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NRW: Cafés in Soest und Lippstadt öffnen wieder – „ein Stück Normalität“

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Zwei Damen sitzen vor dem Restaurant „Lamäng“ in Soest und bekommen einen Kaffee zum Tisch gebracht.
In Soest ist es nun wieder möglich, seinen Kaffee bei geöffneter Außengastronomie zu genießen. © Bernd Thissen/dpa

Seit November hatten Restaurants und Cafés in NRW geschlossen – als Teil eines Modellprojektes dürfen seit Mittwoch die ersten Gastronomen in Soest und Lippstadt wieder öffnen.

Köln - Mehr als sechs Monate ist es her, seit dies zum letzten Mal möglich war: Einen Milchkaffee und ein großes Frühstück für Zwei bestellen. Zur Feier des Tages kommt die Mahlzeit mit zwei Gläsern Prosecco. „Auf ein neues Leben“, sagt Gerlinde Kirschner und stößt mit ihrer Schwester Margit Husemann an. „Das wurde jetzt aber auch Zeit“, sagt diese und lacht.

Die beiden gehören an diesem noch kühlen aber durchaus ein wenig Sonne versprechenden Mittwoch zu den allerersten, die an den Tischen vor der soeben geöffneten Soester Brasserie „Lamäng Platz nehmen - getestet und gut gelaunt. In Soests Altstadtkern und im nicht weit entfernt gelegenen Lippstadt wird seit diesem Morgen im Wege eines Modellversuchs erkundet, wie das klappen kann, mit der Gastronomie-Öffnung in der Pandemie.

Coronavirus in NRW: Inzidenz in 15 von 53 Kreisen unter 100

Wenig später wird NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in Düsseldorf verkünden, dass dies nur der Anfang ist: Ab kommenden Samstag (15. Mai) sollen überall dort wieder eingeschränkte Öffnungen möglich sein, wo die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf Werktagen unter 100 liegt. Aktuell trifft das auf 15 von 53 Kreisen und kreisfreien Städten zu. Am besten steht derzeit Münster mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 51,7 da. Der Kreis Soest, zu dem beide Modellkommunen gehören, liegt mit 62,3 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche ebenfalls deutlich unter dem Landesniveau.

Vor dem Restaurant „Lamäng“ in Soest sitzen zwei Damen bei geöffneter Außengastronomie, Kellner reichen ihnen das Frühstück
Vor dem Restaurant „Lamäng“ in Soest genießen Gerlinde Kirschner und Margit Husemann ihr Frühstück. © Bernd Thissen/dpa

Die Auflagen im Modellversuch sind dieselben, die auch in den potenziell nachziehenden Regionen mit einer Inzidenz unter 100 gelten werden: Geöffnet werden zunächst ausschließlich Außenbereiche. In Soest und Lippstadt nehmen zumindest bis Samstag nur Gastronomen aus klar abgegrenzten Zonen der Innenstädte teil. Etwa 1800 Sitzplätze an der frischen Luft gibt es bis dahin in den zwei Dutzend Soester Betrieben, die mitmachen, rund 500 sind es bei acht Lippstädter Restaurants und Café. Alle Gäste müssen einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist oder müssen vollständig geimpft sein. Es herrscht Reservierungspflicht, Abstandsgebot, Maskenpflicht abseits der Tische.

Öffnung von Restaurants und Cafés in Lippstadt und Soest: „Man sieht den Nachholbedarf“

„Das ist alles schon etwas kribbelig“, sagt Yvonne Pälmer, Inhaberin des Traditionslokals „Im Wilden Mann“. Das Telefon für Buchungen stehe nicht still: „Da sieht man, welchen Nachholbedarf es gibt, nach all den Monaten.“ Gleichzeitig müsse jeder Gast sich ausweisen, einchecken, auschecken, Test vorzeigen: „Das hat mit Gastwirt-Sein wenig zu tun. Aber trotzdem freuen wir uns riesig, dass wir hier loslegen können“, sagt Pälmer.

„Es fühlt sich an, wie eine Neueröffnung“, sagt Margarita Burgos Luque, die als Inhaberin an diesem Vormittag zwischen der Brasserie und einem zweiten Café mit großer Sonnenterrasse hin und her eilt. „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, so aufgeregt bin ich“, gesteht sie. Fast sieben Monate ohne Einnahmen, da „geht es doch für viele um die nackte Existenz. Aber jetzt sind wir wieder da. Wir dürfen wieder arbeiten“, sagt sie und ihre Stimme bricht kurz, so berührt ist sie. Viele Stammgäste hätten sich angekündigt. Es werde aber nicht einfach werden: Bei ohnehin halbiertem Platzangebot werden die meisten Tische von zwei Gästen besetzt. Wirtschaftlich sei das nicht.

Gastronomen in Lippstadt nach erstem Tag mit Öffnungen „hoch zufrieden“

Die Gäste, die vor allem um die Mittagszeit auf die Terrassen der Lokale strömen, wirken umso dankbarer: „Mit diesem Kaffee kommt einfach auch ein Stück Normalität wieder“, sagt der Gast eines Eiscafés. „Endlich können wir uns wieder hier treffen. Irgendwann kann man die eigenen vier Wände ja auch nicht mehr sehen“, sagt die junge Mutter Angelique Paul-Brackelmann, die mit einer Freundin in die Stadt gekommen ist.

Auch die Einzelhändler in dem westfälischen Städtchen hoffen auf größeren Zulauf: „Es ist deutlich mehr los als zuletzt“, sagt der Schuhhändler Marc Schreiber. Hochbetrieb herrscht auch an der Schnelltest-Station der Engel-Apotheke: Viele entschieden sich auch spontan noch, um zusätzlich zum Einkauf doch noch ein Café besuchen zu können, erzählt der Apotheker Horst Heidel. Andere winken ab: „Ich bin zwar leidenschaftlicher Kneipengänger, aber dafür lass ich mir kein Stäbchen in die Nase schieben“, sagt ein älterer Herr.

Nach Angaben der Lippstädter Stadtsprecherin Julia Scharte sind auch die teilnehmenden Lippstädter Gastronomen am ersten Tag des Modellversuchs „hoch zufrieden“. Für das Wochenende seien die ersten Lokale zumindest zu den Stoßzeiten ausgebucht. Unter den sich ankündigenden Gästen seien auch viele Auswärtige. „Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen“, sagt Scharte. (dpa/lnw/Florentine Dame)

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