1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Kinder könnten von Nutrias attackiert werden – „auf keinen Fall streicheln“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lydia Mayer

Ein Nutria sitzt auf einen Baumstamm
Ein Nutria sitzt auf einen Baumstamm. So possierlich die Tiere aussehen, sie können sehr gefährlich werden, wie der Fall eines getöteten Hundes aus Lippstadt zeigt. (Symbolfoto) © Clément Philippe/agefotostock/Imago images

Weil eine Nutria den Nachwuchs verteidigen wollte, musste Terrier Enno in Lippstadt sterben. Auch Kindern könnten Nutrias gefährlich werden, wie ein Jäger erklärt.

Lippstadt – Sie sehen so niedlich aus, aber sie können extrem gefährlich sein: „Dass Nutrias Kinder angreifen, ist nicht auszuschließen“, sagt André Kösterkamp vom Hegering Lippstadt (Kreisjägerschaft Soest). Ausgewachsene Nutrias können zehn bis zwölf Kilo wiegen und sehr viel Kraft entwickeln, wenn sie ihren Nachwuchs verteidigen wollen.

Nutria-Attacke auf Hund in Lippstadt: Hochwasser erhöht Risiko von Angriffen

Die dramatischen Folgen, die das haben kann, zeigt ein Fall aus Lippstadt: Weil Terrier Enno dem Nutria-Nachwuchs beim Spaziergang an einem Seitenarm der Lippe wohl zu nahe gekommen ist, musste er sterben. „Der Hund ging hier den Bach runter und dann merkten wir nur, wie eine Nutria sich auf den Hund stürzte und ihn so schüttelte, beutelte, dass er innerhalb von zehn Sekunden einen Genickbruch hatte und der Hund war tot“, schildert der Hundebesitzer dem WDR die dramatische Situation.

In Zeiten von Hochwasser wird das Risiko von derartigen Nutria-Attacken größer, wie der Sprecher vom Hegering Lippstadt erklärt. Bei Hochwasser werden die Höhlen der Nutrias überflutet und die Tiere müssten sich viel weiter vom Ufer entfernt, einen neuen Bau anlegen. Zu erkennen sind Nutriabauten an großen runden Löchern im Boden oder an Uferkanten, die an Fuchsbauten erinnern.

Nutrias in NRW: Kinder könnten attackiert werden – Nutrias keinesfalls füttern

Müssen die Nutrias aber vom Ufer weg, dann rücken sie möglicherweise auch näher an bevölkerte Plätze. So wurden Nutrias auch schon mitten in Köln gesichtet, unter anderem am Ebertplatz und im Stadtteil Sürth. Lassen sich die Nutrias an bevölkerten Plätzen nieder, steigt die Gefahr, dass kleine Kinder Nutrias oder Nutria-Nachwuchs entdecken, die Tiere möglicherweise anfassen wollen und dann von einem Nutria angegriffen und gebissen werden. Laut André Kösterkamp wäre es sogar möglich, dass ein kräftiges, ausgewachsenes Nutria ein Kleinkind wegzerrt.

Denkbar wäre auch diese Situation: Ein Kind möchte eine Nutria füttern und wird angegriffen, weil das Nutria Junge hat. Immer wieder kommt es vor, dass Passanten die Biberratten trotz Verboten füttern. Nachdem auch in Bonn regelmäßig Nutrias gesichtet werden, hat die Stadt Bonn für Nutrias ein Fütterungsverbot verlassen, aber nicht alle halten sich daran. Jäger André Hösterkamp warnt davor, Wildtiere zu füttern. Auch das Landesamt für Umwelt Nordrhein-Westfalen unterstreicht diese Warnung: „Wildtiere dürfen auf keinen Fall gefüttert oder gestreichelt werden“, sagt Sprecher Wilhelm Deitermann.

Sind Nutria-Attacken wie in Lippstadt vermeidbar?: Abstand halten ist oberstes Gebot

Doch lässt sich verhindern, dass Kinder oder Hunde Opfer eines Nutria-Angriffs werden? André Kösterkamp rät Hundebesitzern die Hunde in Uferbereichen von Flüssen und Seen immer anzuleinen, Eltern sollten ihre kleinen Kinder nicht aus den Augen lassen. Die wichtigste Regel lautet: Abstand halten, und den Tieren keinesfalls zu nahe kommen. Da Nutrias mehrmals im Jahr Nachwuchs haben können, lasse sich auch kein Zeitraum nennen, in dem besondere Vorsicht vor Nutrias geboten ist.

Deshalb sei es hilfreich, wenn die Behörden dort, wo bekannte Nutriagebiete liegen, Warnschilder aufstellen. Auch die Bejagung der Tiere sei eine Option. Allerdings ist das nur in bestimmten Gebieten von vorneherein erlaubt, ansonsten ist immer einer entsprechende Genehmigung der Behörden erforderlich.

Auch interessant