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NRW: Zwei Tote nach Astrazeneca-Impfung – Land stoppt Impfungen für unter 60-Jährige

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Im Fokus: der Corona-Impfstoff von Astrazeneca.
Nach der Impfung mit Astrazeneca sind in NRW zwei Menschen gestorben. © IMAGO / Martin Wagner

Nach zwei Todesfällen in NRW nach Astrazeneca-Impfungen hat das Land die Impfungen für alle unter 60-Jährigen vorerst gestoppt.

Bei drei Menschen in NRW ist es in den vergangenen zehn Tagen nach Impfungen mit Astrazeneca zu Impfkomplikationen und Thrombosen der Hirnvene gekommen. In zwei Fällen endete das tödlich.

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hat deshalb nun einen sofortigen Impfstopp für den Wirkstoff von Astrazeneca für Männer und Frauen unter 60 Jahren erlassen. Das sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presseagentur.

Bereits Mitte März hatte das Bundesgesundheitsministerium Impfungen mit Astrazeneca gestoppt, nachdem es bundesweit mehrere Fälle von Hirnvenenthrombosen und Todesfällen nach der Impfung gab. Die Europäische Arzneimittelagentur stufte den Impfstoff aber weiterhin als sicher ein und die Impfungen mit Astrazeneca wurden auch in NRW wieder aufgenommen.

Nach Impfung mit Astrazeneca: Todesfälle in Essen und Euskirchen

Erstmeldung vom 30. März, 15:06 Uhr: Düsseldorf – In NRW sind zwei Menschen kurz nach der Corona-Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca gestorben. Der Fall im Kreis Euskirchen ist am Samstag bekannt geworden. Eine 47-Jährige ist dort kurz nach der Astrazeneca-Impfung an einer Thrombose im Gehirn gestorben.

In Essen ist es infolge einer Impfung mit Astrazeneca ebenfalls zu einem Todesfall gekommen. Wie das Uniklinikum Essen auf seiner Webseite informiert, ist am 24. März ein 36-jähriger Patient nach einer Thrombose gestorben. Das Klinikum hält laut der Mitteilung einen Zusammenhang mit der vorausgegangenen Covid-19-Impfung mit Astrazeneca für möglich.

In Euskirchen gab es noch einen weiteren Fall von Impfkomplikationen. Eine 28 Jahre alte Frau war nach der Impfung im Kreis Euskirchen an einer Sinusvenen-Thrombose im Hirn erkrankt. Sie befindet sich nach Angaben des Kreises „in einem stabilen Zustand und wird in einer Spezialklinik versorgt“. Laut Kreis wohne die 28-Jährige in Bonn, arbeite aber im Kreisgebiet und wurde deshalb dort geimpft.

Todesfälle nach Astrazeneca-Impfungen in NRW: Unikliniken fordern Impfstopp für junge Frauen

Der Kreis Euskirchen hat nach dem Bekanntwerden der beiden Fälle von Impfkomplikationen am Sonntag entschieden, dass mit sofortiger Wirkung der Impfstoff Astrazeneca nicht mehr an Frauen verimpft wird, die jünger als 55 sind. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Sonntag hervor. Auch am Dienstag werden nur über 55-Jährige mit Astrazeneca geimpft, wie ein Sprecher des Kreises informierte.

Mit Blick auf die Vorfälle haben sich Leiter von fünf der sechs Uni-Kliniken in Nordrhein-Westfalen in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und Landesgesundheitsminister für den vorläufigen Stopp von Impfungen jüngerer Frauen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca ausgesprochen. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

„Zusammenfassend muss man feststellen, dass am Beispiel der Gruppe der 20- bis 29-jährigen Frauen nach jetzigem Erkenntnisstand ein äußerst ungünstiges Nutzen/Risiko-Profil für den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffes vorliegt“, so die Uniklinik-Chefs in ihrem Brief. 

Die Uni-Klinik Köln empfiehlt unterdessen ihren weiblichen Angestellten unter 55 Jahren im Impfberatungsgespräch, „zumeist keine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff“, so ein Sprecher. Er bestätigte einen Bericht der „Bild“-Zeitung.

Zwei Tote nach Astrazeneca-Impfung in NRW: Impfkommission berät

Das Landesgesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen erklärte zur Aussetzung der Impfung für die Personengruppe im Kreis, es handele sich „um eine medizinische Entscheidung, die vorsorglich vor Ort getroffen worden ist“. Alle Daten zu möglichen Nebenwirkungen bei Impfstoffen liefen beim Paul-Ehrlich-Institut und dem Robert Koch-Institut zusammen.

Nach Informationen des Ministeriums berate die Ständige Impfkommission derzeit, „ob aufgrund der Meldungen der vergangenen 10 Tage, eine erneute Anpassung der Impfempfehlung erforderlich ist“.

Die Vorfälle überschatten die Nachricht, dass Köln doch schon im April weitere Impfdosen von Astrazeneca geliefert bekommt. (dpa/lys)

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