Harte Forderung von Tierschützern nach Hunde-Angriffen: „Für Mensch und Tier gefährlich“
Immer wieder werden Menschen von Hunden angegriffen und verletzt. Nach der jüngsten Attacke in Hamm fordern Tierrechtler den verpflichtenden Hundeführerschein in NRW.
Hamm - März 2023: Eine Frau aus Steinfurt spielt mit dem Rottweiler ihrer Tochter im Garten, plötzlich wird sie von ihm angegriffen und schwer verletzt. Die Polizei erschießt das Tier. April 2023: Ein Mann muss sich vor dem Amtsgericht Unna verantworten, nachdem sein Schäferhund ein kleines Mädchen verletzt hat. Juni 2023: In Münster wird ein 12-Jähriger von einem Hund attackiert. Oktober 2023: Am Rande einer Wiese in Hamm werden eine junge Frau und ihr Golden Doodle von einem anderen Hund gebissen.
Nach Hunde-Attacken: Peta fordert Hundeführerschein als Pflicht in NRW
In Nordrhein-Westfalen gab es in diesem Jahr bereits mehrere Vorfälle, in denen Menschen von Hunden angegriffen wurden. Sie sind zwar nicht an der Tagesordnung, und nicht jede Attacke hat schlimmen Folgen. Und doch könnte ihre Zahl deutlich kleiner sein, glaubt die Tierrechtsorganisation Peta. Sie fordert im Licht der jüngsten Bisse in Hamm die Landesregierung auf, den sogenannten Hundeführerschein in Nordrhein-Westfalen zur Pflicht zu machen. Ein entsprechendes Schreiben liegt wa.de vor.
Peta will die Hundehalter gewissermaßen an die Leine nehmen. Denn: „Das Problem liegt meist nicht bei den Hunden selbst, sondern bei ihren Halterinnen und Haltern“, sagt Annika Lewald, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. „Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Hunde richtig zu interpretieren und zu verstehen“, so Lewald. Die eigentliche Ursache von Beißvorfällen sei daher in der Unwissenheit der Menschen zu suchen, nicht beim Vierbeiner.
Hundeführerschein in NRW? In Niedersachsen ist der Sachkundenachweis bereits Pflicht
Ein solcher Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie alles über den Umgang mit Hunden lernen. Anschließend folgt ein gemeinsames Praxisseminar in einer Hundeschule. „Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern“, sagt Peta.
Niedersachsen hat als erstes deutsches Bundesland einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein dort verpflichtend. In den meisten anderen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, ist der Sachkundenachweis nur für das Halten „gefährlicher Hunde“ vorgesehen. Zu denen gehören nach Paragraf 3 des NRW-Hundegesetzes:
- Hunde der Rassen Pittbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier und deren Kreuzungen untereinander sowie deren Kreuzungen mit anderen Hunden
- Hunde, die mit dem Ziel einer gesteigerten Aggressivität ausgebildet, gezüchtet oder gekreuzt worden sind
- Hunde, mit denen eine Ausbildung zum Nachteil des Menschen, zum Schutzhund oder auf Zivilschärfe begonnen oder abgeschlossen worden ist
- Hunde, die einen Menschen gebissen haben, sofern dies nicht zur Verteidigung anlässlich einer strafbaren Handlung geschah
- Hunde, die einen Menschen in Gefahr drohender Weise angesprungen haben
- Hunde, die einen anderen Hund durch Biss verletzt haben, ohne selbst angegriffen worden zu sein, oder die einen anderen Hund trotz dessen erkennbarer artüblicher Unterwerfungsgestik gebissen haben
- Hunde, die gezeigt haben, dass sie unkontrolliert Wild, Vieh, Katzen oder andere Tiere hetzen, beißen oder reißen
Etliche Städte in Nordrhein-Westfalen haben die Hundesteuer erhöht, wie eine Aufstellung des Bundes der Steuerzahler zeigt. Besonders deutlich haben zum Teil die Tarife bei den „gefährlichen Hunden“ angezogen.
Peta-Forderung nach Pflicht-Hundeführerschein für Halter aller Hunde
Bei der Peta-Forderung nach einem verpflichtenden Hundeführerschein in NRW geht es aber eben nicht um das Halten bestimmter Hunde, sondern um alle. „Unabhängig davon, ob ein Hund einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten oder schlecht behandelt wird, kann potenziell für Mensch und Tier gefährlich werden“, sagt Annika Lewald.
Ein solch verpflichtender Schein hat nach Ansicht der Tierrechtsorganisation einen weiteren Vorteil: Er könne Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten, wie es sie in der Zeit der Corona-Pandemie häufig gab.
„Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden“, schreibt Peta. Das sind Tiere wie etwa Mischling Luna, die im Taxi ausgesetzt wurde. Oder der Hund, der in Mülheim einfach an einem Pfosten angebunden und zurückgelassen wurde. Ganz abgesehen von den sechs Welpen, die bei Minusgraden in einem Karton gefunden wurden.