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Nach Flutkatastrophe: NRW-Städte wollen sich besser vor Hochwasser schützen

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Menschen stehen an einer eingestürzten Straße in Stolberg bei Aachen.
In vielen Städten und Regionen hat das Hochwasser einen enormen Schaden angerichtet – auch in Stolberg. (Archivbild) © Marius Becker/dpa

Die Städte Bonn, Essen, Köln, Stolberg und Düsseldorf wollen künftig besser gegen Hochwasser gewappnet sein. Ein Überblick über die verschiedenen Konzepte.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Nach der verheerenden Flutkatastrophe wollen viele Städte in Nordrhein-Westfalen künftig verstärkt auf Hochwasserschutz achten. In Düsseldorf sollen an der nördlichen Düssel unter anderem sogenannte Spundwände im Boden verankert werden, die nahe gelegene Häuser einer Siedlung schützen, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Auch ein größeres Rückhaltebecken an der östlichen Düssel und eine stärkere Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen sei geplant.

Hochwasserschutz: Bonn baut neues Rückhaltebecken „Holzlarer See“

„Das Schutzziel, für ein hundertjähriges Hochwasser gewappnet zu sein, ist derzeit fast überall erreicht worden“, teilte der Sprecher mit. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liege aber weiter am Rhein. Auch in Bonn werde momentan der „Holzlarer See“ realisiert, ein neues Rückhaltebecken, berichtete eine Stadtsprecherin. Dazu seien zwei andere Projekte für den Schutz vor Starkregen oder Überschwemmungen in Planung.

Baumrigolen als Hochwasserschutz: Essen will Regenwasserspeicherräume unter Straßenbäumen anlegen

Sogenannte Baumrigolen will die Stadt Essen im Ruhrgebiet ausprobieren: „Das sind unter den Straßenbäumen angelegte Regenwasserspeicherräume, über die die Bäume besser und länger mit Regenwasser versorgt werden sollen, damit mehr über die Blätter verdunsten kann“, erklärte eine Stadtsprecherin. Gleichzeitig könne Regenwasser auf der Straße in diesen Speichern zurückgehalten werden, damit es nicht direkt in den Kanal fließt.

Stolberg: Arbeitsgruppe soll Projekte gegen Hochwasser entwickeln – das ist geplant

In der von der Flut schwer getroffenen Stadt Stolberg bei Aachen habe sich Anfang August zum ersten Mal eine Arbeitsgruppe getroffen, die in den kommenden Monaten Projekte gegen Hochwasser entwickeln soll, berichtete ein Stadtsprecher. „Dazu zählen sicherlich die Entsiegelung bisher versiegelter Flächen, die Ausweisung von Überschwemmungsflächen für das Wasser im oberen Flussverlauf oder auch die Anlage eines zweiten Flussbettes, das bei Starkregenereignissen Wasser abführen könnte“.

„Schwammstadt“ Köln?: OB Reker will zusätzliche Grünflächen schaffen – das steckt dahinter

Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) der Stadt Köln betonte, dass „der Erhalt und die Schaffung von Grünflächen“ eine zunehmende Rolle spiele. Stadtplanerisch liegt die Zukunft nach Angaben einer Stadtsprecherin in „Schwammstädten“, die zum Beispiel durch viele zusätzliche Grünflächen Regenwasser aufsaugen könnten, bevor dieses sofort in den Kanal abfließt.

Auch aus Sicht des Geschäftsführers des Hochwasser Kompetenz Centrums (HKC) in Köln, Georg Johann, müssen verstärkt „multifunktionale Retentionsflächen“ zum Einsatz kommen: Dabei handle es sich um tiefergelegte Flächen wie zum Beispiel in einem Park, die im Falle eines Hochwasser zusätzlich Wasser auffangen könnten. In Neubaugebieten werde das Prinzip der Schwammstadt etwa mit begrünten Flachdächern, Mulden für das Rückhalten von Regenwasser mittlerweile oft umgesetzt.

Flutkatastrophe NRW: Hochwasserschutz in bestehenden Siedlungen schwer umzusetzen

Bereits bestehende Siedlungen, etwa in Großstädten, seien allerdings eher schwierig umzugestalten: „Der verdichtete Bestand, das ist das Problem, weil einfach nicht viel Platz da ist“, sagte Johann. Viele Flächen seien in NRW derart versiegelt, dass Regen nicht im Boden versickern könne, sondern zum Beispiel in Flüsse, Bäche oder die Kanalisation abfließt. Dies sorge wiederum dafür, dass Pegelstände wie bei der Flutkatastrophe Mitte Juli stark ansteigen könnten. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Hompepage.

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