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Schule nach den Ferien: Luftfilter eines der „Schutzschilde“ gegen Corona

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Von: Benjamin Stroka

Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum.
In Düsseldorf betonten Experten erneut, dass Luftfilter in Schulen nur als Ergänzung zum regelmäßigen Lüften gesehen werden können (Symbolbild). © Sven Hoppe/dpa

Am 18. August startet das neue Schuljahr in NRW im Präsenzunterricht. Mehrere Maßnahmen im Kampf gegen Corona sollen dabei helfen – auch Luftfilter.

Düsseldorf – Eine Woche vor dem Ende der Sommerferien und dem Start ins neue Schuljahr in NRW wird weiterhin lautstark diskutiert, ob die Schulklassen im Land Pandemie-sicher genug sind, um flächendeckenden und langfristigen Präsenzunterricht sicherstellen zu können. Schulministerin Yvonne Gebauer versprach schon vor Wochen, dass die Schulen im Präsenzunterricht aus den Ferien zurückkehren würden. Ein erneuter Wechsel- oder gar Distanzunterricht soll unbedingt vermieden werden.

Seit Monaten ein zentraler Punkt bei diesem Thema sind Luftfilter in den Klassenräumen. Für Experten sind sie zwar kein Allheilmittel, aber unter den richtigen Umständen eine sinnvolle Ergänzung. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach nannte das Lüften in den Klassenräumen am Mittwoch in Düsseldorf als eines von vier „Schutzschilden“ gegen das Coronavirus an den Schulen im Land. Die anderen seien die klassischen AHA-Regeln inklusive Maskenpflicht, die Teststrategie und die Impfung. Doch wie ist aktuell eigentlich der Stand im Hinblick auf Luftfilter in den Schulen?

Schule in NRW: „Luftfilter ersetzen nicht das Lüften über die Fenster“

In Räumen, die nur eingeschränkt belüftet werden können, beispielsweise weil die Fenster nur kippbar sind, seien Luftfilter ein weiteres Hilfsmittel. „Dort können sie helfen, die Viruslast zu in den Räumen zu minimieren. Zum Lüftungserfolg insgesamt tragen sie aber überhaupt nichts bei“, erklärte der Direktor im Umweltbundesamt, Heinz-Jörn Moriske. Er betonte, dass die Filter keine „eierlegende Wollmilchsau“ seien. „Luftfilter ersetzen nicht das Lüften über die Fenster.“

Das Land NRW hat schon 2020 die Räume in den Schulen untersuchen lassen und in Kategorien aufgeteilt. Es gibt Räume, die über entsprechende Fensterfronten verfügen und durch das breite Öffnen der Fenster belüftet werden können. In denen sollen Luftfilter keine zusätzliche Wirkung haben. Dann gibt es Räume, die überhaupt nicht belüftet werden können, die aber laut Bauministerin Scharrenbach bereits seit dem letzten Jahr komplett für den Unterricht gesperrt sind. Übrig bleiben Klassenräume der sogenannten Kategorie 2 (eingeschränkte Lüftungsfähigkeit). Für diese könnten Luftreiniger Abhilfe schaffen, die etwa mit hocheffizienten Filtern arbeiteten. Sinnvoll seien auch geräuscharme, sogenannte UVC-Geräte, die Viren in der Luft „biologisch inaktivieren“.

Unterm Strich könnten zurzeit nur 15 bis 25 Prozent der Schulen in NRW nicht so belüftet werden, dass die Viren durch das Öffnen der Fenster abtransportiert würden, sagte Moriske.

Luftfilter an Schulen: Masken bleiben trotzdem notwendig

Auch Eckhard Ruthemeyer, Präsident des Städte- und Gemeindebunds, betonte, dass eine flächendeckende Ausstattung aller Schulen mit Lüftungsgeräten nicht zwingend notwendig sei. Die Rahmenbedingungen für „bestmöglichen Unterricht“ seien gegeben. Auch der Vorsitzende des Städtetags NRW, Pit Clausen, mahnte, die Bedeutung von Lüftungsanlagen sollten nicht überbewertet werden. Es seien lediglich „Hilfskrücken“.

Moriske betonte zudem, dass die Erwartungshaltung beim Einsatz der Geräte häufig zu hoch sei. „Bei manchen Eltern und Lehrern gibt es die Erwartung, dass durch den Einsatz von Luftfiltern in den Klassenräumen keine Masken mehr nötig wären. Das ist ein Trugschluss. Sie sind kein Allheilmittel und können nicht das einzige Instrument sein, um Infektionen in Klassenräumen zu reduzieren“, erklärte der Bundesumweltamtsdirektor.

Luftfilter an den Schulen: NRW wartet nur noch auf den Bund

Bauministerin Scharrenbach bekräftigte derweil, dass das Land in einem zweiten Lüftungsprogramm rund 90 Millionen Euro bereitstelle und diesmal neben den Schulen auch Kitas profitieren könnten. Allerdings warte das Land weiterhin auf die Verwaltungsvereinbarung vom Bund, der an der Finanzierung beteiligt ist. Ohne diese könne NRW keine Förderrichtlinie erlassen und die Kommunen nicht an die Umsetzung gehen.

Aktuell gebe es in vielen Bundesländern noch ein Hin und Her, das den Abschluss des Papiers verzögere. „Das ist unbefriedigend. In NRW sind wir bereit, mit der Vereinbarung einverstanden und stehen ‚Gewehr bei Fuß‘, aber ohne Verwaltungsvereinbarung geht das noch nicht“, sagte die Ministerin. Moriske empfahl den Kommunen, nicht erst auf die Verwaltungsvereinbarung zu warten, „sondern die Geräte jetzt anzuschaffen, die auf einer Empfehlung basieren“. (bs mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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