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Rheinbrücken: Wirtschaft kritisiert schlechten Zustand – weiteres Bauwerk drohe, „in die Knie zu gehen“

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Von: Oliver Schmitz

Die Autobahnbrücke der A1 über den Rhein Leverkusen.
An der Rheinbrücke auf der A1 bei Leverkusen wird schon seit Jahren gearbeitet. © imago images/Jürgen Schwarz

Die Sanierung der Straßenbrücken über den Rhein ist eine Mammutaufgabe. Planung und Baumaßnahmen kosten viel Zeit. Der Zustand der Brücken sei „nicht ausreichend“.

NRW/Rheinland – Die Wirtschaft im Rheinland fordert eine schnellere und besser aufeinander abgestimmte Sanierung der maroden Brücken über den Rhein. „Die Liste der Sorgenkinder ist 2020 länger geworden“, sagte der Präsident der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer, Burkhard Landers, am Mittwoch in Düsseldorf. Nach der A1-Brücke bei Leverkusen und der A40-Brücke in Duisburg drohe jetzt auch die A46-Brücke in Düsseldorf „in die Knie zu gehen“.

Rheinbrücken in NRW: Bauwerke im Rheinland besonders alt

Landers stellte eine von der IHK im Rheinland erstellte Studie vor. Darin wird der Zustand der Brücken im Durchschnitt als „nicht ausreichend“ bewertet. Die insgesamt 28 Straßen- und Eisenbahnbrücken über den Rhein in NRW seien im Schnitt 60 Jahre alt. Im Nachbarland Niederlande hätten die Brücken dagegen durchschnittlich 50 Jahre auf dem Buckel. Besonders alte seien die kommunalen Rheinbrücken mit durchschnittlich 63 Jahren.

Skeptisch sieht die Wirtschaft, dass seit Jahresbeginn mit der Autobahngesellschaft des Bundes eine weitere Behörde für die Rheinbrücken zuständig ist. Um Planung und Sanierung zu beschleunigen, fordern die IHKs unter anderem, alle Rheinbrücken in ein Sondervermögen des Bundes zu überführen, das von einer Gesellschaft verwaltet wird. Sie müsse mit ausreichend Geld ausgestattet werden, um Instandhaltung, Grundsanierung und Kapazitätserweiterungen dauerhaft finanzieren zu können.

Rheinbrücken: Planungs- und Bauzeiten haben sich sogar verlängert – Italien dient als Vorbild

„Wir müssen deutlich schneller werden“, sagte Landers. Planungs- und Bauzeiten für Brücken seien in den vergangenen Jahren nicht kürzer, sondern länger geworden. Deutschland solle sich ein Vorbild an Italien nehmen. Dort sei nach dem Brückeneinsturz in Genua der Neubau nach nur zwei Jahren fertig gewesen. „Das muss auch unser Anspruch sein.“

Auch die Verkehrslenkung bei Brückensperrungen müsse verbessert werden, verlangte Landers. Für jede Rheinbrücke sei „eine Art Stresstest“ notwendig. „Nur wenn man weiß, was man im Notfall machen muss, kann man schnell reagieren“. Der Reaktion auf den Brand eines Lastwagens unter einer Brücke über die A40 in Mülheim zeige, dass NRW an diesem Punkt Fortschritte gemacht habe.

Rheinbrücken: NRW-Verkehrsministeriums weist Schuld von sich – SPD steht der Wirtschaft bei

Ein Sprecher des NRW-Verkehrsministeriums verwies darauf, dass es bereits seit 2018 einen Masterplan für den Bau von Bundesfernstraßen gebe. Zudem habe NRW seit dem Regierungswechsel zu Schwarz-Gelb 593 Millionen Euro mehr an Bundesmitteln nach NRW geholt als vorgesehen, weil mehr Projekte schneller zur Baureife gebracht worden seien.

Die SPD-Landtagsfraktion nannte die Forderungen aus der Wirtschaft einen „Hilferuf“. Der Landesregierung fehle der Gesamtblick auf die Brückenproblematik in Nordrhein-Westfalen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Carsten Löcker. Pannen wie bei der Leverkusener Rheinbrücke dürften sich nicht wiederholen. (os mit dpa)

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