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Nordrhein-Westfalen bekommt eigenes Geschichtsmuseum – 2028 solls losgehen

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Der Behrensbau im Gebäudekomplex Mannesmann Haus in Düsseldorf.
Das Mannesmann-Haus in Düsseldorf – auch Behrensbau genannt – soll Sitz des Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen werden. © Oliver Berg/dpa

In sieben Jahren soll NRW sein eigenes Geschichtsmuseum haben. Die Ausstellungsobjekte werden derzeit noch gesammelt. Ein kleiner Teddy macht den Anfang.

Düsseldorf – Ein eigenes Museum für die Geschichte Nordrhein-Westfalens soll es ab 2028 in Düsseldorf geben. Das Museum wird im Behrensbau am Rheinufer neben der Staatskanzlei untergebracht, von 1946 bis 1953 Sitz der ersten Landesregierung.

„Das soll eine Omnibus-Ausstellung werden, also eine Ausstellung für alle Bevölkerungsgruppen“, sagte Präsidiumsmitglied Heinrich Theodor Grütter am Donnerstag. Man richte sich nicht an Wissenschaftler oder Spezialisten, sondern wirklich an jede Bürgerin und jeden Bürger. Das Museum soll nicht nur informieren, sondern auch das demokratische Bewusstsein und die Identifikation mit dem Land fördern. Die Kosten für die Gestaltung der Dauerausstellung belaufen sich auf etwa zehn Millionen Euro; sie werden vom Land getragen.

In Köln wird derzeit zwar kein neues Museum gebaut, jedoch wird das Kölnische Stadtmuseum noch in diesem Jahr umziehen.

Haus der Geschichte NRW: Ausstellungsobjekte werden noch gesammelt – Teddybär hat wichtige Rolle

Einen Vorgeschmack gibt bereits ab 26. August dieses Jahres die Jubiläumsausstellung „Unser Land. 75 Jahre Nordrhein-Westfalen“, die ebenfalls im Behrensbau gezeigt wird. Anschließend zieht sie in veränderter Form als Wanderausstellung durchs Land. NRW ist nicht das erste Bundesland, das seiner Geschichte ein eigenes Museum widmet: In Regensburg gibt es schon ein bayerisches und in Stuttgart ein baden-württembergisches Haus der Geschichte. Bis zum Start des NRW-Museums können sich Geschichtsfans bereits im deutschen Haus der Geschichte in Bonn umschauen, welches immer wieder mit neuen Ausstellung lockt.

Ausstellungsobjekte werden derzeit noch gesammelt. Etwa 4000 Objekte sind schon beisammen, darunter ein aus einem alten Mantel selbst genähter Teddybär, der 1945 bei der Flucht aus den deutschen Ostgebieten ein dreijähriges Mädchen begleitete. Dieses Mädchen, heute eine Großmutter, hat den Teddy dem Museum zur Verfügung gestellt: Er soll den Besuchern etwas über Flucht und Vertreibung erzählen, ein nach wie vor hochaktuelles Thema.

Die Dauerausstellung wird chronologisch aufgebaut sein bei gleichzeitiger thematischer Schwerpunktsetzung. Das Museum werde nicht in Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen wie dem Bergbaumuseum in Bochum stehen, betonte Hans Walter Hütter, Vorsitzender des ehrenamtlichen Präsidiums, das das Museum derzeit plant. Hütter ist selbst Präsident des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Im Laufe der nächsten Jahre sollen auch noch 50 bis 60 Video-Interviews mit Zeitzeugen für das geplante Museum entstehen.

Nordrhein-Westfalen von Briten gegründet – Vorsorge vor kommunistischer Regierung

Nordrhein-Westfalen wurde 1946 von der britischen Besatzungsbehörde gegründet, die damals im Stahlhof residierte, heute Sitz des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei das Ruhrgebiet, damals die größte Industrieregion Europas und bis kurz zuvor Rüstungsschmiede des Nazi-Reichs. Die britische Regierung in London befürchtete, dass die vielen 100.000 Arbeiter im Revier eine kommunistische Regierung wählen könnten.

Deshalb schloss sie die mutmaßliche rote Hochburg vorsorglich mit katholisch-konservativ geprägten ländlichen Gebieten wie Ostwestfalen, dem Niederrhein und der Eifel zusammen. Dieses agrarische Hinterland sollte den Ballungsraum gleichzeitig mit Nahrung versorgen. Der Projektname: „Operation Marriage“ – schließlich wurde hier erstmals das Rheinland mit Westfalen verheiratet. Düsseldorf wurde Hauptstadt, weil dort schon die britische Besatzungsbehörde ihren Sitz hatte. (dpa)

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