gefunden. (os) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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