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NRW: Syrien-Flüchtling Tareq Alaows zieht Bundestagskandidatur zurück

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Tareq Alaows bei einer Pressekonferenz am 12. September 2019 in Berlin.
Der syrische Flüchtling Tareq Alaows wollte anderen Menschen, die auf der Flucht sind und in Deutschland leben, eine Stimme geben. © IMAGO / Reiner Zensen

Der Politiker Tareq Alaows hat anonyme Morddrohungen gegen seine Familie erhalten. Er kündigte nun an, seine Bundestagskandidatur für die Grünen in NRW zurückzuziehen.

Oberhausen – Nach Morddrohungen gegen seine Familie hat der aus Syrien geflüchtete Tareq Alaows (31) seine Bundestagskandidatur für die Grünen in Nordrhein-Westfalen zurückgezogen. Das teilte Alaows Kreisverband Oberhausen am Dienstag mit. „Die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahestehende Menschen ist der wichtigste Grund für die Rücknahme meiner Kandidatur“, heißt es in der Mitteilung. Der 31-Jährige kündigte zugleich an, sich für eine Zeit aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Grund sei auch hier sein Schutz und der Schutz seines privaten Umfeldes.

Nach Auskunft eines Parteisprechers hatte es anonyme Morddrohungen gegen die Familie des Politikers in Syrien für den Fall gegeben, dass Alaows an der Kandidatur festhalte.

Wegen Morddrohungen: Flüchtling Tareq Alaows (31) zieht Bundestagskandidatur für Grüne in NRW zurück

Der Grünen-Politiker wollte „als erste aus Syrien geflüchtete Person im Bundestag den hunderttausenden Menschen, die auf der Flucht sind und hier mit uns leben, eine politische Stimme geben“, wie er bei der Bewerbung erklärt hatte. Sein Kreisverband zeigte sich enttäuscht. „Wir hätten uns gewünscht, weiterhin mit Herrn Alaows als unserem Bundestagskandidaten für eine humane Asyl- und Migrationspolitik streiten zu können“, erklärte der Kreisverband.

Tareq Alaows (die Grünen) erhält Morddrohungen: Politiker sind von rassistischen Anfeindungen entsetzt

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte es am Dienstag bei Twittererbärmlich für unsere Demokratie“, dass die erste Bundestagskandidatur eines Geflüchteten aus Syrien an Bedrohungen und Rassismus scheitere. Er rief zur Solidarität mit Alaows auf - und mit „allen, die sich ehrenamtlichamtlich engagieren und angefeindet werden“.

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, reagierte entsetzt. „Dass es Tareq Alaows nicht möglich ist, für den Bundestag zu kandidieren, ohne seine und Sicherheit seiner Familie aufs Spiel zusetzen ist hochgradig beschämend für unsere demokratische Gesellschaft“, schrieb sie auf Twitter. „Wir müssen uns solchen rassistischen Anfeindungen noch wirksamer entgegenstellen!

Syrien-Flüchtling Alaows kam vor fünf Jahren nach Deutschland – in seiner Heimat studierte er Jura

Alaows sprach von „massiven Rassismuserfahrungen“ während seiner Kandidatur. Andererseits habe er innerhalb und außerhalb seiner Partei aber auch viel Unterstützung bekommen. Alaows war vor fünf Jahren in Deutschland angekommen und schon wenige Monate nach seiner Ankunft mit der selbstorganisierten Gruppe „Refugee Strike Bochum“ politisch aktiv geworden. Der 31-Jährige hat in Syrien Jura studiert. Über seinen Rückzug hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Leider gibt es immer wieder rassistische Anfeindungen. Zu einer Straftat mit antisemitischem Hintergrund kam es kürzlich in Köln. Dort wurde vermutlich in einer KVB-Stadtbahn ein antisemitischer Flyer verteilt. Eine neue Meldestelle soll das Antisemitismus-Problem in der Stadt nun erfassen. Über die Arbeit in der Antisemitismus-Meldestelle haben wir in einem Artikel berichtet. (nb mit dpa)

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