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Polizei riegelt Lützerath ab: Zugang bald nur noch zu Fuß

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Von: Peter Sieben

Polizei macht sich ein Bild von der Lage in Lützerath
Polizeieinsatz im Tagebau-Dorf Lützerath. Aktivisten besetzen dort Häuser, um gegen den Abriss des Weilers und den Braunkohleabbau durch RWE zu demonstrieren. © Federico Gambarini/dpa

Im Januar soll Lützerath geräumt werden: Doch der Widerstand ist groß, und allmählich werden Erinnerungen an den Hambacher Forst wach.

Erkelenz – Lützerath lebt. Noch. Das besetzte Dorf am Tagebau Garzweiler soll zum Jahresstart 2023 geräumt und abgerissen werden, damit der Energiekonzern RWE die Braunkohle darunter abbaggern kann. Allmählich verdichten sich die Zeichen, wann genau die Räumung starten soll – und dafür, dass sie sehr lange dauern wird.

Lützerath-Räumung: Infoveranstaltung in Erkelenz

Theoretisch könnte die zuständige Aachener Polizei gemäß der Räumungsverfügung vom Kreis Heinsberg schon am 10. Januar räumen. Doch an dem Tag soll es in Erkelenz noch eine Infoveranstaltung zur Lützerath-Räumung geben: Unter anderem der Heinsberger Landrat Stephan Pusch und Aachens Polizeichef Dirk Weinspach werden dabei sein. Vor dem 11. Januar wird also wohl nicht geräumt. Doch schon Anfang Januar wird es ein erhöhtes Polizeiaufgebot geben. Ab dem 2. Januar wird niemand mehr Lützerath mit dem Auto anfahren können – nur noch zu Fuß kommt man dann ins Dorf.

Große Demo am Tagebau Garzweiler geplant

Am 14. Januar ist derweil eine große Demo am Tagebau geplant. Tausende Menschen werden erwartet, manche von ihnen wollen sich vielleicht den Besetzerinnen und Besetzern im Camp von Lützerath anschließen. Denkbar, dass die Polizei vorher eingreift – und die tatsächliche Räumung irgendwann zwischen dem 11. und dem 14. Januar passiert.

Die Menschen, die sich jetzt noch in Lützerath aufhalten, handeln bereits illegal: Das hat der Kreis Heinsberg in einer Allgemeinverfügung vor wenigen Tagen deutlich gemacht. Noch immer sind zwischen 80 und 150 Menschen vor Ort – mal sind es mehr, mal weniger. Sie haben Widerstand angekündigt. „Wir werden Lützerath mit unseren Körpern verteidigen“, sagt Ronni Zepplin, Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“.

Aktivisten kündigen Widerstand in Lützerath an

Drastischer klingen die Formulierungen des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“: „Wir werden um Lützerath kämpfen, wie wir den Hambacher Wald verteidigt haben. Wer Lützerath angreift, wird einen hohen Preis zahlen“, heißt es von dort. Und auf das Ortsausgangsschild von Lützerath hat jemand mit Filzstift den unmissverständlichen Satz geschrieben: „Bulle? Verpiss dich!“

Baumhäuser in Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten im Camp von Lützerath auch in Baumhäusern. © Peter Sieben

Die Bewohner von Lützerath haben Baumhäuser errichtet, Gräben ausgehoben und Barrikaden aufgestellt. „Wir werden es der Polizei so schwer wie möglich machen, überhaupt ins Camp hineinzukommen. Wir werden Barrikaden errichten und möglichst hohe Hindernisse bauen, was es für die Polizei noch einmal besonders schwer macht“, sagt Aktivistin Mara Sauer.

Erinnerungen an den Hambacher Forst

Das weckt Erinnerungen an den Hambacher Forst, wo Aktivistinnen und Aktivisten mit ähnlichen Methoden über Monate Widerstand geleistet hatten. „Ja, es gibt definitiv Parallelen dazu“, so eine Sprecherin der Polizei Aachen auf Nachfrage.

Noch vor einigen Wochen hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) einen „Gesamteinsatz“ angekündigt, gewissermaßen in einem Aufwasch sollte das besetzte Tagebau-Dorf geräumt und abgerissen werden. Doch so schnell wird es wohl nicht gehen. „Wir rechnen damit, dass der Einsatz vier bis sechs Wochen dauert“, so die Polizeisprecherin.

Ganz Deutschland schaut auf Lützerath

Ganz Deutschland wird in dieser Zeit dann auf das kleine Dorf am Tagebau Garzweiler schauen. Eskalationen wie im Hambacher Forst will man vermeiden, es gebe auch Unterschiede: Die Gruppen in Lützerath seien „bürgerlicher geprägt“, hieß es zuletzt von der Polizei Aachen. Die Camp-Leute wiederum sagen: Aggressionen gingen von der Polizei aus und nicht von ihnen.

Wie viele Beamte bei der Räumung im Einsatz sein werden, das wollte die Sprecherin aus taktischen Gründen nicht sagen. Klar aber ist: Es werden nicht nur Kräfte aus Aachen, sondern auch aus umliegenden Städten wie etwa Köln vor Ort sein. (pen)

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