Tätern droht bis zu drei Jahre Haft

250 Stalker in NRW bestraft – diese Fälle aus der Region endeten tragisch

+
250 Stalker wurden im vergangenen Jahr in NRW bestraft (Symbolbild).
  • schließen

Die Justiz in NRW hat im vergangenen Jahr mehr Stalker bestraft, als im Jahr davor. In Dülmen und Leverkusen gingen die Stalker besonders brutal vor.

  • Im vergangenen Jahr wurden in NRW 250 Stalker bestraft
  • Bei Nachstellungen müssen Täter mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe rechnen
  • In Dülmen und Leverkusen gingen Stalker sogar mit einem Messer auf ihre Opfer los

Düsseldorf – Nächtliche Telefonanrufe oder Nachrichten auf dem Handy, plötzliche Geschenke oder sogar ernste Drohungen: Stalking kann für Betroffene zu einer enormen, psychischen Belastung werden. In manchen Fällen führt Stalking sogar so weit, dass die Opfer ihren Namen ändern und ihren Wohnort wechseln, um endlich in Ruhe gelassen zu werden. Wie nun bekannt wurde, sind die aktenkundigen Stalking-Fälle in NRW im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht angestiegen. Welche schlimmen Folgen Stalking haben kann, zeigen drei Fälle aus der Region:

Stalking-Fälle in NRW: Stalker sticht Ex-Freundin in Dülmen nieder

Besonders brutal ging ein Stalker im Oktober 2020 in Dülmen vor. Der Tatverdächtige, Tercan M. soll seiner Ex-Freundin Sinem D. vor ihrer Haustür aufgelauert und dann 14-mal auf die Friseurin eingestochen haben. Zuvor hatte sie bereits fünf Anzeigen gegen ihren Angreifer bei der Polizei gestellt, wie die Schwester des Opfers, Sitem gegenüber der Bild berichtete. „Er hat sie verfolgt, bedroht und beleidigt. Offenbar hat niemand ihr geglaubt.“ Der flüchtige Tercan M. konnte bisher noch nicht gestellt werden. Die 29-jährige Sinem D. hat den Messer-Angriff zum Glück überlebt.

Stalking-Fälle in NRW: 22-Jährige von Stalker im Hausflur getötet

Auch die 22-jährige Hanna, die 2015 aus Eritrea ins Rheinland kam, wurde Opfer von Stalking. Auch sie musste dafür ihr Leben lassen. Ein 47-jähriger Familienvater aus Leverkusen soll die junge Frau bereits seit sechs Monaten mit Nachrichten, Anrufen und Mails terrorisiert haben. Doch Hannah lehnte eine Beziehung zu dem älteren Mann, Tekeste G., ab.

Durch die Ablehnung wurde der Stalker jedoch immer aggressiver. „Seit Monaten lebte Hanna nur noch in Angst. Sie wagte sich nur noch in Begleitung vor die Türe. Denn ihr Verfolger lauerte ihr immer wieder auf“, erzählte ihre Mitbewohnerin dem Express. Zwar wendete sich das Stalking-Opfer damals an die Polizei, eine Strafanzeige lehnte die junge Frau jedoch ab. Sie hatte zu große Angst, dass der Stalker dadurch noch wütender werden würde. Im Juli 2020 eskalierte dann die Situation: Der Familienvater lauerte Hanna im Hausflur auf und stach mit einem Messer auf sie ein. Die 22-Jährige starb noch im Hausflur.

Stalking-Fälle in NRW: 76-jährige Stalkerin stellt Pfarrer nach

Ein Gerichtsurteil wurde unterdessen im Jahr 2019 gegen eine 76-jährige Stalkerin vollstreckt. Das Gericht in NRW verurteilte die Frau zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe. Ihr wurde zur Last gelegt, einem 65 Jahre alten Pfarrer aus Meschede-Freienohl seit 18 Jahren massiv nachgestellt zu haben. Wie der Spiegel berichtete, sollen ihre nächtlichen Kontaktversuche die Gesundheit des Pfarrers stark belastet haben, da er dadurch an starkem Bluthochdruck und Schlafstörungen litt. Zudem soll die Frau dem 65-Jährigen obszöne Worte zugerufen, sich vor seinen Augen entkleidet und einen Tanz aufgeführt haben. Nach dem Urteil des Gerichts ging die Stalkerin Christel G. jedoch in Berufung. Im Januar 2021 wird sich das Landgericht Arnsberg weiter mit dem Fall beschäftigen, schrieb die Bild.

250 Stalker in NRW bestraft – diese Strafe droht den Tätern bei Nachstellung

250 Fälle von Stalking waren bei der nordrhein-westfälischen Justiz im vergangenen Jahr aktenkundig, doch nur bei 82 Fällen erfolgte eine Verurteilung nach einer Gerichtsverhandlung. Experten zufolge soll es jedoch eine sehr hohe Dunkelziffer bei Stalking-Fällen geben. Im Jahr zuvor wurden in NRW acht Stalking-Fälle weniger angezeigt. Welche Strafe aber droht dann den Tätern? Laut dem Gesetz wird Stalking als Nachstellung bezeichnet. Damit gemeint ist, dass eine Person gegen ihren Willen wiederholt verfolgt, belästigt, penetrant bedroht und terrorisiert wird, bis hin zu psychischer oder körperlicher Gewalt, wie auf der Homepage der Polizeiberatung steht. Je nach Fall droht den Tätern bei Nachstellung dann eine Geldstrafe oder sogar eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

250 Stalker in NRW bestraft: Frauen besonders häufig von Stalking betroffen

Laut der Polizei werden besonders häufig Frauen Opfer von Stalking. Zudem kennen in 75 Prozent der Fälle die Stalking-Opfer ihre Nachsteller. Am häufigsten sind es ehemalige Beziehungspartner, die ihren Ex-Freundinnen oder Ex-Frauen nachstellen. (nb mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion