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Geldwäsche, Gewalt, Terror: Razzia in NRW war laut Reul „verdammt dickes Ding“

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Polizeikräfte gehen in eine Wohnung.
Bei einer Großrazzia gegen Geldwäsche und organisierte Kriminalität hat die Polizei am Mittwochmorgen Wohnungen und Büros durchsucht. © Christoph Petersen/dpa

Am Mittwochmorgen durchsuchten rund 1400 Beamte über 80 Objekte in mehreren Bundesländern – auch in NRW. Es geht um Geldwäsche, Gewalt und Terror.

Düsseldorf – Am frühen Mittwochmorgen waren in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen rund 1400 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Auch Spezialeinheiten waren vor Ort, teilt die Polizei Düsseldorf mit. Über 80 Häuser, Wohnungen, Büros und Geschäftsobjekte wurden durchsucht, unter anderem in Düsseldorf. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sprach von einem „Paukenschlag“ gegen die Organisierte Kriminalität.

Bei den Razzien gegen Geldwäsche ging es nach dpa-Informationen vor allem um die persönliche Bereicherung der Verdächtigen. Allerdings stehen unter anderem auch der Verdacht der Terrorismusfinanzierung und andere Straftaten im Raum.

Großeinsatz in NRW, Bremen, Niedersachsen: 11 Festnahmen und 67 Verdächtige

„Das Ermittlungsverfahren der bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW) richtet sich gegen Mitglieder eines international agierenden Geldwäsche- und Hawala-Netzwerks“, hieß es zuvor in einer Mitteilung.

Was ist das Hawala-Netzwerk?

Hawala ist ein illegales Geldsystem. Dabei wird Geld ins Ausland transferiert, ohne eine Bank einzubinden. Stattdessen wird der Transfer über Zwischenhändler abgewickelt. Die Überweisungen sind nicht nachzuverfolgen, daher werden sie häufig im Rahmen von illegalen Geschäften genutzt.

Insgesamt wurden nun elf Personen festgenommen. Gegen 67 Verdächtige wird noch ermittelt. Ziel des Einsatzes sei es gewesen, Beweismitteil wie illegale Vermögenswerte, die durch Straftaten erlangt wurden, zu sichern, so Polizei und ZeOS NRW.

Festnahmen bei Geldwäsche-Razzia – Teil des Geldes vermutlich zur Terrorfinanzierung in Syrien benutzt

Wie die dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr, handelt es sich um eines der größten Verfahren der vergangenen Jahre. Über Zahlungsbüros in den Niederlanden soll das Geld in die Türkei und nach Syrien geflossen sein. Ein Gericht erließ Vermögensarreste in Höhe von 140 Millionen Euro, den Löwenanteil davon gegen die beiden Hauptbeschuldigten.

Bei den Razzien in NRW mit Schwerpunkt in Wuppertal und Düsseldorf waren auch SEK-Einheiten aus anderen Bundesländern beteiligt. Die Ermittler sind sicher, dass das Geld unter anderem aus dem Drogenhandel kam und gewaschen werden sollte. Ein Teil könnte auch zur Terrorfinanzierung in Syrien benutzt worden sein.

Größtes Verfahren während Amtszeit von Herbert Reul: „Das war ein verdammt dickes Ding“

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von einem der größten Verfahren seiner bisherigen Amtszeit. Es seien Autos, Geld und Gold im Wert von mehr als drei Millionen Euro sichergestellt worden - und eine Stereoanlage im Wert von 100 000 Euro. Auch ein Steuerberater habe unangemeldeten Besuch bekommen. „Wir haben heute einen extrem ergiebigen Geldhahn abgedreht“, sagte Reul. „Das war ein verdammt dickes Ding.“

Razzia in NRW: Ermittlungen kamen durch einen „Turnbeutel“ ins Rollen

Unter den mehr als 1400 Einsatzkräften waren am Mittwoch auch Spezialeinheiten, Staatsschützer, Finanzermittler und Steuerfahnder. Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein fahrerisches Missgeschick im Mai 2020. Ein Auto war von der Fahrbahn der A61 abgekommen. Weil die Insassen sich verdächtig verhielten, wurden die Beamten misstrauisch und entdeckten in einem Turnbeutel 300 000 Euro. Dies habe die Ermittlungen ins Rollen gebracht, bestätigte Justizminister Biesenbach der Deutschen Presse-Agentur.

Bewaffneter Raub, Geiselnahme: Das wird den Verdächtigen ebenfalls vorgeworfen

Den Beschuldigten werden weitere Taten quer durch das Strafgesetzbuch vorgeworfen, darunter Geiselnahme, Raub, Drogenhandel, gewerbsmäßiger Bandenbetrug und Terrorfinanzierung. Die 67 Verdächtigen seien überwiegend Syrer (44), unter ihnen seien aber auch 10 Deutsche, 5 Jordanier und 4 Libanesen. Insgesamt zählten die Ermittler acht verschiedene Nationalitäten.

Sie sollen mit illegalen Zahlungsdiensten Gelder aus Straftaten gewaschen und für weitere Straftaten bereitgestellt haben. Zudem wird den Beschuldigten Sozialleistungsbetrug, Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Bei der Verschleierung dieser Taten hätten sie sich gegenseitig geholfen.

Razzia in NRW: 39-Jähriger als mutmaßlicher Terrorist verhalftet – er soll Mitglied der „Al-Nusra-Front“ sein

Unter den Festgenommenen ist auch ein 39-jähriger Syrer. Er sei daneben als mutmaßlicher Terrorist verhaftet worden. Der 39-Jährige soll der islamistischen Al-Nusra-Front angehören oder angehört haben und wird gesondert verfolgt. Zwei weitere Verdächtige seien als islamistische Gefährder bekannt, vier als sogenannte „relevante Personen“ des islamistischen Spektrums.

Was ist die Al-Nusra-Front?

Die „Al-Nusra-Front“ ist eine dschihadistisch-salafistische Organisation in Syrien. Gegründet wurde sie 2011 von Mitgliedern von Al-Quaida bzw. dem Islamischen Staat. Die Terrormiliz ist für zahlreiche Autobomben und Selbstmordattentate in Syrien verantwortlich.

(nb mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde am 6. Oktober aktualisiert. Neuerung: Weitere Informationen ergänzt.

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