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Tierheim Bonn nimmt Hunde von Obdachlosen über Nacht auf – doch niemand nutzt das Angebot

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Von: Lydia Mayer

Der Hund eines Bettlers sitzt in Decken gehüllt vor den Füßen seines Herrchens.
Der Hund eines Obdachlosen sitzt in Decken gehüllt vor den Füßen seines Herrchens. Obdachlose gehen oft nicht in Notunterkünfte, weil Hunde nicht mitdürfen. (Symbolfoto) © Matthias Balk/dpa

Obdachlose können die kalten Winternächte in einer Notunterkunft verbringen. Aber: Hunde müssen in der Regel draußen bleiben. Nicht nur das Tierheim Bonn kann da helfen.

Bonn – Die nächtliche Kälte kann für Obdachlose in Nordrhein-Westfalen lebensgefährlich sein. Trotzdem nutzen viele Obdachlos bereitstehende Notschlafplätze in NRW laut Wohlfahrtsverbänden nicht. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist es die Angst, sich in den Unterkünften mit dem Coronavirus anzustecken, sagt Andreas Sellner von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Freie Wohlfahrtspflege. Grund Nummer zwei ist, dass Obdachlose ihre Hunde aus hygienischen Gründen nicht mit in die Notunterkünfte bringen dürfen.

Tierheim Bonn: Obdachlose haben Angst, ihren Hund zu verlieren

Um der Sorge vor dem Coronavirus in NRW entgegenzuwirken, haben die Kommunen die Belegungsdichte der Notunterkünfte verringert. Zudem werden zusätzlich Räume in Pensionen oder Jugendherbergen angeboten. Die Stadt Köln geht jetzt noch weiter. Um die Obdachlosen dazu zu bewegen, nachts die Straße zu verlassen, gibt es in der Stadt Köln ab Montag auch Notunterkünfte mit Einzelbelegung.

Damit in der Zeit, in der die Obdachlosen schlafen und sich aufwärmen, auch die Hunde gut versorgt sind, bietet das Tierheim in Bonn an, diese über Nacht aufzunehmen und zu versorgen. „Wir machen das jeden Winter“, sagt Julia Zerwas vom Tierheim Bonn. Allerdings: Bisher habe noch nie ein Obdachloser dieses Angebot wahrgenommen und seinen Hund im Tierheim Bonn vorbeigebracht. Dabei seien die Unterkünfte und Einrichtungen für die Obdachlosen in Fußweite des Tierheims.

Die Angst unter den Obdachlosen, dass sie ihre Tiere nicht wiederbekommen, sei groß, nennt Julia Zerwas einen Grund dafür. Aber sie ist unbegründet. „Wir versprechen, dass wir die Tiere zurückgeben“, sagt die Tierheim-Mitarbeitern. Das steht auch auf den Flyern des Bonner Tierheims, die an die Notunterkünfte und Einrichtungen für Obdachlose verteilt werden, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. Dennoch scheint die Skepsis zu groß zu sein. So trotzen die Obdachlosen aus Angst ihren Hund zu verlieren offenbar lieber dem derzeitigen Wetter in NRW und der nächtlichen Eiseskälte, als in eine Notunterkunft zu gehen.

Obdachlos in NRW: In Dortmund dürfen Hunde mit in die Notunterkunft

Andere Tierheime in Nordrhein-Westfalen geben Obdachlosen ebenfalls die Möglichkeit, ihre Hunde über Nacht im Tierheim abzugeben und am nächsten Tag wieder abzuholen. So auch das Tierheim in Hilden: „Aufgrund der extremen Temperaturen möchten wir obdachlosen Menschen anbieten, ihren Hund für die Nacht zu uns zu bringen, damit sie selber in eine Notunterkunft gehen können. In diesen Unterkünften sind in der Regel Hunde nicht erlaubt, und so bleiben viele Menschen lieber auf der Straße, was momentan lebensgefährlich ist“, schreibt das Tierheim auf seiner Facebook-Seite.

Das Tierheim in Köln-Zollstock nimmt bis zu zehn Hunde von Obdachlosen auf und betreut diese über Nacht. In Dortmund hat der Wohnungslosenverein „Bodo“ mit zwei weiteren Dortmunder Wohnungslosen-Initiativen ein ungenutztes Hostel in Dortmund als Notunterkunft mit zehn Doppel- und Einzelzimmern für Obdachlose eingerichtet. Und: hier dürfen die Hunde sogar mit. (mit dpa)

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