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„Stimmungslage kippt“: Lützerath-Aktivisten hinterlassen Dreck und Müll – Anwohner sauer

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Von: Johanna Werning

Die Stimmung der Bewohner in Erkelenz kippt: Die Klimaaktivisten am Tagebau Garzweiler hinterlassen zu viel Müll und Dreck, so Bürgermeister Stephan Muckel.

Erkelenz – Die Aktionen von Klimaschützern am Rande des Tagebaus Garzweiler stoßen in den betroffenen Ortsteilen nach dem Eindruck des Erkelenzer Bürgermeisters Stephan Muckel zunehmend auf Kritik. „Nach meinem Eindruck kippt die Stimmungslage in den Dörfern ein bisschen“, sagte der CDU-Politiker der dpa.

 Die verbliebenen Strukturen und Baumhäuser im Ort Lützerath werden von RWE dem Erdboden gleichgemacht.
Die Stimmung der Bewohner kippt: Die Klimaaktivisten hinterlassen zu viel Müll und Dreck (Symbolbild). © Christoph Hardt/imago

Bewohner von Erkelenz kritisieren Klimaaktivisten: Zu viel Graffiti, Müll und Dreck

Dies geschehe vor dem Hintergrund von Protesten, bei denen ein Teil der Teilnehmer sich nicht an Regeln gehalten habe. Unter anderem hatte sich bei einer Demonstration eine Gruppe getrennt und versucht, die abgeriegelte und zum Abriss vorgesehene Ortschaft Lützerath nach der Lützerath-Räumung zu stürmen. Das hatte die Polizei verhindert. Viele Menschen seien aufgebracht über Protestformen wie Ankleben oder das Abseilen von Brücken, berichtete Muckel. Das bekomme er von vielen per Mail und persönlich mitgeteilt.

Man sehe in den verbliebenen Orten zudem vermehrt Graffiti, Müll und Dreck. In den Orten, die ursprünglich für die Braunkohle abgebaggert werden sollten, seien etwa 90 Prozent der Häuser verlassen. Zwischen verschiedenen Behörden seien Maßnahmen in Abstimmung, um vor Ort für mehr Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Klimaaktivisten aus Lützerath haben sich in Zelten auf einem Bolzplatz im Nachbarort Keyenberg niedergelassen.

Kritik an Lützerath-Proteste laut Aktivisten „maßlos übertrieben“

Eine Sprecherin der Polizei Aachen bestätigte am Samstag, dass es Beschwerdeschreiben von Anwohnern aus den Ortschaften gebe. Die Bürgerinitiative „Alle Dörfer bleiben“ nannte die Kritik „maßlos übertrieben“. „Es gab in den letzten Tagen Einzelfälle, bei denen Menschen in verlassene Häuser eingedrungen sind und sie verschmutzt haben – das finden wir sehr bedauerlich“, sagte Dorothée Laumanns laut Mitteilung. Für entstandene Schäden werde man aufkommen.

Die Demonstranten hätten aber in Keyenberg „erstaunlich wenig Müll zurückgelassen“, der schließlich auch selbst beseitigt worden sei. Die Schäden würden politisch instrumentalisiert, kritisierte Alexandra Brüne von der Initiative. Derweil plane RWE sogar, einen Straßenzug am Rande von Keyenberg abzureißen, um den Kohleabbau zu erleichtern. Das sei der eigentliche Skandal. „Wir danken den Menschen, die für die Proteste in den letzten Wochen und Jahren zu uns gekommen sind, um unser Anliegen zu unterstützen.“

Erkelenz plant Zukunft am Tagebau Garzweiler: Was passiert aus den geretteten Dörfern?

Im Westen von Erkelenz bleiben fünf Dörfer bestehen, die ursprünglich dem Braunkohletagebau weichen sollten. Dort leben noch etwa 200 der ursprünglichen Bewohner. Vor Beginn der Umsiedlung waren es 1500. Hinzu kommen derzeit etwa 300 Geflüchtete aus der Ukraine.

Mit einer Bürgerbeteiligung will die Stadt Erkelenz die neue Planung am Braunkohletagebau Garzweiler begleiten. Allerdings hat die Mehrheit der Bewohner schon verkauft und ist weggezogen. Nun wollen manche zurück in die alten Häuser, andere nicht, einige Bewohner sind die ganze Zeit geblieben. Am 2. Februar beginnt in der Stadthalle von Erkelenz ein öffentliches Beteiligungsverfahren. Erste Ideen zu Landwirtschaft, Naturraum und Siedlungsraum sollen vorgestellt werden. Auch soll es ein Online-Beteiligungsverfahren geben. Besonders Umsiedler und Menschen, die in den Alt-Orten bleiben wollen, sollen gehört werden. Laut Plan soll der Stadtrat Mitte des Jahres eine Zukunftsvision für die Flächen beschließen.

Die fünf Dörfer im ländlichen Westen der Stadt sind verschieden: Dazu gehören Orte mit einem kleinen Zentrum, einer Kirche und alten Vierkanthöfen, andere sind eher kleine Straßendörfer. Durch die geänderten Pläne wurde der Tagebau in den vergangenen Jahren immer wieder verkleinert. „Das bietet Chancen, die wir durch den Prozess nutzen wollen“, sagte Bürgermeister Muckel. 2030 soll die Förderung von Braunkohle im Rheinland zu Ende gehen. (jw mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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