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Kampf gegen die Biberratte: Der Kreis Kleve geht rigoros gegen Nutrias vor

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Von: Benjamin Stroka

Ein Nutria verweilt am Ufer eines Tümpels.
Die Nutrias sorgen im Kreis Kleve schon seit Jahren für Probleme (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/dpa

Während die aus Südamerika stammenden Nutrias sich in NRW immer weiter ausbreiten, hat der Kreis Kleve bereits vor über zwei Jahren die Initiative im Kampf gegen die Biberratten ergriffen.

Kleve – Die eigentlich aus Südamerika stammenden Nutrias machen sich schon seit einigen Jahren in NRW breit. Zuletzt gerieten die Biberratten mehrfach in die Schlagzeilen, zumeist in negativer Sicht. Denn Nutrias können richtig gefährlich werden. Erst vor einigen Tagen tötete eine Nutria in Lippstadt einen kleinen Hund. Jäger gehen davon aus, dass Nutrias bei der Verteidigung ihres Nachwuchses vor nichts zurückschrecken. Daher sollen auch Kinder sehr vorsichtig sein und Nutrias auf keinen Fall streicheln. Und Nutrias breiten sich immer weiter aus. Selbst im Stadtgebiet von Köln wurden Ende Februar einige Nutrias gesichtet.

Problem für die Umwelt: Nutrias zerstörten Röhricht-Bestand im Kreis Kleve

Probleme mit Nutrias kennt der Kreis Kleve schon seit Jahren. Bereits seit Juli 2018 werden die optisch eigentlich recht drolligen, aber auch für die Umwelt sehr gefährlichen Biberratten dort aktiv bekämpft. Der Grund: die Nutria sind hauptverantwortlich für den Rückgang des Röhricht-Bewuchses in der Gegend. Zu Röhrichten zählen viele Pflanzenarten im Flachwasser, wie Schilfrohr oder Igelkolben. Diese dienen als wichtiger Lebensraum für Fische, Insekten und auch Vögel. Doch der Bestand wurde im Kreis Kleve immer weiter dezimiert. Mit Fotofallen machten die Mitarbeiter des Naturschutzzentrums vor Ort die Nutrias als Übeltäter dafür aus. Immer wieder fraßen die Biberratten sich durch den Röhricht.

Daher rief man in Kleve das Projekt „Lebendige Röhrichte – Reeds for LIFE“ ins Leben. Durch dieses 1,8 Millionen Euro umfassende Projekt sollen unter anderem die Röhrichte gerettet werden. Gleichzeitig ist das Projekt aber auch eine Kampfansage an die Biberratten. „Nutrias sind eine hochinvasive Art. Sie verändern den Lebensraum zum starken Nachteil einheimischer Arten. Ihr Einfluss auf die Umwelt ist massiv, und das weltweit“, erklärte Martin Brühne gegenüber der Rheinischen Post. Brühne ist Diplom-Biologe, stellvertretender Geschäftsführer des Naturschutzzentrums und betreut das Projekt.

Nutrias: Die Biberratten vermehren sich sehr stark

Ein großes Problem sei laut Brühne, dass sich die Tiere „sehr stark und sehr schnell“ vermehren. So würden pro Wurf rund fünf Nutria-Junge zur Welt kommen. Bei drei Würfen pro Jahr führe das schnell zu Schwierigkeiten. Zudem sollen die Nutria kaum natürliche Feinde haben. In Kleve reagierte man kompromisslos auf das Problem. Mit Hilfe von Lebendfallen fängt dort ein Berufsjäger die Biberratten. Wenn eine Nutria in eine Falle getappt ist, bedeutet das danach zumeist ihren Tod. „Die meisten Kadaver gehen dann als Futter in den Tierpark, manche werden als Aas auch liegengelassen, das hilft der Natur“, erklärt Brühne.

Seit Projektstart im Juli 2018 wurden im Kreis Kleve 530 Nutrias gefangen. Das sei nicht wenig, betont der Diplom-Biologe, aber da man von mindestens 12.500 Nutrias im Kreisgebiet ausgeht, dürfte das noch ein langer Kampf werden. Immerhin: in einigen Gebieten gab es bereits deutliche Erfolge zu beobachten. Wo 2019 noch bis zu 70 Nutrias in die Fallen getappt sind, reduzierte sich diese Zahl Ende 2020 auf zehn. (bs)

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